Quickborn : Gesetzgeber erschwert Arbeit

„Werkstatt“-Leiter Christian Rohde (links) unterstützt Axel Göhner dabei, wieder  auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
„Werkstatt“-Leiter Christian Rohde (links) unterstützt Axel Göhner dabei, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Zehn Jahre „Werkstatt“: Projekt bietet Langzeitarbeitslosen eine Chance. Leiter Christian Rohde zieht Bilanz

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28. Juni 2014, 10:30 Uhr

Quickborn | Als Christian Rohde mit seiner Arbeit in der „Werkstatt“ anfing, hatte er einen Zeitvertrag über wenige Monate in der Tasche. Damals glaubte er wohl nicht daran, dass das Projekt von Dauer sein könnte. Nun gibt es „Die Werkstatt“, die Langzeitarbeitslosen eine Chance auf Beschäftigung und Teilhabe ermöglicht, seit zehn Jahren. Ein Quickborner Erfolgsmodell, einzigartig in Schleswig-Holstein. Zeit für ein Resümee.

„Wir machen hier eine tolle Arbeit. Das Projekt funktioniert“, sagt Rohde. Es habe Menschen von der Straße geholt und einen Ort geschaffen, wo Beschäftigung, soziale Betreuung und Integration realisiert werden.

Der Erfolg lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: „Etwa 60 Menschen haben während der vergangenen zehn Jahre über die ‚Werkstatt‘-Initiative den Sprung in die Erwerbstätigkeit geschafft. Aber das gilt eben nicht für alle 200 Teilnehmer“, sagt Rohde. Zu glauben, dass dies ohne einen Veränderungsprozess des Arbeitsmarktes zu schaffen sei, halte er für utopisch. Der Leiter der „Werkstatt“, die im „Haus Roseneck“ an der Kieler Straße untergebracht ist, schlägt auch kritische Töne an: Im Kreis Pinneberg stehen 1500 betroffenen Personen etwa 300 Arbeitsgelegenheiten und andere Maßnahmen gegenüber. Zudem seien die Kampagnen mittlerweile selbst mit problematischen Auflagen verknüpft und an arbeitsmarktferne Bedingungen wie Gemeinnützigkeit, eine strikte Ausführungsanordnung oder Wettbewerbsneutralität gebunden.

Für das zuletzt genannte Kriterium gibt Rohde ein Beispiel: „Innenrenovierungen durch unsere Teilnehmer sind uns untersagt. So darf ein Teilnehmer der ‚Werkstatt‘, der Maler ist, hier nicht die Wände oder die Außenfassade streichen. Da das Haus der Stadt gehört, könnte es zu Wettbewerbsverzerrungen kommen. Das Gesetz ist nicht auf die Kommune runtergedacht“, sagt Rohde.
Um diese Menschen zu erreichen und sie nachhaltig zu fördern, müsste über eine Wettbewerbsduldung oder einen sozialen Arbeitsmarkt nachgedacht werden. Rohde wünsche sich mehr Flexibilität in der Ausführung. „Den Jobcentern vor Ort sind aber die Hände gebunden.“

Die gegenwärtig geltenden Arbeitsmarktkriterien würden manche Menschen systematisch ausschließen. „Schon Kategorien wie ein erhöhtes Alter, körperliche Einschränkung und Krankheit in Kombination mit einer untypischen Lebensbiografie versperren den Zugang“, zählt er auf. Axel Göhner ist einer von den „Werkstatt“-Teilnehmern, auf die dieses Bild passt: Der 46-jährige Quickborner hat Schlachter und Landschaftsgärtner gelernt. Dann wurde er krank, hat drei Herzinfarkte gehabt. „Ich kann nur noch sechs Stunden arbeiten, sagt mein Arzt. Deswegen ist es schwer, einen neuen Job zu finden“, sagt er. Seit fünf Monaten besucht er die „Werkstatt“. „Hier kommt man wieder in den Rhythmus“, lautet sein Fazit.

Olaf Kriesner hat hingegen den Sprung aus der Arbeitslosigkeit geschafft. Der ehemalige Teilnehmer der „Werkstatt“ ist heute selbst Anleiter und betreut in der „Werkstatt“ Projekte.

Was Rohde trotz dieser Erfolge kritisiert: „Die gute Konjunktur am Arbeitsmarkt hat die Langzeitarbeitslosen bis heute nicht im erhofften Umfang erreicht.“ Gleichzeitig würden Maßnahmen durch die Bundesanstalt für Arbeit gestutzt und Mittel gekürzt. Rohde: „Die evangelische Kirche und das Diakonische Werk haben sich entschlossen, auf diese Situation mit einer arbeitsmarktpolitischen Initiative aufmerksam zu machen und zu reagieren.“

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