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Quickborner Tageblatt

18. August 2017 | 15:09 Uhr

Hasloh : Jeder Schritt wird dokumentiert

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Geschichtswerkstatt begleitet Bau der Neuen Mitte - und ist fasziniert von dem Projekt.

Mindestens einmal täglich besuchen Friedel Burkhardt und Karola Kießlich die riesige Hasloher Baustelle, auf der die „Neue Mitte“ entsteht. Die beiden Damen sind Mitglieder der Geschichtswerkstatt und völlig fasziniert von dem Projekt. „Das macht richtig süchtig“, sagt Burkhardt. Die 93-Jährige nennt Hasloh schon seit 60 Jahren ihre Heimat und kennt jedes Haus, jede Wiese, jeden Baum im Dorf.

Systematisch fotografiert Kießlich bei den Spaziergängen den Fortschritt. „Es ist ein Bautagebuch in Bildern“, erklärt die 74-Jährige. Mit Fotos kennt sie sich bestens aus: „Ich habe mein Leben lang im Fotolabor des Springer-Verlags gearbeitet, war lange Zeit die Leiterin“, erzählt sie. Unzählige Reisen führten sie in alle Welt, selbstverständlich war immer die Kamera im Gepäck. Jetzt hat sie ein spannendes Motiv direkt vor der Haustür.

Das Handeln der beiden blieb auch von den Nachbarn in der Schulstraße nicht unbemerkt. „Einmal sprach mich ein Mann an. Er bot mir an, aus dem Dachfenster seines Hauses zu knipsen“, berichtet Kießlich. Sie ließ sich nicht zweimal bitten und ist inzwischen regelmäßig zu Gast auf dem Dachboden. „Ich würde ja zu gern aus einem Flugzeug fotografieren, aber das ist viel zu teuer“, sagt sie bedauernd.

Für den Überblick würde ihr allerdings auch der Kran genügen. Der steht dort, wo der neue Kindergarten gebaut wird. „Der Umriss des Gebäudes und der Fahrstuhlschacht sind gut zu erkennen“, wissen die beiden. Dass allerdings aus dem meterhohen Erdwall eine Rutsche aus dem ersten Stock des Kindergartens werden soll, war wohl eher ein Scherz eines Bauarbeiters.

Aus den Bildern, die den Fortschritt der Arbeiten am Deutlichsten zeigen, gestalten Burkhardt und Kießlich große Collagen. Zu sehen sind sie im Schaufenster der Geschichtswerkstatt. Fünf Zusammenfassungen sind so bereits entstanden. Während der Öffnungszeiten (immer am zweiten und vierten Montag im Monat von 15 bis 17 Uhr) können alle besichtigt werden, im Fenster hängt das jeweils aktuellste Bild. „Das Projekt ist eine richtig große Nummer für Hasloh, da wollen wir für die Geschichtswerkstatt eine lückenlose Dokumentation“, sagt Burkhardt. Dafür verzichten die beiden zurzeit sogar auf einen längeren Urlaub: „Nein, das geht nicht“, sagen sie beide und schütteln energisch den Kopf.

Seit dem ersten Spatenstich am 17. Mai 2013 sind etwa 1000 Bilder entstanden. Zuletzt auch vom Abriss der alten Baracke, die noch auf dem Feld stand. „Das war im Krieg eine Flak-Stellung“, weiß Burkhardt. Später sei das Gebäude zeitweise auch von Flüchtlingen bewohnt worden. Die Äcker, die jetzt Bauland sind, seien dagegen von jeher Getreidefelder gewesen. Mit Spannung warten die beiden Dokumentatorinnen jetzt darauf, dass die ersten Grundstückseigentümer anfangen, ihre Häuser zu errichten. „Manche haben wir vor Ort schon getroffen: ganz nette Leute“, berichtet Kießlich.

Burkhardt, die von ihrer Kollegin auch liebevoll das „wandelnde Geschichtsbuch“ genannt wird, glaubt allerdings nicht daran, dass nach dem ersten Bauabschnitt zügig erweitert wird. „Zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen sind meines Wissens Eigentumsverhältnisse noch nicht vollständig geklärt“, sagt sie. Spätestens dann ist auch wieder ein längerer Urlaub in Sicht.

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erstellt am 20.Sep.2013 | 16:00 Uhr

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