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Quickborner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 09:19 Uhr

Land zeichnet Verein aus Ellerbek aus

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Altenpflegepreis Dritter Preis für „Kultur- und Jugendprojekte“

Jedes Jahr verleiht das Land Schleswig-Holstein den Altenpflegepreis für Projekte im Bereich der Begleitung und Pflege von Senioren. Der Verein „Kultur- und Jugendprojekte“ mit Sitz in Ellerbek hat mit der Entwicklung eines Seminarprogramms dabei den mit 1000 Euro dotierten dritten Platz belegt.

Die Grundidee des Konzepts ist, Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einem Alten- oder Pflegeheim absolvieren, in einer speziellen Seminarreihe zu schulen, um sie in Theorie und Praxis an die Berufe in diesem Bereich heranzuführen und so als Nachwuchskräfte zu gewinnen. „Jeder, der ein FSJ ableistet, muss 25 Tage Schulung durchlaufen“, erklärte Friedel John, geschäftsführender Vorstand des Vereins, im Gespräch mit unserer Zeitung. Bereits 2002 sei der Bundesverband privater Anbieter (bpa) an ihn herangetreten mit der Bitte, für diejenigen FSJler, die in Einrichtungen für Senioren arbeiteten, ein pädagogisches Konzept für die gesetzlich vorgeschriebene Schulung auszuarbeiten. „Der bpa ist ein Dachverband der Alten- und Pflegeeinrichtungen“, erläuterte John.

Maßgeblich beteiligt an der Erstellung und Umsetzung des Konzepts war Tanja Baier, die als Krankenschwester und Praxisanleiterin am Klinikum in Itzehoe arbeitet. Gemeinsam mit 16 Pädagogen und Fachkräften schult und begleitet sie seitdem die Freiwilligen. Sie gab unter anderem den zweitägigen „Crash-Kurs Pflege“, beschrieb Baier. Im Zentrum stehe dabei das Lernen durch Erfahrung, aber auch Methodik und die Erweiterung sozialer Kompetenzen spielten eine wichtige Rolle. „Wir haben zum Beispiel einen Alters-Simulationsanzug“, erklärte Baier. Wer diesen überziehe und selbst erlebe, was es heißt, nicht mehr richtig gehen zu können, die Arme nur noch eingeschränkt zu bewegen und nur noch unscharf oder gar nichts mehr zu sehen, entwickle sehr schnell ein Verständnis dafür, wie sich Menschen im fortgeschrittenen Alter fühlten. „Dazu kommen Übungen: Die Teilnehmer müssen sich etwa gegenseitig die Zähne putzen oder sich Essen anreichen“, beschreibt die Krankenschwester. „Durch solche Selbsterfahrungen sind die jungen Menschen sensibilisiert, sie nehmen ein anderes Tempo im Umgang mit älteren an, sprechen viel mehr mit den Senioren und fragen sie häufiger“, hat Baier beobachtet.

An zwei Tagen erkunden jeweils zwei FSJler das Berufsfeld eines Kollegen: Wer etwa in der Pflege ist, hat die Möglichkeit, in Hauswirtschaft oder Ergotherapie hineinzuschnuppern. „Wichtig ist, dass die 16 bis 26-Jährigen sich selbst um Anreise und um einander kümmern müssen“, sagte Baier. Hinzu kommen fünf Treffen über das Jahr verteilt, bei denen die Freiwilligen alle zusammenkommen, Erfahrungen austauschen und mit Hilfe eines Referenten ein Thema vertiefen.

Darüber hinaus werden die Absolventen nicht nur in den Einrichtungen, in denen sie arbeiten, besucht und von Mentoren vor Ort begleitet, es werden auch Projekte ausgearbeitet. „Zuletzt haben drei junge Menschen über mehrere Tage hinweg eine Olympiade für Senioren ausgearbeitet“, berichtete Baier. Material und Räume wurden erkundet, Literatur gewälzt, Ergotherapeuten mit einbezogen. „Am Ende stand eine Veranstaltung, bei der feuchte Wattebäusche auf eine Zielscheibe geworfen, ein Hindernisparcours aus Küchenrollen im Rollstuhl bewältigt werden musste und ein Gedächtnistraining gemeistert werden sollte“, zählte Baier auf. Das Feedback der Senioren war: „Ihr dürft wiederkommen.“

Baiser betonte: „Ich sehe eine enorme Entwicklung bei diesen jungen Menschen.“ Derzeit betreut der Verein etwa 160 Freiwillige. „Uns gegenüber erlebe ich viel Achtung, weil wir den Freiwilligen Wertschätzung und Vertrauen geben“, hat John festgestellt. Der Erfolg gibt dem Projekt Recht: Bis zu 75 Prozent der Teilnehmer entscheiden sich anschließend für eine Ausbildung in einem Berufsumfeld der Pflege.

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