Barrierefreier Nahverkehr in Quickborn : Jetzt schaltet sich das Ministerium ein

Die Zugänge zu den Gleisen am Quickborner Bahnhof sind barrierefrei, doch die Züge der AKN nicht.
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Die Zugänge zu den Gleisen am Quickborner Bahnhof sind barrierefrei, doch die Züge der AKN nicht.

Für Quickborner Menschen mit Beeinträchtigungen ist die Verbindung zum Nachbarort schwierig – oder teuer.

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31. Juli 2014, 12:00 Uhr

Quickborn | Die Baustelle zwischen Quickborn und Ellerau (L76) und der einhergehende Wegfall des Busverkehrs zwischen den Orten macht es Rollstuhlfahrern und Menschen mit Rollatoren nahezu unmöglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Ziel zu gelangen: Die AKN ist nicht barrierefrei. Harald Haase, Sprecher des Ministeriums für Verkehr in Kiel, sagte, das Verkehrsministerium wolle Gespräche mit allen Beteiligten führen, um eine pragmatische Lösung zu finden.

Vor kurzem berichtete das Quickborner Tageblatt über den Rollstuhlfahrer Hans-Werner Mommsen, der aufgrund der Bauarbeiten an der L76 die AKN als Ersatz nutzen sollte. Das Problem: Die Züge der AKN sind nicht barrierefrei. Eine Kluft zwischen Bahnsteig und Zug sowie eine Stufe in der Bahn müssen beim Einstieg bewältigt werden.

Ein ähnliches Problem hat auch Rita Tenzfeldt. Die Quickbornerin ist gesundheitlich auf ihren Rollator angewiesen und verlässt ohne ihn die Wohnung nicht. Doch auch sie kann die AKN nicht nutzen. „So ein Rollator wiegt schon etwas. Das schaffe ich alleine nicht“, berichtet die 82-Jährige. Manchmal sei zwar Hilfe da, aber nicht immer – und so verzichte sie lieber ganz auf die AKN.

Um zu einer Musikverantstaltung in Ellerau zu gelangen, wich sie deshalb auf ein Taxi aus. „Ich bin schon häufiger von Quickborn nach Ellerau mit dem Taxi gefahren. Da habe ich immer sechs Euro bezahlt“, sagt Tenzfeldt. Doch jetzt: Mit den zahlreichen Umwegen unter anderem durch das Industriegebiet in Quickborn, musste die Renternerin für die Hinfahrt nach Ellerau stolze 20 Euro bezahlen. „Das kann ja wohl nicht wahr sein, dass ich jetzt immer 40 Euro von Quickborn nach Ellerau und zurück bezahlen muss“, ist Tenzfeldt empört.

Die Renterin hat 38 Jahre lang in Ellerau gewohnt und ist bis heute noch sehr aktiv in der Gemeinde. „Ich bin Mitglied der Awo in Quickborn und Ellerau, im Bürgerverein, im Verein ‚Wir für Ellerau‘, im Museumsverein und im SoVD Quickborn und Ellerau“, berichtet sie.

Auch Tenzfeldt wandte sich an die AKN. Die Antwort fiel ähnlich wie bei Mommsen aus: „Ich habe nachgefragt, ob es keine andere Lösung gibt und da wurde mir gesagt, dass es momentan keine Lösung gebe“, sagt Tenzfeldt. Sie zieht nun die Konsequezen aus der Misere: „Ich kann die Termine in Ellerau nicht einhalten und muss dort alle Veranstaltungen ausfallen lassen. Ich komme da ja gar nicht hin.“

Auch Mommsen hat resigniert: „Ich habe für die Busfahrt über Norderstedt und zurück vier Stunden gebraucht – das mache ich nicht noch einmal“, sagt der 75-Jährige, der bis auf weiteres keine Arztbesuche in Ellerau mehr machen will.

Gestern dann gab es zumindest eine gute Nachricht für Mommsen: „Wir haben mit der Krankenkasse gesprochen: Sie würden für weitere notwendige Krankentransporte die Kosten übernehmen“, gab Harald Haase, Sprecher des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie in Kiel, bekannt. Intensive Gespräche mit allen Beteiligten hätten zudem dazu geführt, dass „eine pragmatische Lösung, Dinge für den täglichen Bedarf zu organisieren, gefunden worden ist“, berichtet darüber hinaus Frank Dietrich vom Büro des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung. Über die generelle Situation der Barrierefreiheit werde es weitere Gespäche geben, kündigt Dietrich an.

Auch im Kieler Ministerium hat das Schicksal von Hans-Werner Mommsen Spuren hinterlassen: „Dieser Fall hat deutlich gemacht, dass im Einzelfall schnelle, pragmatische Lösungen gefunden werden müssen“, sagt Haase. Und: Ministerium, Landesbetrieb für Straßenbau und weitere involvierte Stellen seien dafür sensibilisiert worden, was eine Straßensperrung auslösen kann. „Wir werden jetzt weitere Baustellen im Hinblick auf die Barrierefreiheit überprüfen“, kündigt Haase an.

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