„Es geht um mangelnde Transparenz“ : Heidefriedhof: Der Ausschuss denkt an Kündigung

Die Hasloher Politiker streiten über Abrechnungen des Friedhofs.
Die Hasloher Politiker streiten über Abrechnungen des Friedhofs.

„Wir werden hier nur gerade davonkommen, wenn wir einen Break machen und neu anfangen“, riet Manfred Heitmann, Vorsitzender des Arbeitskreises „Heidefriedhof“.

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27. März 2017, 10:00 Uhr

Quickborn | Die Mitglieder des Finanzausschusses der Gemeinde Hasloh haben einstimmig beschlossen, den Sperrvermerkt für die Gelder zum gemeinsamen Betrieb des Heidefriedhofs mit der Gemeinde Bönningstedt nicht aufzuheben. Sie wollen ein Gespräch mit Bönningstedts Bürgermeister Peter Liske (BWG), dem Finanzausschussvorsitzenden der Nachbargemeinde und der Amtsverwaltung führen, das Transparenz in die Friedhofsabrechnungen bringen soll. Andernfalls sei auch eine Kündigung des Vertrags möglich.

„Die Abrechnungen sind zum Teil nicht nachvollziehbar“, sagte Gunnar Schacht (SPD), Vorsitzender des Finanzausschusses. Für die Jahre 2013 bis 2015 soll Hasloh ein Defizit von fast 54.000 Euro ausgleichen. „Da ist einiges in Rechnung gestellt worden, wo sich bei mir einige Fragen ergeben“, sagte Schacht. So habe der Bauhof Bönningstedt im Jahr 2013 insgesamt 110 Arbeitsstunden auf dem Friedhof geleistet. 2015 waren es mehr als 700 Stunden. „Das könnte bei längeren Ausfallzeiten des Friedhofsmitarbeiters passen, aber das ist reine Mutmaßung“, sagte Schacht. Eine klare Aufstellung für den massiven Anstieg fehle. „Ist der Einsatz der Bauhofmitarbeiter zwingend notwendig oder werden sie auf den Friedhof geschickt, wenn sie in der Gemeinde nichts zu tun haben?“, fragte er in die Runde. Insgesamt 29.000 Euro hätte der Einsatz gekostet. „41 Euro Stundenlohn für einen Bauhofmitarbeiter sind schon ordentlich, wenn man das umrechnet“, kritisierte Schacht.

Verwaltung: 44.000 Euro für 50 Beerdigungen

„Wir werden hier nur gerade davonkommen, wenn wir einen Break machen und neu anfangen“, riet Manfred Heitmann, Vorsitzender des Arbeitskreises „Heidefriedhof“. 44.000 Euro seien für 50 Beerdigungen an Verwaltungskosten berechnet worden. „Das sind mehr als 800 Euro pro Beerdigung. Wenn man einen Stundensatz von 50 Euro ansetzt, wäre die Verwaltung zwei volle Tage mit einer Beerdigung beschäftigt“, stellte Thomas Krohn (CDU) fest. „Das ist viel zu viel“, kritisierte Heitmann.

„Ich glaube, zum jetzigen Zeitpunkt kann man eines feststellen: Wir können derzeit hinter die Abrechnung keinen Haken machen“, sagte Schacht. Bürgermeister Liske war der Einladung in den Finanzausschuss in Hasloh nicht gefolgt, weil zeitgleich die Gemeindevertretung in Bönningstedt tagte. In einem Brief, den Bürgermeister Bernhard Brummund (SPD) verlas, bot dieser seine Gesprächsbereitschaft an. Allerdings bezog er sich vor allem auf die Gleichstellung der beiden Gemeinden. „Es geht nicht um mangelndes Mitspracherecht, sondern mangelnde Transparenz“, kritisierte Schacht. Heitmann betonte, dass keine Gebührenerhöhung zur Kostendeckung notwendig sei. „Wir müssen vom Ruhehain nur real bezahlt werden. Da kann man eine Menge drehen. In der Verwaltung wird scheinbar doppelt verrechnet“, warf er den Nachbarn vor.

Gunnar Schacht (SPD), Vorsitzender des Finanzausschusses.
PT

Gunnar Schacht (SPD), Vorsitzender des Finanzausschusses.

 

Ein Gespräch soll Klarheit bringen. Sollte das jedoch scheitern, will Hasloh einen entgültigen Schlussstrich ziehen. „Wenn wir zu keinem Kompromiss kommen, wäre es notwendig, dass wir den Vertrag bis zum 30. Juni vorsorglich kündigen“, sagte Brummund. Schacht schlug vor, eine verkürzte Kündigungsfrist auszuhandeln, um Zeit zu gewinnen. Sollte diese nicht angenommen werden, plädierte auch er für eine Kündigung: „Das würde den Druck auf Bönningstedt erhöhen, sich die Abrechnungen mal genauer anzusehen.“ „Es verhandelt sich ja vielleicht ganz gut, wenn wir vorsorglich kündigen“, schlug Krohn vor. Schacht versuchte zu beschwichtigen: „Wir arbeiten in vielen Punkten mit Bönningstedt zusammen. Wir wollen auch weiter zusammenarbeiten, haben aber derzeit Bedenken.“ Welche Konsequenzen eine Kündigung haben würde, wusste Schacht auch: „Wir würden uns eine Menge Ärger mit Bönningstedt einhandeln.“

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