Zum 1. Juli : Ingeborg Körber schließt ihr Atelier in Quickborn

Ingeborg Körber an ihrem Lieblingsplatz, der Staffelei, wo sie umgeben von Pinseln und Farben arbeitet. Was man nicht sieht: Die ersten Kisten sind bereits gepackt.
Ingeborg Körber an ihrem Lieblingsplatz, der Staffelei, wo sie umgeben von Pinseln und Farben arbeitet. Was man nicht sieht: Die ersten Kisten sind bereits gepackt.

Pferd & Kunst sei ein Auslaufmodell, zumindest am jetzigen Standort im Klingenberg in Quickborn. Traum von einem Kunsthaus bleibt.

shz.de von
04. Juni 2018, 16:30 Uhr

Quickborn | Ingeborg Körber ist eine Frau mit zahlreichen Berufen: Pferdewirtschaftsmeisterin hat sie gelernt, außerdem Kunst studiert, eine kunstherapeutische Ausbildung drangehängt, und Reitlehrerin ist sie auch noch. Beide Leidenschaften hat sie früh miteinander verbunden, ihre auf Leinwand festgehaltenen Bewegungsstudien und die künstlerische Auseinandersetzung mit der Beziehung Mensch und Pferd war der Grund, warum sie ihr vor zehn Jahren eröffnetes Atelier Pferd & Kunst genannt hat. Gemalt hat Körber immer viel, trotz ihres Hauptberufs in der Reiterei. Nun allerdings will sie insgesamt kürzer treten, alles etwas langsamer angehen lassen. Deshalb gibt sie ihre Räume auf dem historischen Krögerhof im Klingenberg 20 a in Quickborn zum 1. Juli auf. Das Ende ihres künstlerischen Wirkens bedeutet das allerdings nicht.

Körber verabschiedet sich mit der Veränderung nicht zuletzt von ihrem Lebenstraum. „Ich wollte, als ich vor 30 Jahren nach Quickborn kam, unbedingt etwas für die hiesige Kunstszene tun“, sagt sie. Lange hat sie nach eigenen Worten versucht, in der Stadt ein Kunsthaus zu eröffnen – gemeinsam mit anderen Künstlern unter einem Dach zu arbeiten. In der Gründungsphase hat sie noch auf den Kunstverein Quickborn gehofft und darauf, mit ihm an ihrer Seite diese Idee umzusetzen. Dass das nicht geglückt ist, bedauert sie bis heute. Auch unter Künstlern wird eben nicht immer ein Konsens erreicht.

Atelier zu klein

„Mein Atelier war als Ersatz für ein Kunsthaus nicht geeignet, es ist einfach zu klein.“ Und so hat sie an diesem Standort oft genug den Kontakt zu anderen Künstlern vermisst und schaffte es auch nicht, ihr Atelier in der Mitte der Quickborner zu verankern. Also ist die Zeit für eine Veränderung gekommen, zumal Körber und ihr Mann Hans-Joachim Hein, mit dem sie das Atelier gemeinsam betreibt, auf zahlreiche erfolgreiche Ausstellungen zurückblicken. Vor allem die Zusammenarbeit mit einer Hamburger Galeristin empfindet sie bis heute als beglückend.

Der Krögerhof war einst ein Bauernhof und wurde von dem heutigen Besitzer vor einigen Jahren aufwändig restauriert und umgebaut. Die untere Etage ist für Künstler freigehalten worden, heute ist darin neben dem Atelier noch ein Kunsthandel untergebracht. „Es ist toll hier, weil man viel Kontakt zum Leben hat“, sagt Körber, die insbesondere die Besuche der Kinder und Jugendlichen aus der Nachbarschaft genießt. Das Interesse an ihren Arbeiten konnte der Standort allerdings nicht beflügeln, und so war es eben auch nicht ihre Heimatstadt, in der sie ihre größten Erfolge feierte. Was bleibt, ist ein leises Bedauern.

Körber ist experimentierfreudig, scheut sich nicht, zeitgeschichtliche Themen künstlerisch aufzugreifen und Pinsel und Farbe zu nutzen, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Leinwand, Glas und zuletzt auch Röntgenbilder nutzt sie als Träger für ihre überwiegend abstrakten Arbeiten. Kunst als Auseinandersetzung mit dem Leben in all seinen Facetten – das hat Körber viele Jahre getragen, sie glücklich gemacht. Kaum zu glauben, dass sie jetzt den Pinsel in die Ecke stellt. Und so hält sie sich denn auch alle Möglichkeiten offen. Sie sei jetzt in einem Alter, wo sie es überschaubarer möge. „Zuerst habe ich gedacht, ich arbeite ab sofort nur noch zu Hause.“ Nun denke sie aber darüber nach, sich doch wieder ein externes Atelier einzurichten. Dann allerdings deutlich kleiner. Dafür hat sie sich bereits von Bildern getrennt. Aber sie kann sich immer noch vorstellen, zukünftig mit einem anderen Künstler zusammenzuarbeiten. Wer Kontakt zu ihr aufnehmen möchte, erreicht sie unter Telefon (0 41 06) 7 44 43.

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