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„Die Literatur hat mich gerettet“ : Gudrun Wiebe - seit 28 Jahren Leiterin des Bücherkreises

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sie ist das Urgestein der VHS Bönningstedt. Ihre Lieblingsautoren sind Heine und Fontane.

Bönningstedt | Bereits im Kindesalter hat Gudrun Wiebe angefangen zu lesen. Zwar waren es zuerst nur die Todesanzeigen in der Zeitung, doch seitdem kann sie gar nicht mehr aufhören. „Die Todesanzeigen habe ich gelesen, weil die Buchstaben so schön groß waren. Die konnte man besonders gut erkennen“, erklärt sie.

Die heute 77-jährige Bönningstedterin hat ihre Leidenschaft für das Lesen zum Beruf gemacht und leitet seit nunmehr 28 Jahren den Literaturkreis der Volkshochschule Bönningstedt, den in Norderstedt sogar schon seit 35 Jahren.

Aufgewachsen ist Wiebe in Berlin, wo sie zahlreiche Luftangriffe während der Kriegszeit erlebte. „Die Literatur hat mich gerettet. Ohne sie, wäre ich heute nicht hier“, sagt Wiebe.

Nach ihrem Studium der Germanistik engagierte sie sich in der Kirche. Angefangen hat sie dort mit einem Seniorenkreis. „Leute im Alter beschränken sich häufig nur auf das Zeitunglesen. Ich wollte sie dazu anregen, sich auch für andere Sachen zu interessieren“, so Wiebe.

Ihre nächste Station war in Norderstedt. Dort übernahm sie den Literaturkreis. „Viele Mütter sind zu meinen Kursen gekommen. Mit denen bin ich dann alt geworden. Kaum jemand hat das Seminar freiwillig verlassen“, sagt die Germanistin. Später übernahm sie darüber hinaus auch den Literaturkreis in der VHS Bönningstedt. Mit den Teilnehmern liest sie moderne Romane oder auch klassische Werke von Kafka oder Goethe. „Ich hab viele Lieblingsautoren. Heinrich Heine, Theodor Fontane, Thomas Mann und Günther Kunert gehören dazu“, sagt sie.

„Anfangs wusste ich durch mein Studium immer mehr als meine Kursteilnehmer. Doch mit der Zeit hat sich das geändert, und mein Wissensvorsprung war nicht mehr da“, so Wiebe.

Das Internet habe ihr viel Arbeit abgenommen, da die Kursussteilnehmer sich wichtige Informationen bereits vorher im Internet heraus suchen würden. Früher ging es auch anders: „Als wir ein Buch von Heinrich Heine gelesen haben, sind wir über das Wort „Rauchfleisch“ gestolpert. Eine Teilnehmerin hatte ein sehr altes Lexikon dabei und da konnten wir die Bedeutung des Wortes direkt nachlesen“, sagt Wiebe.

Mit den Teilnehmerinnen der Literaturkreise unternahm sie Ausflüge nach Prag, Weimar, Berlin und in den Harz. Alle Fahrten hatten etwas mit einem der Werke oder einem der Autoren zu tun. „Ich wollte immer einen klaren Bezug zu den Schriftstellern herstellen. Außerdem bekamen wir immer ganz hervorragende Führungen durch Museen und Kirchen, weil wir uns direkt als Literaturkreis angemeldet haben“, erklärt Wiebe.

Heute verzichtet sie auf die Ausflüge. „Es ist sehr anstrengend mit einer Gruppe von 50 Leuten zu verreisen. Das ist mir viel zu stressig geworden. Doch im Ganzen hat es immer viel Spaß gemacht, sonst hätte ich nie mit dem Kursus angefangen“, sagt sie.

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erstellt am 15.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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