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„Wir müssen unbequem bleiben“ : Interview zum internationalen Frauentag am 8. März

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Quickborns Gleichstellungsbeauftragte Hannah Gleisner über Lohnunterschiede und Gewalt.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Quickborn | Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Deutschlands bekannteste Feministin, Alice Schwarzer, forderte erst 2010 die Abschaffung dieses Tages. In Quickborn organisiert der Arbeitskreis Interkulturelle Frauenarbeit für Sonnabend, 7. März, ein Fest. Hannah Gleisner (32), Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, spricht im Interview darüber, warum der Tag so wichtig ist und wofür es heute zu kämpfen gilt.

Der Frauentag wird alljährlich weltweit gefeiert. Warum sollten sich die Quickborner den 8. März rot im Kalender anstreichen?
Hannah Gleisner:
In Quickborn machen wir den Weltfrauentag zum Anlass für interkulturelle Begegnung. Es wird getanzt und es gibt grandioses Essen aus verschiedenen Herkunftsländern. Das zeigt, wie bunt Quickborn ist. Und da, wo Frauen zusammen kommen, da wird auch Frauenpolitik gemacht.

Wie meinen Sie das?
Sehen Sie, Frauenpolitik ist bereits, wenn sich zwei Frauen austauschen und beschließen, sich zu engagieren. Etwa für Flüchtlinge. Am Weltfrauentag bringen wir Frauen zusammen, sie können Kontakte knüpfen, netzwerken. Jede hat normalerweise ihre Kreise, in denen sie sich bewegt, es hilft, andere zu treffen. Netzwerke sind das wichtigste Instrument, um etwas zu bewegen.

Es geht am Weltfrauentag also um Netzwerken?
Im Kleinen, hier in Quickborn, schon. Größer gedacht ist es ein Gedenktag. Wir gedenken derer, die für die Rechte gekämpft haben, die wir schon erlangt haben. Und wir machen zugleich auch aufmerksam auf all das, was noch zu tun ist.

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts haben Frauen für politische und bürgerliche Mitspracherechte gekämpft, später waren es Themen wie Abtreibung, für die sie auf die Straße gingen. Wofür gilt es heute zu kämpfen?

Für gleiches Geld für gleiche Arbeit. Frauen verdienen statistisch gesehen 22 Prozent weniger pro Stunde als ihre männlichen Kollegen. In diesem Zusammenhang begehen wir auch in diesem Jahr am 20. März wieder den Equal Pay Day. Das ist der Tag, an dem Frauen das gleiche verdient haben, wie Männer am 31. Dezember des Vorjahres. Das sind zwar statistische Werte, aber sie sind erschreckend genug. Wussten Sie, dass Mädchen sogar weniger Taschengeld als Jungs bekommen? Auch die Rente ist fast um 60 Prozent niedriger. An der Stelle haben wir ein gesellschaftliches Problem. Und es ist sogar verfassungswidrig. Niemand darf aufgrund seines Geschlechts diskriminiert werden.

Jede Vierte Frau in Deutschland macht Erfahrungen mit häuslicher Gewalt...
Ja, Gewalt und sexuelle Belästigung, wozu auch die verbale Belästigung zählt, sind ebenfalls ein großes Problem. Das passiert tagtäglich. In Indien sind sogar 90 Prozent der Frauen von massiver Gewalt betroffen. Zudem fehlt in solchen Ländern Zugang zu Bildung. Da stehen dann am Weltfrauentag noch ganz andere  Probleme im Fokus. Wir müssen unbequem bleiben.

Was können Sie als Gleichstellungsbeauftragte in Quickborn tun?
Ich kann Frauen im Gespräch bestärken, etwas zu tun, um zu ihrem Recht zu kommen. Mir geht es um Empowerment. Ich sitze hier aber nicht und sage, ihr müsst alle in Führungspositionen kommen, sondern will  dabei helfen, mit Ideen rauszugehen. Im vergangenen Jahr habe ich 35 Frauen beraten. Und einen Mann.

Gleichstellungsbeauftragte werden auch gern als Frauenbeauftragte bezeichnet.
Unser gesetzlicher Auftrag ist die Frauenförderung und der Nachteilsausgleich für Frauen. Aber wir kommen ohne Männer nicht weiter. Ich nehme gern dieses Beispiel: Wenn ich ein Mobilé anstoße, dann bewegt sich alles. Etwa beim beruflichen Wiedereinstieg der Frau: Den muss auch der Partner mittragen. Das Vater- und Männerbild ist im Wandel. Noch gibt es für gerade junge Männer kein Äquivalent zur Gleichstellungsbeauftragten – für die bin ich also auch die Ansprechperson.

Gleichstellungsbeauftragte Hannah Gleisner, Sviatlana Fregin vom Diakonischen Werk Hamburg-West/Südholstein, Andja Zdravac-Vojnovic von der Caritas-Migrationsberatung und Gisela Peschel vom Deutschen Frauenring laden für Sonnabend, 7. März, von 15 bis 18 Uhr zum gemeinsamen Fest in den Gemeindesaal der evangelisch-lutherischen Kirche, Ellerauer Straße 2, in Quickborn, ein. Für Unterhaltung sorgen Tatjana Zimmer, die auf der russischen Bandura spielt, und Elena Hoppe, die indische Tänze zeigt und diese mit den Anwesenden einstudieren wird. Alle Teilnehmerinnen werden gebeten, eine typische Spezialität aus ihrem Herkunftsland mitzubringen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Um eine Anmeldung bis Mittwoch, 4. März,  bei Gisela Peschel unter Telefon 04106-66157 oder bei Andja Zdravac unter Telefon 0160-92781171 wird gebeten.
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