Streit um Chorleiter : Kirche setzt Gospelchor vor die Tür

Sie sind über den Ausgang sehr enttäuscht: Karin Deuticke-Thies (von links), Dirk Wilke, Ute Meister und Ursel Meyer.
Sie sind über den Ausgang sehr enttäuscht: Karin Deuticke-Thies (von links), Dirk Wilke, Ute Meister und Ursel Meyer.

Streit um neue Leitung eskaliert

shz.de von
09. Juni 2018, 16:00 Uhr

Wenn der Hasloher Gospelchor Black Rose in der Gemeinde oder der Umgebung auftritt, herrscht gute Stimmung und die gute Laune springt auf das Publikum über. Doch momentan ist den Chormitgliedern so gar nicht zum Lachen zumute. Am vergangenen Mittwoch probten die Sänger in der Hasloher Kirche im Kronkamp 8. Als Pastor Florian Niemöller von der evangelischen Kirche Quickborn-Hasloh dazustieß, erwarteten sie vorerst nichts Schlimmes. „Nach einer Diskusion und mehrfacher Nachfrage, war uns klar, dass wir nicht mehr berechtigt waren, die Kirchenräume als Chor zu nutzen. Daraufhin räumten wir unsere Schränke, gaben den Schlüssel ab, und verließen die Kirche“, fasste es Chormitglied Karin Deuticke-Thies kurz und knapp zusammen.

Diesem Ereignis ging eine längere Geschichte voraus. Die Chormitglieder Deuticke-Thies, Ute Meister, Ursel Meyer und Dirk Wilke berichteten im Gespräch mit unserer Zeitung, was in den vergangenen Wochen alles passiert ist. So begann das Dilemma: Als im Dezember des vergangenen Jahres der Chorleiter Kai Schnabel seine Tätigkeit beendete, sollte schnellstmöglich ein Ersatz her. Außer einer Stellenausschreibung der Kirche haben auch die Chormitglieder selbst die Initiative ergriffen und machten sich auf die Suche nach einem neuen Leiter. Eine Interimslösung wurde mit Uta Wilken gefunden. Jedoch übernahm sie nur vier Proben.

Am 17. Mai tagte der Kirchengemeinderat und beriet über die Zukunft des Gospelchors. Die Entscheidung lautete, dass künftig Kirchenmusiker Michael Schmult die Leitung des Chors übernehmen soll. Eine knappe Woche nach dieser Entscheidung wurden auch die Chormitglieder darüber informiert. Doch für die brachte diese Veränderung große Probleme mit sich. Zum einen wurde mit Irene Otto bereits eine zuverlässige neue Leiterin der Musiker gefunden. „Mit ihr verstehen wir uns gut und sie hat Lust uns zu übernehmen“, sagte Deuticke-Thies.

Aber nicht nur der Chorleiter sollte sich ändern, auch die Probentermine. Künftig sollte nur noch alle 14 Tage und an einem Dienstagabend geprobt werden. Das Problem laut Deuticke-Thies: „Seit mehreren Jahren proben wir an einem Mittwoch. Viele von uns haben dienstags überhaupt keine Zeit. Und nur alle 14 Tage zu proben, macht für uns überhaupt keinen Sinn.“ Dem stimmte auch Wilke zu. „Wir sind ein Laienchor. Da reichen Proben alle 14 Tage überhaupt nicht aus, um etwas auf die Beine zustellen.“ Ihren Unmut teilten sie der Kirche in einem Schreiben mit. Alle vier Chormitglieder betonten, dass sie keinerlei Konfrontation mit der Kirche gesucht haben. Auch gegen Schmult persönlich hätten sie nichts.

Der Konflikt eskalierte, als keines der Chormitglieder zu dem neuen Probentermin mit Schmult erschien. Dies sei der Kirche jedoch auch mitgeteilt worden. Stattdessen trafen sich die Sänger weiterhin mittwochs mit Wunsch-Leiterin Otto, bis Pastor Niemöller dies unterband.

Auch für die Kirchengemeinde ist die aktuelle Situation nicht einfach. Niemöller musste am vergangenen Mittwoch, während der Probe des Gospelchors, die schlechte Nachricht übermitteln. „Es ist verständlich, dass die Mitglieder verärgert sind. Veränderungen sind nie einfach, doch die gibt es auch in anderen Bereichen“, sagte Niemöller auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Grund für den Rausschmiss aus der Kirche liege darin begründet, dass die Probe am vergangenen Mittwoch nicht von der Kirche authorisiert war. „Es gibt einen Beschluss des Kirchengemeinderats und der besagt, dass am Dienstag mit Michael Schmult geprobt wird. Ich kann nicht illoyal gegenüber meinem Mitarbeiter, Herrn Schmult, sein. Deswegen musste ich die Probe abbrechen“, erläuterte der Pastor. Es sei schade, dass die Situation sich nun so entwickelt habe. „Ich hoffe auf eine konstruktive Diskussion während der nächsten Sitzung des Kirchengemeinderats am 21. Juni.“ Dem stimmte Pastorin Claudia Weisbarth zu. „Ich bin weiterhin an einer internen Lösung interessiert“, äußerte Weisbarth im Gespräch.

Auch der Chor ist an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert, und wird deshalb die angebotene Möglichkeit nutzen, an der Sitzung teilzunehmen. Für die Zukunft hat der Chor klare Wünsche: Die Proben sollten wieder wöchentlich mittwochs stattfinden, möglichst unter der Leitung von Irene Otto und auch einen Kontakt mit der Kirche auf Augenhöhe würden er in der Zukunft gerne anstreben. Übrigens geben die Sänger nicht auf. „Die Gemeinde hat uns erlaubt, zu unseren Probenzeiten im alten Gemeindehaus im Mittelweg zu Proben“, so Deuticke-Thies.

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