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Mime Crime in Quickborn : Keine Angst vor dem Missklang

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Slapstick-Trio Mime Crime aus Berlin begeistert im Quickborner Artur-Grenz-Saal. Visuelle Abrechnung mit der Showbranche.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2016 | 14:00 Uhr

Quickborn | Einen Abend voller Attacken aufs Zwerchfell gab es am Sonnabend im fast restlos gefüllten Artur-Grenz-Saal in Quickborn zu erleben, wo das Berliner Comedy- und Slapstick-Trio „Mime Crime“ ihr Programm „Charts – the Music Show“ präsentierte. Angekündigt war ein „wohldosierter Amoklauf durch die Welt von Schlager, Klassik, Hip Hop und Co.“ – und in der Tat: Die drei Künstler Uli Gleichmann, Joseph Sternweiler und Alexander Simon boten nach einer „organisatorisch bedingten“ Verzögerung von knapp 20 Minuten ein abendfüllendes Feuerwerk der guten Laune.

Los ging es mit drei sehr übergewichtigen und in ihrer Bewegung schwerfällig agierenden Volksliederbarden, die arg an die Wildecker Herzbuben erinnerten. Es folgte ein Auftritt von überehrgeizigen Pianisten im Wettstreit, die sich im wahrsten Sinne des Wortes im Tempo und in der Akzentuierung ihrer Kunst gegenseitig zu überflügeln drohten – das Ganze überaus ausdrucksstark, vor allem im Hinblick auf das Minenspiel der Akteure. Auftritte des bekannten Schlagersängers Heino wurden durch aktuelle Radiodurchsagen zum Abbruch gebracht – unter anderem mit der dringenden Mitteilung, dass der Kaufpreis für Haselnüsse derzeit im Keller sei und unbedingt ausgenutzt werden sollte, Haselnüsse in größeren Mengen zu kaufen.

Doch damit nicht genug: Der „musikalische Hörsturz der besonderen Art“, den die drei Künstler mit unglaublich schnellen Kostümwechseln verursachten, bot noch vieles weitere mehr. Es folgten unter anderem ein Auftritt eines nicht sehr versierten Panflötenspielers samt übergroßen Sombrero, technisch-erotische Erfahrungen zweier alternder Heavy-Metal-Gitarristen sowie sprungintensive Einlagen schräger Don Kosaken.

Das Berliner Trio attackierte bei ihrer visuellen Abrechnung mit der Showbranche aber nicht nur den Ruf diverser Künstler der breit gefächerten Musikszene, sondern auch deren Equipment und Techniken. So wurde beispielsweise das Playbackverfahren mehrfach auf die Schippe genommen und das Mikrofon, das stärkste Statussymbol aller Schlagergrößen, als Rasierer verwendet. Doch diese geballte Ladung an schrägen Tönen und schwarzem Humor kam an. Das Publikum war durchweg begeistert und geizte nicht mit Applaus. „Es ist zwar alles total überzeichnet, doch irgendwie zeigt das Trio auch die Wahrheit“, meinte beispielsweise Marina Kettner (34) aus Norderstedt, die mit zwei Freundinnen gekommen war. Und Thomas Rakowski (44) gefiel vor allem die Pantomime der Künstler. „Ohne Worte so viele Facetten zu bieten, ist schon toll. Ein rundum geglückter Abend“, sagte der der 44-jährige Elektronikfachmann aus Hamburg.

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