Stromtrassenstreit : „Kein akzeptabler Kompromiss“

Der Jurist Ernst Stilke hat es mehrmals ausprobiert:  Bei hohem Stromdurchfluss in der Höchstspannungsleitung wird die Leuchtstoffröhre angehen –  und zwar ohne Lichtschalter.
Der Jurist Ernst Stilke hat es mehrmals ausprobiert: Bei hohem Stromdurchfluss in der Höchstspannungsleitung wird die Leuchtstoffröhre angehen – und zwar ohne Lichtschalter.

Riesenmasten-Verschwenkung: Ernst Stilke, Mitglied des Runden Tisches, hält den Abstand zur Schule immer noch für zu kurz

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01. März 2014, 16:39 Uhr

Quickborn | Als der Runde Tisch am 19. März bekannt gab, dass die geplante Stromtrasse verschwenkt wird, war Ernst Stilke nicht mehr im Raum. Der Jurist, Mitglied der Initiative „Quickborn gegen Riesenmasten“ und Mitglied des Elternbeirats der Goethe-Grundschule, hatte ihn kurz vorher verlassen.

„Für die sechs Jahre Arbeit ist das kein akzeptabler Kompromiss. Von mir, dem Ideengeber für diese Runde, wurden die einzigen kritischen Worte geäußert. Sonst gab es nur Lobhudelei“, sagt er.

Wie berichtet, sieht der Kompromiss im Wesentlichen vor, dass vom Schulgrundstück des Elsensee-Gymnasiums die 380 kV-Trasse um über 20 Meter von ursprünglich 119 Meter auf 140,5 Meter verschwenkt wird. Außerdem wird der Schulsportplatz nicht mehr überspannt, weil dort ein Mast 20 Meter weiter südöstlich aufgestellt wird.

„Das Elsensee-Gymnasium ist jetzt mit 20 Meter entlastet. Das stellt aber keine Entlastung dar. Außerdem werden die Leitungen nicht über dem Sportplatz hängen, wie jetzt, sondern direkt angrenzen. Das ist alles nur Augenwischerei“, kritisiert er. Schon jetzt graut es Stilke davor, dass die Goethe-Grundschule dorthin umquartiert werden soll und die Kinder dann auf dem Schulhof spielen werden – dicht neben den Leitungen.

Vom Peperkamp rücken die Masten auf 144,6 Meter ab, aber dieser Schwenk sei nur eine „kleine Beule“, so Stilke. „Das ganze Wohngebiet wird nicht wirklich entlastet. So ist am östlichen Teil der Herderstraße neu gebaut worden. Dort gibt es keine Entlastung. Dort wohnen viele junge Familien, deren Kinder die Goethe-Schule besuchen werden. Die Schüler werden durch die elektromagnetische Strahlung doppelt belastet. Aus dieser Strahlenfalle kommt man nicht heraus“, gibt Stilke zu bedenken. Nach dem Vorbild Niedersachsens fordert auch er entweder Erdverkabelung oder einen Mindestabstand von 400 Metern zur Wohnbebauung.

Die Bundesregierung betone im Energieleitungsausbaugesetz, dass bei Abständen von weniger als 400 Metern zu Wohnbebauung, Schulen und Kindergärten ein Erdkabel verlegt werden soll. „Die haben uns wohl vergessen“, so Stilke ironisch. Bei diesem Abstand würde die Strahlenbelastung bei 0,01 Mikrotesla liegen. „Ein Wert, der nach heutigen Erkenntnissen unbedenklich ist“, so Stilke. Die EU wolle einen einheitlichen Strahlenwert auf niedrigem Niveau wie in Holland. „Auf Druck Deutschlands wird der Gesetzentwurf aber zurückgehalten“, bedauert er.

Der Quickborner Jurist verweist auf Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, der jüngst den Netzausbau für die Fälle der Abstandsunterschreitung sogar in Frage gestellt hatte. „Das ist dieselbe Leitung, die bei uns im Norden beginnt. In Bayern gehen die Menschen auf die Straße und protestieren.“

Wie geht es jetzt weiter? „Wir werden für den Erhalt der Goethe-Schule am alten Standort kämpfen“, sagt Stilke.

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