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Quickborner Tageblatt

23. Oktober 2017 | 12:28 Uhr

Streitgespräch : Geht noch was in Quickborn?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die beiden Journalisten René Erdbrügger und Peter Jäger lassen in einem Streitgespräch das Jahr 2013 Revue passieren.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2013 | 16:03 Uhr

Das Jahr endet in unserer Redaktion immer mit einer hitzigen Debatte über die Themen der vergangenen Monate. Im Fokus: die müde gewordenen Fluglärmgegner, die umstrittene Gronauquerung, die couragierten FDP-Frauen und vieles mehr.

Peter Jäger: Mir ist aufgefallen, dass Sie 2013 nur wenige Kommentare geschrieben haben. Liegt das daran, dass in Quickborn alles rund läuft?
René Erdbrügger: Ich bevorzuge sachliche Berichte. Bin aber nicht unglücklich, wenn es mal weniger Anlass zum Kritisieren gibt. Im Übrigen: Ich schreibe nur dann persönliche Stellungnahmen, wenn ich auch etwas zu sagen habe.
Jäger: Recht zynisch haben sie den Beschluss der Fluglärmgegner, den Verein aufzulösen, kommentiert. Deren Bilanz war doch nicht übel.
Erdbrügger: Am Anfang vielleicht. Dann scheiterte der Versuch, mit den umliegenden Gemeinden eine starke Allianz gegen die ungerechte Fluglärmverteilung zu mobilisieren, weil plötzlich der größte Partner Norderstedt ausscherte. Von da an ging’s bergab mit der Initiative.
Jäger: Vorher haben aber viele Bewohner im Gürtel des Flughafens Lärmschutzfenster und Lüfter bekommen.
Erdbrügger: Ganz ehrlich: Als der Verein die angedrohte Klage zurückzog, gab es ein Aufatmen in Hamburg. Auch wenn der langjährige Vorsitzende, Eberhard von Lany, den ungewissen Ausgang der Klage als Grund für den Rückzug angab, glaube ich eher, dass der vergreiste Vorstand resigniert hat. Weil keine Jüngeren die Arbeit schultern wollten, war der Verein zum Sterben verurteilt.
Jäger: Verloren hat auch die CDU bei den Kommunalwahlen im Mai. Ziel der Christdemokraten waren klare Verhältnisse im Rat, wie es deren Pressesprecher damals ausdrückte. Doch stattdessen haben SPD, FDP und Grüne zusammen eine hauchdünne Mehrheit. Sie können mauern oder müssen überzeugt werden. Woran hat es gelegen?
Erdbrügger: Zwischen der Quickborner CDU und der SPD gibt es immer weniger Unterschiede. Außerdem das ständige Wehklagen im Wahlkampf, dass Quickborn schnellstmöglich einen ausgeglichenen Haushalt braucht, was nur die CDU schaffen kann. Ich kenne Kommunalpolitiker, die trotz der Schuldenlast von 47 Millionen Euro keine Albträume kriegen – das Geld ist gut angelegt.
Jäger: Geht noch was in Quickborn?
Erdbrügger: Warum nicht? Der nächste große Brocken, die Sanierung des Schulzentrums-Süd, steht bevor. Darüber werden wir noch oft zu berichten haben.
Jäger: Eigentlich müssten wir der Stadt, ich meine dem Bürgermeister und seinem Verwaltungsteam, auch mal eine positive Bilanz bescheinigen.
Erdbrügger: Aber bitte nicht so laut! Sonst wird man noch in Kiel auf Thomas Köppls Qualitäten aufmerksam.
Jäger: Bauprojekte, die länger dauern, kosten mehr – das haben wir bei der maroden Aula in der Comenius-Schule erlebt. Anfangs ging es nur um den Austausch eines morschen Dachbalkens. Als dann am Putz gekratzt wurde, kamen andere Mängel zutage.
Erdbrügger: Ende gut, alles gut! Das Resultat kann sich sehen lassen, denn der Artur Grenz-Saal ist ein Schmuckstück. Die Quickborner Speeldeel und die Freunde der Kammermusik haben wieder eine Heimat und niemand muss sich schämen, wenn renommierte Künstler von fern anreisen.
Jäger: Was auch für viele Bürger in den Neubaugebieten zutrifft: Quickborn wächst. Den Trend vermisse ich aber beim Einzelhandel. Das Restaurant Visit gibt auf und auch kleinere Fachgeschäfte werfen zum Jahresende das Handtuch.
Erdbrügger: Alles fließt! Dafür hat es einige Geschäftseröffnungen an der Kieler Straße gegeben: Einen Laden für Boots- und Renovierungsbedarf an der Ecke Harksheider Weg, das Antiquitätengeschäft und der große Blumenladen in den Räumen der ehemaligen Videothek.
Jäger: Na schön, im Zentrum haben wir Edeka und Aldi sowie auf der anderen Seite der AKN-Gleisen den Famila-Markt. Am Forum gibt es aber zu wenige Parkplätze, besonders wenn die freie Fläche am Springbrunnen so lange gesperrt wird, was ich nicht verstehe.
Erdbrügger: Blödsinn. Das Parkhaus steht fast immer leer. Dann geht man eben mal ein paar Meter. Das hat noch niemandem geschadet.
Jäger: Der Hinweis auf die Tiefgarage ist okay, weiter entfernte Parkplätze sind für den Einkaufswagen aber kein Werbeargument. Den muss man ja auch zurückbringen. Aber vielleicht findet das geplante Stadtmanagement eine Lösung. Geben sie dieser Idee eine Chance?
Erdbrügger: Absolut. Es wird sogar eine Studie in Auftrag gegeben, die das Potenzial der Stadt ermitteln soll.
Jäger: Gespannt bin ich auf das Wohn- und Geschäftshaus auf dem Gelände der früheren Post.
Erdbrügger: Wieso, stand doch alles in unserer Zeitung? Der Bauherr ist nach der Beseitigung des Nazi-Bunkers wieder im Zeitplan. Was finden Sie daran noch spannend?
Jäger: Ob der Bauherr die Läden im Erdgeschoss vermietet bekommt. Bei der anderen großen Freifläche in der Bahnhofstraße, die Adlershorst gehört, scheint die angedachte Ladenzeile den Baubeginn zu verzögern.
Erdbrügger: Die neuen Geschäfte sollen die Flaniermeile vollenden, sie würde das Stadtbild aufwerten.
Jäger: Für teure Mieten gibt es aber keine Mieter. Bestes Beispiel sind doch die Manke-Arkaden auf der Seite zum Forum. Einige Leerstände gab es hier von Anfang an, und jetzt hört auch noch der Geschenkartikel-Laden auf.
Erdbrügger: Das wäre zum Beispiel eine Herausforderung für das Stadtmarketing, neue Impulse zu vermitteln. Auch die Räume der ehemaligen Schlecker-Filiale gammeln vor sich hin.
Jäger: Bis wir in Quickborn die Gronauquerung haben, müsste die neue Innenstadt attraktiver geworden sein, sonst fahren alle zu Famila am Halenberg, das ist dann nur ein Katzensprung.
Erdbrügger: Bis dahin fließt noch viel Wasser die Gronau hinunter. Die von der CDU gewünschte Querung liegt der SPD und den Grünen quer im Magen, die FDP ist das Zünglein an der Waage.
Jäger: Deren Ratsfrauen ziemlich aufmüpfig sind. Kämpfen ja auch für die Erhaltung und Renovierung der maroden Goethe-Schule. Die anderen Parteien nennen das populistisch. Sie etwa auch?
Erdbrügger: Nein. Der FDP geht es um die Sache. Ersetzen Sie bitte aufmüpfig mit couragiert. Sie konnten sich zwar mit der Anzahl ihrer Stimmen im Rat nicht durchsetzen, haben sich aber nicht im Ton vergriffen. Davor habe ich Respekt. Und ich wundere mich sehr über die SPD: Die Genossen scheinen vergessen zu haben, dass sie damals mit Johanna Skalski eine FDP-Frau in den Bürgermeisterwahlkampf geschickt hatten. Erst später wechselte Skalski zur SPD.
Jäger: Was macht ein kopflastiger Redakteur eigentlich am Silvesterabend? Hätten Sie vielleicht Lust, zu einer Konzert-Übertragung im Beluga-Kino? Ich bin echt verblüfft, was die Betreiber so alles auf die Beine stellen: Erstaufführungen, Kinderprogramme, Pyjama-Partys und neuerdings auch diese hochkarätigen Konzerte.
Erdbrügger: Die Live-Übertragung der Silvestergala der Berliner Philharmoniker ist bestimmt ein Erlebnis. Mir genügt es, Silvester bei meiner Familie verbringen zu können.

Kontakt: erd@a-beig.de
 

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