Gutes Ende einer Radweg-Posse

Kein Durchkommen: Auf der Brücke über die A  7 entlang der K  24 versperrt noch eine Leitplanke den Zugang zum Radweg.
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Kein Durchkommen: Auf der Brücke über die A 7 entlang der K 24 versperrt noch eine Leitplanke den Zugang zum Radweg.

Leitplanke versperrt Radlern den Zugang / Abbau wohl im nächsten Jahr

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24. März 2018, 13:32 Uhr

Der als „Schildbürgerstreich“ und „Behörden-Wahnsinn“ bundesweit in die Schlagzeilen geratene nicht zugängliche Fahrradweg auf der Autobahnbrücke im Kadener Weg zwischen Ellerau und Henstedt-Ulzburg wird wohl spätestens im nächsten Jahr fortgeführt und spätestens dann auch geöffnet. Die Nachricht des Kreises Segeberg hat zunächst auch Elleraus Bürgermeister Eckart Urban (SPD, Foto) überrascht. „Wir waren schon immer davon ausgegangen, dass er irgendwann gebaut wird, aber plötzlich hat der Radweg oberste Priorität“, sagte er. Möglich, dass auch der Bericht des NDR-Satire-Magazins Extra 3 hier hilfreich war.

Die Strecke könnte ein Traum für Radfahrer sein: Den Rundkurs über die Ellerauer Dorfstraße, Kadener Weg und Kadener Chaussee, Peter- und Alvesloher Straße säumen hohe Bäumen, der Blick gleitet über endlose Felder und knorzelige Weiden, der Autoverkehr hält sich in Grenzen. So sehen 13 Kilometer pure Erholung und Naturerlebnis aus. Einziger Schönheitsfehler: Auf einem Teilstück vom Ortsausgang Ellerau bis zur Autobahnbrücke und anschließend weiter bis zur Einmündung Kadener Chaussee fehlt ein Radweg. Immerhin gibt es einen auf der Brücke, der allerdings nicht genutzt werden kann, weil der Kreis beim Bau vor zwei Jahren eine Leitplanke durchziehen ließ. Damit wird Radfahrern der Zugang an beiden Brückenenden versperrt. Tatsächlich irgendwie ein Witz, über den in Ellerau allerdings niemand lachen konnte.

Landauf, landab musste sich die Gemeinde dafür beschimpfen lassen, hat allerdings nach Ansicht Urbans alles richtig gemacht. „Hätten wir uns damals nicht so entschieden, hätte der Bau eines Radweges nie wieder Sinn gemacht.“ Dass der Kreis anschließend eine Leitplanke durchziehen lassen würde, damit rechneten die Gemeindevertreter nicht. Ihre Entscheidung musste schnell fallen, als 2014 klar wurde, dass die Brücke an der Kreisstraße 24 im Zuge des Ausbaus der A 7 saniert werden würde. „Der Bund wollte die Mehrkosten für eine Erweiterung um den Radweg nicht übernehmen“, so Urban, stellte es Ellerau allerdings frei, den zusätzlichen Aufwand selbst zu finanzieren. Gern hätte der Bürgermeister die Kosten zu je einem Drittel auf seine eigene Gemeinde, Henstedt-Ulzburg und den Kreis Segeberg verteilt.

Die Nachbarkommune winkte jedoch ab, Ellerau übernahm deren Anteil mit und legte 242 000 Euro für den Bau auf den Tisch – „schweren Herzens“, wie Urban sagte. Ellerau habe das als Vorleistung angesehen und darauf gewartet, dass der Kreis mit den Planungen für einen Radweg vor und hinter der Brücke beginne. Doch der ließ sich Zeit, machte erstmal den auf der Brücke dicht und lieferte Satirikern damit allerbesten Stoff. In dem NDR-Beitrag „Realer Irrsinn: Unzugänglicher Radweg“ steht Radler Helmut etwas bedröppelt auf der Brücke, wuchtet sein Gefährt über die Leitplanke auf den Radweg und fährt dann immer von einem Ende zum anderen und wieder zurück. Selbst Urban muss schmunzeln, wenn er daran denkt.

Möglicherweise sei dieser Beitrag das beste gewesen, was der Gemeinde passieren konnte. „Inzwischen hat beim Kreis ein Umdenken eingesetzt, ganz im Sinne der Tourismusförderung.“ Fünf Millionen Euro will er in den nächsten Jahren für den Bau und die Sanierung von Radwegen ausgeben. Die Ellerauer Maßnahme hat der Kreistag bereits abgesegnet, die Planungen haben begonnen. Ende gut, alles gut? Der Bürgermeister sieht es so. „Für uns war immer klar, dass die Verbreiterung der Brücke nur der erste von insgesamt drei Bauabschnitten sein kann.“ Allerdings sei die Gemeinde für die anderen beiden eben nicht zuständig gewesen.

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