Jahrhundert auf dem Kaffeetisch

Teeservice aus 100 Jahren stehen noch bis zum Advent im Alten Rektorhaus.
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Teeservice aus 100 Jahren stehen noch bis zum Advent im Alten Rektorhaus.

Ausstellung im Alten Rektorhaus Bönningstedt

shz.de von
10. Oktober 2018, 16:00 Uhr

140 Teekannen, Obertassen, Untertassen, Milchkännchen und Teller stehen derzeit sauber aufgereiht im Alten Rektorhaus der Gemeinde Bönningstedt. Das Besondere an dieser Sammlung: Die Stücke stammen aus den Jahren 1890 bis 1990, also 100 Jahre. Die Sammlerin des besonderen Geschirrs ist die Lübeckerin Stephanie Göhler. Erstmals präsentiert sie ihre Schätze der Öffentlichkeit.

Das nahm der Bönningstedter Heimatverein zum Anlass, um eine Sonderausstellung ins Leben zu rufen. „Normalerweise haben wir nur eine Ausstellung im Jahr. Ausnahmsweise haben wir uns für eine Zweite entschieden“, erklärte Renate Heins vom Heimatverein. Sie stellte den Kontakt zu Göhler her. Das Angebot, ihre Stücke im Alten Rektorhaus erstmals zu präsentieren, nahm Göhler gern an: „Bönningstedt ist der Anfang einer Wanderausstellung“, berichtete die Sammlerin. Die nächste Station ist in einem Museum in Schönberg.

Die Ausstellung in Bönningstedt zeigt Porzellan im Wandel der Zeit. Angefangen mit Services aus dem später Biedermeier über den Jugendstil bis hin zu den „Wilden 1920er Jahren“ ist alles dabei. Und tatsächlich sind klare Unterschiede in der Verarbeitung, Farbgebung und Form zu erkennen. „Im späten Biedermeier wurde auf ein schlichtes Design geachtet, man wollte weg von dem Prunk der Vorjahre“, erläuterte Göhler. Doch mit der Zeit wurden die Arbeiten auch wieder farbenfroher und aufwändiger im Design. Das alles ist in der Ausstellung zu sehen.

Warum sammelt Göhler ausgerechnet Service? „Früher hat man sich Geschirr für das ganze Leben gekauft. Heute ist hat es sich zu einem regelrechten Wegwerfartikel entwickelt“, sagte Göhler im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit der Präsentation ihrer Stücke wolle sie zeigen, was für einen Strukturwandel die Porzellanindustrie über 100 Jahre durchlebt hat. „Meine Idee war es, die wechselnde Mode und den schnellen Wechsel in der Gesellschaft zu zeigen“, erläuterte die Lübeckerin. Dabei habe sie sich insbesondere auf Kaffee-Service konzentriert.

Ein Service hat es der 70-Jährigen ganz besonders angetan: „Eigentlich habe ich viele Lieblingsstücke, aber das Arzberg Service Blaue Blüte nutze ich bis heute noch regelmäßig“, sagte Göhler. Die Form 1382 wurde 1931 eingeführt. „Bis heute wird das noch produziert. Das ist Weltrekord“, schilderte Göhler.

Wer die Ausstellung „Porzellan im Wandel der Zeit“ im Alten Rektorhaus in der Kieler Straße 120 noch sehen möchte, hat jeden ersten Sonntag eines Monats Gelegenheit dazu. Das Team des Heimatvereins öffnet am 4. November von 15 bis 17 Uhr die Türen. Private Führungen können ebenfalls unter Telefon (0 40) 5 56 71 98 vereinbart werden.

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