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Kampf gegen den Krebs : Kim Seeger trotzt der tödlichen Krankheit

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Ein Fotoshooting lenkt die Quickbornerin vom Ringen mit den Krebsfolgen ab.

von
erstellt am 14.Dez.2016 | 16:00 Uhr

Quickborn | Kim Seeger lacht zaghaft. „Ich schminke mich gern. Das ist das einzige, was ich im Moment machen darf und was mir auch Spaß macht“, sagte die 17-jährige Quickbornerin im Gespräch. Der Krebs und seine Folgen sorgen dafür, dass sie das Haus kaum verlassen kann. Gestern Nachmittag saß Kim im Wohnzimmer auf dem Sofa. Das linke Bein, in dessen Hüfte vor fünf Jahren der Knochenkrebs ausbrach, hatte sie ausgestreckt, das rechte nur scheinbar lässig angewinkelt. Im März erhielt sie die Diagnose Blutkrebs. Eine Knochenmarkspende am 1. Juni rettete ihr Leben, doch die neuen Stammzellen richteten sich gegen ihren Körper. Cortison dämpfte diese Reaktion, war vermutlich aber die Ursache einer Thrombose, die im Oktober in ihrem rechten Bein auftrat. In der Folge verhärtete sich der Muskel. Sie kann das Bein nicht mehr belasten und deshalb nicht gehen. Der Appetit überkommt sie nur minutenweise. Im März wog Kim 65 Kilogramm, inzwischen nur noch 45 Kilogramm. Ein weites graues Sweatshirt verbarg gestern, wie dünn sie ist.

In dem Hamburger Hotel The George hat Kim all das vor zwei Wochen für ein paar Stunden vergessen. „Ich war abgelenkt und habe nicht darüber nachgedacht, ob es anstrengend ist“, berichtete sie. Kim hatte schon lange von einem professionellen Fotoshooting geträumt. Myriam von M. erfüllte ihr diesen Herzenswunsch. Die 39-Jährige war zweimal an Krebs erkrankt und gründete die Initiative „Fuck Cancer“, um Leidensgenossen zu helfen. Sie schrieb Kim an und schenkte ihr das Fotoshooting. Die Visagistin Julia Sieckmann schminkte Kim und setzte ihrem kurzen Schopf einen Reif aus langen blonden Haaren auf. Marina Prosch-Park von Flugkraft, einem Fotoprojekt gegen Krebs, machte die Aufnahmen. „Die Bilder sind richtig schön geworden“, sagte Kim gestern. Der NDR begleitete die Frauen und zeigt den Film heute ab 18.45 Uhr in der Sendung DAS!.

Myriam von M. (l.) hat Kim Seeger einen Herzenswunsch erfüllt.
Myriam von M. (l.) hat Kim Seeger einen Herzenswunsch erfüllt. Foto: Flugkraft
 

Kim kommt kaum noch unter Menschen und wenn, dann sind es Ärzte. „Wir waren von den vergangenen sechs Wochen fünf Wochen lang im Krankenhaus“, berichtete ihre Mutter Kirsten Seeger. Im Sommer habe sich Kim noch oft mit Freunden getroffen. Dann richteten sich die Spenderzellen gegen ihren Körper. „Danach ging es ihr richtig schlecht“, sagte ihre Mutter. Freunde empfängt Kim aufgrund ihres schlechten Immunsystems nicht mehr. Auch der Hauslehrer von der Comenius-Schule darf sie nicht besuchen. Für gestern hatten die Ärzte einen Stammzellen-Boost geplant, bei dem Kim eine zweite Knochenmarkportion von derselben 20-jährigen Spenderin aus Warschau erhalten sollte. Doch dann kam eine Entzündung dazwischen.

Kirsten Seeger plant nicht mehr. Für Weihnachten will sie die Großfamilie einladen. Ob ihre Idee wahr wird, wagt sie nicht vorherzusagen. Doch Kim trotzt aller Zaghaftigkeit. „Du kannst ja ins Krankenhaus fahren, aber ich bleibe an Weihnachten hier“, sagte sie. Ihre Augen funkelten.

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