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Hochseilgarten Hasloh : Hier klettern nicht nur die Eichhörnchen

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Vor drei Jahren eröffnete in Hasloh der erste Hochseilgarten. Torsten Hedinger und sein Team basteln an den nächsten Attraktionen.

Hasloh | Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde, direkt an der Pinneberger Straße in Hasloh. Hohe Buchenstämme ragen in den Himmel, kerzengerade, und brechen die Mittagssonne, die auf den Bauwagen voller Helme und Gurte fällt. Denn dieses Waldstück ist kein gewöhnliches: Hier befindet sich der rund 20.000 Quadratmeter große Hochseilgarten, den Torsten Hedinger und sein Team in Eigenregie gebaut haben.

„Wir sind jetzt im dritten Jahr hier“, erklärt Hedinger, „und die Anfangsplanung hat bestimmt ein Jahr gedauert“. Noch lange nicht fertig sei der Klettergarten in luftiger Höhe, erklärt der Diplom-Ingenieur, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Sein Hund „Petzl“ – benannt nach einem französischen Hersteller für Kletterausrüstungen – macht es sich auf dem Holzdeck am Eingang des Waldstücks gemütlich. In Heist haben Hedinger und sein Team ebenfalls einen Hochseilgarten gebaut, bereits seit acht Jahren ist er geöffnet. „Vor rund zehn Jahren waren wir in Hamburg klettern – dort gab es bereits einen Klettergarten“, erinnert sich Hedinger. Damals war er sofort Feuer und Flamme. „Klasse, das machen wir auch, habe ich gedacht“, lacht er.

Gesagt getan: Zunächst parallel zu ihren Berufen machte sich das kletterbegeisterte Team an die Planungen und eröffnete bald darauf seinen ersten Garten. „Aber die Nachfrage war so groß“, erinnert sich der Diplom-Ingenieur. Er beschloss also, sein Leben von Stress zu befreien – und stieg aus. „Das Klettern hat den kleinen Jungen in mir geweckt“, lacht Hedinger. Heute umfasst das Team 25 bis 30 Leute – die meisten von ihnen Freiberufler –, die gemeinsam ihren Traum vom Klettern leben.

Der Pfingstwald, so heißt das gepachtete Waldstück an der Pinneberger Straße, soll nach Fertigstellung rund hundert Menschen gleichzeitig das Klettern zwischen den Baumwipfeln ermöglichen. „Das hier ist Nutzwald, für den ist es ziemlich unerheblich, dass wir hier klettern“, so Hedinger über mögliche Schäden an den Bäumen. Damit das so bleibt, müssen strenge Wartungen vorgenommen werden. „Jeder Baum hat eine Nummer und ein eigenes Gutachten“, erklärt Hedinger. Das sei eine ganze Menge Papierkram. Vor jeder Saison kommen Gutachter für Baum- und Forstwirtschaft und überprüfen die Buchen auf Standfestigkeit oder Pilzbefall. Damit die Seile nicht in die Rinde einschneiden, sind jeweils Holzbolzen um die Bäume herum angebracht, die Schäden von den Bäumen abhalten.

Außer der Gesundheit der Bäume ist besondere Achtsamkeit bei der Sicherheit der Gäste gefragt. „Immerhin kann man hier über zehn Meter hoch klettern“, sagt Hedinger und blinzelt in die Sonne. Die Ausrüstung ist deshalb vom feinsten. „Edelrid“ heißt die Firma, von der das Team seine Sicherheitssysteme bezieht. „Der Clou ist, dass man sich nicht ausversehen aushängen kann“, zwinkert Hedinger und demonstriert, dass sich der zweite Karabiner nur durch einen besonderen Handgriff entriegeln lässt, wenn der erste geöffnet wurde. Damit seien Verletzungen durch fehlerhafte Handhabung nahezu ausgeschlossen. „Sehr wichtig – für die Kletternden, aber auch für uns Betreuer“, erklärt er. Einmal im Jahr geben sie die komplette Ausrüstung in die Hände von Fachmännern, dort werden Gurte gewartet, Nähte geprüft. „Ein Gurt hat eine Lebensdauer von ungefähr zehn Jahren ab Produktionsdatum“, so Hedinger.

In diesem Moment ertönt ein Surren zwischen den Bäumen – Karl-Heinrich „Kalli“ Brodersen testet eine Seilbahn. Zu Übungszwecken, versteht sich. Der Erzieher und Erlebnispädagoge strahlt übers ganze Gesicht, während er zwischen den Baumstämmen hindurch saust. „Alle, die hier arbeiten, haben natürlich einen Faible fürs Klettern“, zwinkert er später. Als Betreuer dürfe man auch keine Berührungsängste haben und muss im richtigen Moment den richtigen Ton treffen. „Falls jemand aus Angst nicht weiterkommt, müssen wir schnell hoch und ihn runterholen“, erklärt er. Deshalb stehen im Wald auch Bollerwagen mit Rettungssäcken bereit. Diese enthalten das nötige Equipment, um schnell einzugreifen. Nur fünf Minuten dürfe ein abgestürzter Gast in den Seilen hängen. „Sonst wird es unangenehm“, so Brodersen. Bis zu 1300 Euro kostet so ein Rettungssack – kein Schnäppchen. „Es gibt für alles eine DIN-Vorschrift“, weiß Hedinger. Auch mit einer Wetter-App sind sie ausgestattet. „Wenn ein Gewitter aufzieht, haben wir 20 Minuten Zeit, den Laden zu räumen“, erklärt er.

Aber von Gewitter ist heute weit und breit nichts zu sehen. Nur Sonnenstrahlen, die zwischen den Bäumen auf teils gewagte Kletter-Parcours fallen. „Hier verwirklichen wir unsere Fantasien“, so Hedinger, der mit seinem Team alle Hindernisse selbst baut und auch T5-Kurse für Geocacher gibt. Auch für die Kleinsten haben sie sich etwas einfallen lassen – im Kinder-Klettergarten auf nur 1,20 Meter Höhe können sich die Nachwuchs-Kletterer ausprobieren. Im Garten Heist ist gerade ein 15 Meter hoher Basejump fertig geworden. „Mal sehen, was wir als nächstes machen“, strahlt Hedinger – denn der Fantasie sind zwischen den Baumwipfeln kaum Grenzen gesetzt.

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erstellt am 11.Mai.2014 | 08:00 Uhr

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