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Austauschstudent aus Paraguay : Julef Sawatzky – Zu Gast in einer anderen Welt

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Wie ein Student aus Paraguay deutsche Sitten und Gebräuche kennen lernt.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Bilsen | Freundlich, nett, hilfsbereit und offen sowie neugierig und interessiert seien die Deutschen. So hat Julef Sawatzky (22) aus Paraguay bei seinem ersten Aufenthalt in der Bundesrepublik die Menschen wahrgenommen. Der 22-jährige Pädagogikstudent im vierten Semester aus Boqueron in der Kolonie Loma Plata im Chacogebiet, war zwei Wochen lang zu Gast bei Familie Harms in Bilsen.

Der Student an der Universität in Filadelfia landete mit einer Gruppe weiterer Studenten auf Einladung der Bundesrepublik zunächst für eine Woche in Berlin. Dort standen Kultur und Politik auf dem Programm. „Wir besichtigten den Reichstag, besuchten Museen und eine Opernaufführung“, berichtet er. Danach fuhren die Südamerikaner, die zur deutschsprechenden Religionsgemeinschaft der Mennoniten gehören, per Zug zu einem pädagogischen Seminar für zwei Wochen nach Mannheim. „Ich habe mir künstlerische und mathematische Themen ausgesucht“, so Sawatzky.

Die Familie Harms hatte er auf Empfehlung von Studenten, die in den vergangenen Jahren bei den Harms Station machten, angeschrieben. „Meine Kommilitonen sagten mir, dass das eine coole Familie ist“, so Sawatzky. Mennonitische Lehramtstundenten ist ein sechswöchiger Aufenthalt in Deutschland vorgeschrieben. Deshalb hospitierte der junge Mann an den Grundschulen Hemdingen und Hörnerkirchen. Rainer Ute Harms, Bilsens ehemaliger Bürgermeister, nahm sich viel Zeit, dem Gast die Umgebung zu zeigen. „Kulturell und geschichtlich habe ich hier viel gelernt“, so der Student. „Thomas Mann sagte mir gar nichts“, bekannte er freimütig – und schon organisierte Harms einen Ausflug zum Literaturmuseum „Buddenbrookhaus“ in Lübeck.

An der Nordseeküste sah Sawatzky zum ersten Mal im Leben auch einen Deich. Davon hatte er zwar zuvor schon gehört, doch eine genaue Vorstellung, wie so ein Überschwemmungsschutz aussieht, hatte er nicht.

„Ein besonderes Erlebnis war für mich die Besichtigung der Menno-Kate in Bad Oldesloe“, so Sawatzky. Menno Simons (1496-1561) war immerhin einer der Führer der Täuferbewegung und Namensgeber der Mennoniten.

Was ist anders in Deutschland? „Hier ist selbst im Winter viel Grün zu sehen“, sagt der Paraguayer. „Und hier gibt es unendlich viele Käsesorten, die auch noch lecker schmecken.“ All „das Grünzeug“, wie er es nannte, sprich Grünkohl oder Spinat, aß er hier zum ersten Mal in seinem Leben. „Bei uns wird viel Fleisch gegessen, wir haben große Rinderherden“, sagte er. Und die vielen Kartoffelvariationen waren ihm ebenfalls fremd.

Was nimmt er mit nach Hause? „Viel Schokolade, am liebsten mit Haselnüssen, und etliche pädagogische und didaktische Ideen.“ Ein dickes Lob geht an die Gastgeber: „Sie haben ein positives Bild von den Mitmenschen, das gefällt mir.“ Sawatzky reist vor dem Heimflug noch eine Woche zu Verwandten nach England.

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