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Mit Kommentar aus der Redaktion : Freibad: Verwaltung schlägt neue Tarifstruktur vor

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Die Preise für sogenannte „Normalverdiener“ sollen deutlich steigen.

von
erstellt am 16.Feb.2017 | 10:00 Uhr

Quickborn | Normalverdiener sollen zum großen Teil deutlich mehr als bisher bezahlen, alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger mit Kindern aber weniger. Die Quickborner Stadtverwaltung schlägt vor, die Eintrittspreise für das Freibad neu zu strukturieren. „Wir wollen mehr Sozialgerechtigkeit erreichen“, sagte gestern Uwe Scharpenberg, Leiter des Rathausfachbereichs Tiefbauten und Kommunalbetriebe. Zudem will er die Tarife vereinheitlichen: Der ermäßigte Eintritt soll stets das Eineinhalbfache des Kindertarifs, das Erwachsenenticket nicht länger das 2,9-Fache, sondern das Doppelte davon kosten.

Ob die Stadt mit der neuen Tarifstruktur mehr oder weniger Geld als bisher einnehmen wird, hat Scharpenberg noch nicht berechnet. „Dass es zu mehr Einnahmen kommen soll, ist aber sicherlich legitim“, sagte er. Die Politik habe den Jahreszuschuss für das Bad auf 300.000 Euro begrenzt. „Wir liegen aber immer ein deutliches Stück drüber“, so Scharpenberg.

Jetzt stellte er dem Ausschuss für kommunale Dienstleistungen die mögliche neue Tarifstruktur vor. Die Politik soll im März darüber entscheiden. Der Vorschlag: Die Einzelkarte für Kinder soll von 1,40 Euro auf zwei Euro steigen, der ermäßigte Tarif für Studierende, Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst, am Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahr und Hartz-IV-Empfänger von 1,90 Euro auf drei Euro. Erwachsene sollen unverändert vier Euro zahlen.

Die Zehnerkarte soll elf Besuche erlauben. Der Preis soll für Kinder von zwölf auf 20 Euro steigen, ermäßigt von 15,80 Euro auf 30 Euro, für Erwachsene von 29,50 Euro auf 40 Euro. Die Preise der Saison- und Jahreskarten stiegen in der Vergangenheit weniger stark als die der anderen Tickets. Die Saisonkarte soll für Kinder daher 40 Euro statt 34 Euro kosten, ermäßigt 60 Euro statt 50 Euro, für Erwachsene 80 Euro statt 73 Euro.

Bei der Familienkarte ist erstmals ein Sozialtarif vorgesehen. Bisher kostete das Ticket 79 Euro und galt für bis zu zwei Erwachsene mit mindestens einem Kind. Scharpenberg schlägt vor, einen Grundpreis von 60 Euro einzuführen und für den zweiten Erwachsenen 40 Euro, für das erste Kind 20 Euro, für das zweite zehn Euro zu berechnen. Ab drei Kindern soll der Preis nicht weiter steigen, sodass Familien maximal 130 Euro aufbringen müssten.

Schrittweise Umsetzung möglich

Der Sozialeffekt: Alleinerziehende mit einem Kind würden 80 Euro und damit einen Euro mehr als 2016 zahlen (Grundpreis plus Entgelt für ein Kind). Für alleinerziehende Empfänger von Grundsicherung soll der Grundpreis zudem auf 40 Euro gesenkt werden. Eine Hartz-IV-Empfängerin mit drei Kindern würde dann für die Saison nur 70 Euro zahlen. Darüber hinaus sollen auch zwei Erwachsene ohne Kind eine Familienkarte kaufen können. Sie würden pro Jahr statt bisher 146 Euro nur noch 100 Euro zahlen. Scharpenberg betonte, dass diese Ideen auch schrittweise über mehrere Jahre umgesetzt werden könnten.

Ulf Hermanns - von der Heide (fraktionslos) schlug vor, den Preis für Paare auf 130 Euro festzulegen und pro Kind um einen festen Betrag zu kürzen. Gerhard Teepe (SPD) trug die Idee vor, Karten im Wert von zum Beispiel 100 Euro mit Rabatt zu verkaufen, die Kinder und Erwachsene beliebig einlösen könnten. Für das Ellerauer Freibad kostet eine Familienkarte für einen Alleinerziehenden mit Kindern 50 Euro. Die Aufsicht beginnt dort meist aber erst um 11 Uhr, im Quickborner Freibad dagegen bereits um 6.30 Uhr. Dadurch wird dort mehr Personal benötigt.

Kommentar: Guter Ansatz, aber zu kurz gedacht

Der Vorstoß für sozialere Freibadtarife ist löblich. Allerdings profitieren bei diesem Modell fast nur alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger. Familien mit zwei Eltern, die von Arbeitslosengeld II leben, zahlen den Normaltarif. Wer Grundsicherung bezieht und kein Kind hat, muss für eine Zehnerkarte sogar fast 90 Prozent mehr als 2016 aufbringen. Außerdem sitzt das Geld bei Familien ohne Hartz-IV-Anspruch  nicht automatisch locker. Wenn Eltern mit vier Kindern pro Saison künftig 130 Euro statt 79 Euro zahlen müssen, ist das zu viel. (Jan-Hendrik Frank)

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