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Quickborner Tageblatt

18. Oktober 2017 | 00:23 Uhr

Für die Revolutionäre der Kunst

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Kunstverein Neue Ausstellung widmet sich einer Gruppe, die in den 1960er Jahren antrat, dem Realismus zum Comeback zu verhelfen

Zu einer besonderen Ausstellung lädt der Kunstverein Quickborn in seine Räume in der Kieler Straße 149 noch bis Sonntag, 8. Oktober ein. Unter dem Titel „Aufstand gegen die Abstraktion“ werden Originaldrucke der Künstlergruppe Zebra aus der Privatsammlung des Quickborners Peter Fahrenkrug gezeigt. Jetzt kamen Zebra-Künstler und -Mitbegründer Dieter Asmus und der Sammler zusammen.

Sie waren kühn damals – die jungen Künstler Asmus, Peter Nagel, Dietmar Ullrich und Nikolaus Störtenbecker, die gemeinsam die Hochschule für Bildende Künste in Hamburg besuchten. „Wir mussten uns verstecken und in einem Raum einschließen, um zu arbeiten“, sagte Asmus. Anfang der 1960er Jahre galten Tachismus und Action Painting als einzig akzeptierte Kunstrichtung, der man sich zu unterwerfen hatte. Die Abstraktion ging Kunstschaffenden und Sammlern über alles. „Das deckte sich aber nicht mit unseren Empfindungen. Künstler sind gehalten, das zu machen, was sie am meisten anturnt“, erläuterte Asmus seine eigenen Motive und die seiner Künstlerkollegen für ihre künstlerische Revolte. Zum Jahreswechsel 1964/65 gründeten sie Zebra und legten damit den Grundstein für den später durchaus erfolgreichen Neuen Realismus.

Viele Gegenstände der Moderne waren in der Kunst zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gezeigt worden. Der Einfluss der erst entstandenen Kurzzeitfotografie mit einer extrem kurzen Belichtungszeit sei immens, denn erst sie habe Dinge sichtbar gemacht, die für das menschliche Auge bis dahin nicht zu beobachten gewesen seien, erklärte Asmus und zeigte auf seinen „Laufenden Gepard“.

Nahezu fotorealistisch erscheinen denn auch viele der Werke der „Zebras“. Asmus und seine Kollegen nutzten die Fotografie oft als Ausgangspunkt für ihre Bildfindung. Der hohe Anspruch ihrer Kunst zeigt sich in ihrem Motto „Fotografie kann viel. Malerei kann alles.“ Die Ausstellung zeigt die Zebra-Mitglieder als sehr unterschiedliche Künstler, allerdings mit einer starken Übereinstimmung im Hinblick auf die Motive. Es tauchen immer wieder Bälle, Mauern sowie Buschwerk auf und natürlich ihr namensgebendes Zebra. „Der Ball ist die Urform der Plastizität“, sagte Asmus. Der Siebdruck ermöglichte es den Künstlern, dieselben Motive immer wieder mit anderen Hintergründen darzustellen und damit eine komplett andere Wirkung zu erzielen. Fahrenkrug hat sich beim Sammeln auf diese Drucke spezialisiert, vielleicht weil er bereits in seiner Schulzeit an einer Siebdruck-AG teilgenommen hat. Während der Ausstellung freut er sich nach eigenen Angaben darauf, die Werke seiner Sammlung, von denen sich die meisten ansonsten in Schubladen befinden, einmal in aller Ruhe an der Wand betrachten zu können.

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