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Unterricht für geflüchtete Männern : Gezal Kawiar - die Bewerbungstrainerin von Quickborn

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Gezal Kawiar aus Quickborn trainierte mit geflüchteten Männern das richtige Auftreten im Bewerbungsgespräch.

Quickborn | Gezal Kawiar ist mutig. Die 19-jährige Quickbornerin hat einen Tag lang in der Berufsschule Pinneberg 19 Männern aus Afghanistan das richtige Verhalten bei Bewerbungsgesprächen beigebracht. „Sie waren sehr erstaunt, dass ein Mädchen so offen vor ihnen reden kann“, berichtete sie.

Die Start-Stiftung in Frankfurt am Main vergibt Stipendien an Jugendliche, die seit wenigen Jahren in Deutschland leben. Sie erhalten einen Laptop mit Drucker, zwei Jahre lang Geld für Lernmaterial und den Zugang zu Fortbildungskursen.

Gezal Kawiar ist selbst in Afghanistan geboren und 2003 als Sechsjährige zusammen mit ihrer Familie nach Deutschland geflohen. Sie besuchte das Elsensee-Gymnasium und absolvierte in Hamburg das Abitur. Im Zuge eines Schülerstipendiums der Start-Stiftung für Kinder aus Migrationsfamilien besuchte sie Kurse zu interkulturellen Kompetenzen und Teammanagement. „Ich weiß, dass mir geholfen wurde. Daher habe ich überlegt, was ich machen kann“, berichtete sie.

Kawiar bewarb sich mit der Idee des Bewerbungstrainings für Geflüchtete bei der Stiftung um die sogenannte Willkommen-Aktiv-Förderung und erhielt einen Zuschuss von 1000 Euro. Sie stellte sich den Flüchtlingskoordinatoren des Kreises Pinneberg vor, die sie an die Berufsschule vermittelten. Eine Lehrerin lud die Schüler ein. Die meisten der 16- bis 20-jährigen Teilnehmer leben seit einem oder eineinhalb Jahren in Deutschland, eine Handvoll ohne Eltern. Sie wohnen in Pinneberg, Quickborn und Wedel.

Kawiar hielt den Workshop zusammen mit einem weiteren afghanischen Stipendiaten. Sie wusste, dass die Schüler Bewerbungsmappen im Unterricht erstellen. „Was fehlt ist: Wie verhalte ich mich im Gespräch?“, sagte sie. Die Quickbornerin übte daher mit ihnen das Auftreten. „Ich habe ihnen gezeigt, wie man wirkt, wenn man aufrecht oder schief sitzt.“

19 Männer aus Afghanistan besuchten den Workshop.
19 Männer aus Afghanistan besuchten den Workshop. Foto: QT
 

Die Gruppe tauschte sich über kulturelle Unterschiede aus. In Deutschland etwa gilt ein fester Händedruck als Zeichen der Sympathie, auf Afghanen aber wirkt diese Begrüßung distanziert; sie umarmen sich eher. „Das sind kleine Unterschiede, die aber Unsicherheit erzeugen“, sagte Kawiar. Sie kennt sich in beiden Kulturen aus. „Alle sind auf das Sprachelernen fokussiert, aber nur durch Sprache entsteht keine Integration. Ich muss die Denkweise verstehen“, erläuterte sie ihre Einsicht.

In einer Pause servierten ihre Eltern ein afghanisches Büfett. Viele Schüler hätten sich gefreut, nach langer Zeit wieder einmal heimische Speisen essen zu können. Kawiar nahm die Männer in ein Fotostudio mit und ließ von jedem professionelle Bewerbungsbilder erstellen. Vorsorglich hatte sie Oberhemden und Krawatten ihres Bruders und Vaters mitgenommen, damit sich die Teilnehmer angemessen einkleiden konnten. „Sie haben die Sachen durchgetauscht. Das war ein großer Spaß“, berichtete sie. Kawiar steckt voller Tatendrang. Als nächstes möchte sie ein Projekt allein für Mädchen anbieten.

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erstellt am 09.Dez.2016 | 13:00 Uhr

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