Insektenplaza auf Garagenhof

Freundlicher Hinweis über dem Insektenhotel: Dieter Meiners hatte in der Vergangenheit Probleme mit Fremdparkern.
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Freundlicher Hinweis über dem Insektenhotel: Dieter Meiners hatte in der Vergangenheit Probleme mit Fremdparkern.

Der pensionierte Quickborner Lehrer Dieter Meiners kaufte Autostellplätze und integrierte sie in ein einzigartiges Biotop

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23. August 2019, 16:00 Uhr

Quickborn | Dieter Meiners ist sehr zufrieden mit den Lärmschutzfenstern, die er und seine Nachbarn vor einigen Jahren einbauen lassen konnten. Seitdem macht es ihm weniger aus, dass sein Reihenhaus am Harksheider Weg genau in der Einflugschneise liegt. Einmal im Jahr allerdings empfindet er sie regelrecht als Segen, weniger für sich als eben für seine Mitmenschen. Immer dann nämlich, wenn in seinem Garten die Hölle losbricht, losgetreten von einer Gruppe ambitionierter Kerlchen. „Die Laubfroschmännchen machen hier drei Wochen Konzert, damit eine Lady für eine Nacht zu ihnen kommt“, sagt er.

Für Meiners ist das bis zu 70 Dezibel laute Spektakel Musik und kündet von dem, was in den nächsten Wochen zukommt. In vier mit Wasser gefüllten Aufzuchtbecken beginnen bis zu 3000 Mini-Laubfrösche als Kaulquappen ihr Leben, werden von ihm gepäppelt, bis sie für sich selbst sorgen können. „Ich züchte sie seit einigen Jahren, um etwas für den Erhalt der Art zu tun“, sagt der pensionierte Grundschullehrer. Es ist nicht sein einziges Ökoprojekt. Meiners und seine Frau Jutta haben in den vergangenen 30 Jahren ein rund 1600 Quadratmeter großes Biotop geschaffen, in dem es verschiedene Lebensräume und unzählige Versteckmöglichkeiten für Vögel, Eichhörnchen, Igel und Insekten gibt.

Angefangen hat alles Anfang der 1980er Jahre, als Meiners die von ihm genutzte Garage, eine von elf in einer Reihe, kaufen wollte. Er durfte, allerdings nicht nur eine, sondern gleich alle. Damit war er plötzlich Vermieter und verfügte über eine Menge mehr Platz. 900 Quadratmeter, um genau zu sein. „Mich hat vor allem der Hang an der einen Seite gereizt“, begründet er die Entscheidung für den Kauf. Der Hang, das ist eine Art breiter Knick, mit dem einst der Höhenunterschied zwischen dem Garagenhof, wie er es nennt, und dem Nachbargrundstück ausgeglichen wurde. „Da standen viele Birken und Eichen, die ich bis auf einen Baum alle runtergenommen habe.“

Dann forstete er auf, pflanzte 50 verschiedene heimische Busch- und Baumarten. Auf die Vielfalt kam es ihm dabei an, außerdem darauf, Versteckmöglichkeiten und Unterschlupf für Tiere zu schaffen. Inzwischen hat er seinen Besitz erweitert und aus Garten und Garagenhof eine Lebensaufgabe gemacht. Damit schließt sich ein Kreis, denn eigentlich wollte Meiners gern Landwirt werden. Die schlechte Bezahlung und Probleme, eine Hofstelle oder gar einen Ausbildungsplatz zu finden, machten ihn zum Lehramtsstudenten.

Nicht, dass er das bereut hätte, aber die Leidenschaft für die Natur ist geblieben. Und so darf das Grün auf seinem Grund einfach sein, wachsen, wie es ihm beliebt. Er zwingt ihm nur insofern seinen Willen auf, als er die Hecken jetzt etwas niedriger hält und verhindert, dass es ihm buchstäblich über den Kopf wächst. „Ich will nicht immer auf die Leiter steigen müssen, wenn ich sie schneide.“ Mit Ideenreichtum hat er auch seine Garagen zum Teil des Projektes werden lassen. Er malte die Rolltore verschiedenfarbig an und verzierte sie mit Bildern von deutschen und neuseeländischen Vogelarten als Hinweis auf seine zweite Leidenschaft. Er und seine Frau lieben das Land und verbringen jedes Jahr drei Monate dort. Kiwi, Tui oder Stichbird auf Hochglanz-Klebefolie bringen die Farben des pazifischen Inselstaates ins holsteinische Quickborn.

Über den Garagentoren hängen Nistkästen für jedwedes Getier, das mit Größe, Material und Einfluglöchern etwas anfangen kann. Meiners ist es letztlich egal, wer dort einzieht. Die Blaumeise ist ihm ebenso lieb wie das Wespenvolk, der Ohrenkneifer oder das Eichhörnchen. Hauptsache, die Mansarden werden bewohnt. Überhaupt herrscht bei ihm keine Wohnungsnot, denn Meiners hat großzügig in Immobilien investiert, sowohl solche aus Holz und Stein als auch aus Kunststoff. Sogar einen ausrangierten Werkzeugkasten hat er zu einem Ein-Raum-Apartment umfunktioniert.

„Ich schätze mal, dass auf meinem Grundstück mehr als 50 Vogelhäuser hängen.“ Allein zehn hat er in der auf dem Hang verbliebenen Eiche aufgehängt. Wer hier einzieht, bucht Vollverpflegung mit, denn Meiners füttert das ganze Jahr. Das ganztägig geöffnete Büfett bietet eine große Auswahl an Körnern und Mehlwürmern für die richtige Portion Eiweiß.

Sein Garagendach hat er begrünt, die einzelnen Einfahrten durch Pflanzsteine abgetrennt – überall grünt und blüht es. Weil er an den Hof angrenzende Flächen später ebenfalls erwerben konnte, gibt es nun auch drei Teiche auf dem Gelände, zwei flache, einen tieferen. Die Sommerresidenz der Teichfrösche. Die sattgrünen Amphibien liegen bei gutem Wetter dösend am Rand in der Sonne und lassen sich wunderbar beobachten. Das ist durchaus gewollt, denn Meiners öffnet sein Grundstück auf Wunsch für Schulklassen. Stunden, so erzählt er, würden die Kinder hier verbringen.

Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass es in dem Garten auch viel Verborgenes zu entdecken gibt. So haben die Buchsbäume ein Innenleben und geben den Blick auf selbst gebaute Unterkünfte für Vögel und Insekten frei, wenn man die Zweige auseinanderbiegt. Eine Jutekordel etwa oder eine Dose mit den Hülsen von Bucheckern werden von Kleintieren gern genutzt. Wenn man Glück hat, kann man es außerdem in dem Spalt in einer Doppelhecke rumoren hören.

Die Geräusche sind ein Hinweis auf Mäuse, Vögel oder Igel, die in dem Laub, das Meiners hier entsorgt, nach Rastplätzen und Nahrung suchen. Kindern möchte der Pädagoge am Beispiel seines Gartens zeigen, „dass die Natur relativ schnell zu Potte kommt, wenn man ihr auf die Sprünge hilft“. Er möchte zeigen, dass jeder etwas tun kann gegen das Artensterben und den Verlust von Lebensräumen.

Es muss ja nicht zwingend die Zucht von Laubfröschen sein. Das ist auch gar nicht so einfach. Meiners füttert und kontrolliert regelmäßig die Wassertemperatur in den Becken. „In einem habe ich eine Aquarienheizung eingebaut. Die Temperatur muss ich schrittweise reduzieren, bevor die Minifrösche das Wasser verlassen, sonst kommen sie mit der Lufttemperatur nicht klar.“

Wird er nachlässig, beendet das unter Umständen Leben. So ist das in diesem Garten, der Heimat von seltenen Lebewesen wie der Heckenbraunelle, dem Baumläufer oder dem Taubenschwänzchen geworden ist. Wenn Lehrer mit ihren Schülern in diese Welt eintauchen möchten, können sie per E-Mail an meiners-quickborn@t-online.de Kontakt aufnehmen.

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