Quickborn : Gott für die Ohren

Achtung, Test: Dieter Boedecker (links), Hanns Supthut und  Heike Winkelmann empfangen die Signale über ihre  Hörgeräte.
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Achtung, Test: Dieter Boedecker (links), Hanns Supthut und Heike Winkelmann empfangen die Signale über ihre Hörgeräte.

Neuer Service in der Marienkirche: Eine Ringschleifenanlage hilft Hörgeschädigten, den Gottesdienst besser zu verstehen.

shz.de von
30. November 2013, 16:59 Uhr

Hanns Supthut (83) geht ab und an gern in die Kirche. Wenn er jedoch auf der Empore sitzt oder vor einer Säule sitzt, kann er oft nicht jedes Wort der Predigt verstehen. Das ärgert ihn. Supthut ist schwerhörig wie etwa 19 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. „Wenn ich jetzt mein Hörgerät anstelle, kann ich wieder jedes Wort sehr gut verstehen“, sagt der Quickborner.

Was im Hamburger Ernst- Deutsch-Theater, aber auch in der katholischen Kirche in Quickborn bereits Einzug gehalten hat, soll nun auch in der Marienkirche dafür sorgen, dass jedes Schäfchen wieder mittendrin im Gottesdienst ist – mit Hilfe einer Ringschleifenanlage.

Sie ermöglicht es den Hörgeräteträgern, einem Vortrag oder einer Predigt störungsfrei zu folgen, indem Hintergrundgeräusche gefiltert, Verzerrungen der Sprache durch ein Mikrofon ausgeglichen und lange Übertragungswege überbrückt werden. Nur mit Lautsprechern wäre dieses Problem nicht zu lösen gewesen, denn sie verzerren in großen Räumen die Sprache. „Die Anlage besteht aus einem Kabel, das in unserer Kirche verlegt und mit dem Mikrofon verbunden worden ist“, erläutert Pastor Rainer Patz.

Ich will es wissen und setze mir einen Kopfhörer auf. Es ist ein Prüfempfänger, der das Induktionschleifensignal empfängt und in normale Töne umsetzt. Ich gehe zum Eingang der Kirche zurück, während Pastor Patz einen Auszug aus dem Evangelium Lukas liest – es ist die Lesung für den vierten Advent. Laut und deutlich ertönt die Stimme des Pastors in meinem Kopfhörer. Die Anlage hat den Test bestanden.

„Ich habe vor vielen Jahren Kontakt zur Schwerhörigenseelsorge gehabt. Und beim Umbau der Kirche in Sandesneben, meiner ersten Gemeinde, hatte ein Techniker vorgeschlagen, doch gleich eine Ringschleifenanlage mit einzubauen. So kam ich auf die Idee.“

Froh ist der Pastor auch darüber, dass die Denkmalschutzbehörde mitgespielt hat, denn die Marienkirche steht unter Denkmalschutz. Eine Auflage der Behörde: Es darf nichts zu sehen sein. Der isolierte Draht verläuft nun „unsichtbar“ auf der rechten Seite der Kirche vom Eingang aus. „Nur in diesem Bereich wird das Signal der Induktionsschleife empfangen“, erläutert der Pastor. Darauf weisen zwei Hinweisschilder in der Kirche hin. „Auch in die Liste der Schwerhörigenseelsorge ist die Marienkirche aufgenommen worden“, berichtet der Pastor.

Die Anlage hat 3033 Euro gekostet. Den Betrag teilen sich die evangelische Kirchengemeinde und die Stadt, die die Hälfte über die Stiftung für Senioren zahlt. Eine Investition, über die sich die Kirchgänger freuen: „Es ist schon von Vorteil“, sagt Heike Winkelmann, die als eine der Ersten die Anlage testen durfte.

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