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Quickborner Tageblatt

19. August 2017 | 21:07 Uhr

Quickborn : Keine Chance für Paul Warnecke

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

CDU und FDP sind gegen eine Umbenennung: Birkenwäldchen soll nicht den Namen des Nazi-Opfers tragen. SPD und Grüne sind empört.

Quickborn | Das Birkenwäldchen am Harksheider Weg in Quickborn wird nicht in Paul-Warnecke-Platz umbenannt. CDU und FDP stimmten dagegen. Damit folgte die Ratsversammlung nicht der Empfehlung des Fachausschusses. Dort wurde die Umsetzung des Antrags der Initiative „Selbstbewusstes Quickborn“ auf den Weg gebracht, für den die SPD und Die Grünen am Montagabend erneut im Rat stimmten.

Die CDU hatte einen eigenen Antrag eingebracht, den nun die Verwaltung umsetzen soll: Dieser sieht von einer Umbenennung ab. Stattdessen soll eine Hinweistafel zum Gedenken an Paul Warnecke und zur Erinnerung an die damaligen Ereignisse aufgestellt werden. Außerdem wird der Beschluss des Gemeinderats vom 23. April 1946, das Birkenwäldchen von Horst-Wessel-Platz in Paul Warnecke Platz umzubenennen, auf Antrag der CDU aufgehoben, so dass „Rechtsklarheit besteht“, wie Ratsherr Andreas Torn (CDU) ausführte.

Paul Warnecke, geboren 1914, war das erste Todesopfer in Quickborn im Kampf für Gerechtigkeit und Freiheit. Der junge Kommunist wurde 1933 von einem SA-Mitglied getötet.

Der Gemeinderat sei nicht von der Bevölkerung, sondern von den Alliierten eingesetzt worden, erinnerte Torn. Es sei durchaus möglich, dass die Alliierten den Beschluss aufgehoben hätten. Zu einer Umbenennung konnte sich die CDU nicht entschließen, weil Namensgebungen nach Personen nur dann erfolgen sollten, wenn eine besondere Leistung für die Allgemeinheit gewürdigt werden soll, so die Begründung.

Der Diplom-Soziologe Jörg Penning, der seine Examensarbeit über das Thema „Aufstieg und Herrschaft des Nationalsozialismus am Beispiel der Landgemeinde Quickborn“ geschrieben hat, hielt im Rat dagegen, dass der Gemeinderat demokratisch war und den politischen Verhältnissen vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten entsprach. Der Beschluss sei zudem einstimmig gewesen. „Er wurde nicht umgesetzt, weil Paul Warnecke nicht in das gesellschaftliche Bild passte“, vermutete Penning.

Als eine Art Vermittler in der Debatte schaltete sich Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) ein. Er erinnerte daran, dass Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums die Geschichte von Paul Warnecke aufgearbeitet haben. Sein Dank gelte der Schülergruppe und deren erwachsenen Begleiter.

Bei Köppls folgenden Ausführungen wurde es mucksmäuschenstill: „Ich höre die Schüsse. Ich sehe einen hinterrücks Erschossenen, dessen Leben mit 19 Jahren endet. Ich spüre Abscheu vor dem Mörder und denke an einen jungen Mann, der Gutes wollte und dem das Schlimmste widerfuhr“, sagte er. Wegen seines vorbildlichen Verhaltens sollte Paul Warnecke geehrt werden. Es sei in Quickborn zu einer guten Kultur geworden, Menschen zu ehren, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung wurden. So trage die Sporthalle am Ziegenweg den Namen der ermordeten Jüdin Lilli Henoch. „Es freut mich, dass wir große politische Einigung darüber haben, Paul Warnecke zu ehren, sei es durch Tafel, Namensgebung oder beides“, sagte Köppl versöhnlich.

Jens-Olaf Nuckel, Mitglied der Initiative, war berührt von Köppls Rede. „Ich habe noch einen Kloß im Hals“, sagte er. Nuckel sprach von einer peinlichen Situation fast 69 Jahre nach Kriegsende. „Die CDU sollte den Antrag zurückziehen. Die Adolf-Hitler-Straße hätte man auch in Harksheider Weg umbenannt. Eckhard Schramm (SPD) fühlte sich persönlich betroffen, „weil wir diese Debatte führen müssen“.

„Zum Gedenken an Paul Warnecke gibt es seit 2009 einen Stolperstein. Wir sind der Meinung, dass eine Gedenktafel, die uns ermahnt, diese Zeit nicht zu vergessen, allen Opfern aus Quickborn gerechter wird als durch die Benennung des Parks ein einzelnes Opfer beziehungsweise einen Bürger hervorzuheben“, führte Ratsfrau Friederike Rübhausen (FDP) aus.

SPD und Grüne zeigten sich enttäuscht und kritisierten die „unverständliche Begründung“. Wolfgang Tröger (SPD) und Heinrich Kut (Grüne) wollten vom Bürgermeister wissen, ob die Aufhebung des Beschlusses von 1946 bedeute, dass das Wäldchen jetzt wieder Horst-Wessel-Platz heiße. Die Verwaltung will das überprüfen.

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erstellt am 28.Mai.2014 | 10:00 Uhr

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