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Quickborner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 08:49 Uhr

Gelten Menschenrechte wirklich?

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Schüler des Quickborner Elsensee-Gymnasiums erarbeiten provokante Installationen und erörtern Problem im Philosophie-Unterricht

von
erstellt am 27.Mär.2016 | 16:00 Uhr

Gelten die Menschenrechte für jedes Kind, jeden Bürger und jeden Flüchtling? Laila Unger, Kunstlehrerin des Elsensee-Gymnasiums in Quickborn, bezeichnet sie als eine Schattenwelt. „Man hofft auf sie, aber sie sind recht fragil“, formuliert sie den Zwiespalt, den sie wahrnimmt.

Schüler der Jahrgänge 6 und 13 gingen dieser Zerbrechlichkeit der Menschenrechte im Kunst- und Philosophie-Unterricht nach. Ergebnisse ihrer Spurensuche sind im Eingangsbereich der Schule zu sehen. An gegenüberliegenden Wänden hängen zwei gegensätzliche Installationen.

Wie ein Leben mit Kinderrechten aussieht, veranschaulichte der Jahrgang 6. Die Mädchen und Jungen malten ideale Alltagssituationen und brachten sie im Hochdruckverfahren auf rote Kartonbögen auf. Mit weißem Nähgarn stickten sie unter jedes Bild einen Schriftzug mit der Bezeichnung des jeweiligen Rechts. Julika erläuterte ihr Werk: „Zu dem Recht auf Namen und Staatsangehörigkeit passen die Taufe und Flaggen.“ Die Vereinten Nationen verabschiedeten die Kinderrechte 1989.

Der Abiturjahrgang zeigt den Alltag ohne Menschenrechte. „Wir haben dargestellt, was nicht sein sollte“, sagte Björn. Die Schüler brachten Fotos im Negativ auf beschichtete Aluminiumplatten auf. Bei jedem Motiv ist der Artikel der Menschenrechte zu lesen, der auf dem Bild symbolisch übertreten wird. Zum Thema Folter ließ sich Björns Bruder mit Seilen kopfüber an einen Baum hängen und fotografieren.

Im Philosophie-Unterricht stießen die Schüler auf Gründe, warum die Menschenrechte nicht automatisch für Flüchtlinge gelten. Lehrerin Sabine Langhans hatte ihnen den Aufsatz „Jenseits der Menschenrechte“ des Philosophen Giorgio Agamben vorlegt. Der Italiener stellte 2001 fest: „Die Menschenrechte gelten als unantastbar. Sie sind es aber nicht.“ Grund: Die Nationalstaaten proklamieren sie für ihre Bürger. Wer die Staatsangehörigkeit nicht teilt, hat einen unklaren Stand. Der Status des Flüchtlings werde daher meist als Übergang von einer in eine andere Nationalität gesehen. Agamben fordert, diese Abhängigkeit zu hinterfragen. „Wir erinnern daran, dass die Menschenrechte umgesetzt werden müssen“, betonte Schülerin Svea.

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