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Quickborn : Kreislauf der Sucht früh durchbrechen

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Fachstelle „Kleine Riesen“ veranstaltet Fortbildung für pädagogische Fachkräfte. Jedes sechste Kind wächst in Suchtfamilien auf.

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erstellt am 04.Feb.2015 | 14:00 Uhr

Quickborn | Wie kann ein Außenstehender helfen, wenn die Familienmitglieder selbst nicht einmal darüber sprechen? Diese Frage beschäftigt Daniela Willrodt, Diplom-Pädagogin und Teamleiterin, und Sina Jessen, Diplom-Sozialpädagogin, bei ihrer täglichen Arbeit in der ATS-Suchtberatungsstelle in Quickborn. Die beiden wollen im Rahmen der diesjährigen bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien aber noch eine andere Frage in den Fokus stellen: Wie kann der Kreislauf durchbrochen werden?

Denn die Zahlen sind erschreckend: In Deutschland wachsen etwa 2,65 Millionen Kinder in einer Familie auf, in der ein oder beide Elternteile zumindest zeitweise suchtkrank sind. Damit ist jedes sechste Kind betroffen. Das hat Konsequenzen: Untersuchungen zufolge entwickelt etwa ein Drittel selbst eine Abhängigkeitserkrankung. Ein weiteres Drittel zeige psychische Auffälligkeiten wie Depressionen, Ängste oder aggressives Verhalten, erklärt Jessen.

Sie ist bei der Suchtberatung für die Fachstelle „Kleine Riesen“ zuständig, einem Angebot für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. „Die Forschung hat deutlich gezeigt, dass es ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit darstellt, wenn das Kind zu mindestens einer erwachsenen Bezugsperson eine stabile vertrauenswürdige Beziehung aufbauen kann“, sagt sie. Das könnten die Großeltern sein – aber eben auch Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter.

Die Fachstelle hat deshalb entschieden, an ihrem diesjährigen Aktionstag Menschen, die mit Kindern arbeiten, zusammenzubringen und lädt pädagogische Fachkräfte für Dienstag,
10. Februar, zu einer kostenlosen Fortbildung ein. „Wir wollen ihren Blick schärfen“, so Jessen.

30 Kinder und Jugendliche haben das Hilfsangebot der Suchtberatungsstelle im vergangenen Jahr wahrgenommen. Am häufigsten haben die beiden Pädagoginnen in Quickborn mit Alkoholabhängigkeit zu tun. „Kinder verstehen nicht, was mit ihren Eltern los ist, für sie ist die Situation verwirrend“, sagt Jessen. Außerdem herrsche große Unsicherheit darüber, was sie zu Hause erwarte. „Kinder aus suchtbelasteten Familien schämen sich zudem häufig und vermeiden es, Freunde einzuladen“, so die Expertin weiter.

In den Räumen der „Kleinen Riesen“ können Betroffene darüber sprechen und merken innerhalb der Gruppe, dass sie nicht allein sind. Die Angebote bieten ihnen laut Jesse zudem Konstanz, Sicherheit und Struktur – was ihnen sonst häufig fehlt. „Mit einer gezielten Unterstützung kann die Chance verbessert werden, dass sich diese Kinder zu gesunden Erwachsenen entwickeln“, betont die Sozialpädagogin. Dafür bedarf es der Zusammenarbeit aller Fachkräfte – und Geld. Die Arbeit der Fachstelle „Kleine Riesen“ wird durch eine Grundförderung des Kreises Pinneberg ermöglicht. „In dem aktuellen Umfang ist unsere Arbeit aber nur durch die zusätzliche Unterstützung von engagierten Spendern und Sponsoren und der beispielhaften Unterstützung der Stadt Quickborn möglich“, betont Willrodt.

Die Fachstelle „Kleine Riesen“ der ATS-Suchtberatungsstelle Quickborn, Am Freibad 23,  lädt im Rahmen der vom 8. bis 14. Februar ausgerufenen bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien  für Dienstag, 10. Februar, von 14 bis 18 Uhr zu einer Fortbildung für pädagogische Fachkräfte ein.   Jedes Jahr zu dieser Zeit findet in den USA, Großbritannien, Brasilien, Schweden und Deutschland eine „COA-Week“ (Children of Alcoholics) statt. Die Idee stammt von der National Association for Children of Alcoholics (NACoA) in den USA. Die Fortbildung ist kostenlos, um eine Spende wird gebeten. Weitere Infos und Anmeldung unter Telefon 04106-60000 oder per E-Mail an sucht.quick@ats-sh.de. 

 

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