zur Navigation springen

Serie: Neu im Geschäft : Firmenübernahme: Chance und Risiko

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Sommerserie über die Praxis der Existenzgründung und Unternehmens-Nachfolge.

von
erstellt am 11.Aug.2015 | 14:33 Uhr

Quickborn | Ein Interview mit Paul Raab, Leiter der Zweigstelle Elmshorn der Industrie- und Handelskammer (IHK) und Peter Ahrendt, zuständig für Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Elmshorn.

Worüber müssen sich Gründer und Nachfolger die meisten Gedanken machen?
Peter Ahrendt: Über ihre fachliche kaufmännische Qualifikation, die Finanzierung und über Rechts- und Haftungsfragen. Außerdem sollte ein Interessent sich ganz grundsätzlich mit der Führung eines Unternehmens beschäftigen.
Paul Raab: Es ist schwierig, alle Details im Vorhinein zu berücksichtigen.

Die IHK bietet dazu zahlreiche Hilfestellungen an. Was müssen diejenigen beachten, die einen Nachfolger suchen?
Raab: Verkäufer machen sich oft keine Gedanken darüber – oder viel zu spät. Eine Umfrage 2013 hat ergeben, dass 53 Prozent der Inhaber sich mit dem Thema nicht beschäftigen. Dabei nimmt dieser Prozess bis zu fünf Jahre in Anspruch. Spätestens im Alter von 55 Jahren sollten sich Firmeninhaber also mit der Nachfolge auseinandersetzen. Wer übernimmt, sollte die Chance haben, in das Unternehmen hineinzuwachsen und mit den Mitarbeitern vertraut zu werden.

Welche verschiedenen Modelle der Übernahme gibt es?
Raab:
Es gibt ganz unterschiedliche Varianten. Ein Nachfolger kann sich beispielsweise schrittweise in das Unternehmen einkaufen – was jedoch auch bedeutet, dass der bisherige Inhaber Anteile und damit auch Einfluss behält. Über Firmenanteile oder eine Gewinnbeteiligung kann auch eine Alterssicherung erfolgen.
Ahrendt: Der Verkäufer muss sich die Frage stellen „Was will ich?“ Danach richtet sich dann die weitere Vorgehensweise.

Wie viele Betriebe suchen in Schleswig-Holstein derzeit nach einem neuen Chef?
Raab: Im Durchschnitt sind es zwischen 800 und 1200 Betriebe pro Jahr. Ist die Konjunktur so wie im Moment gut, streben wenige Unternehmen einen Zukauf von anderen Firmen an. Auch der Ansporn, ein Unternehmen zu gründen, ist dann geringer und das Nachfolgeverhalten verändert.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten haben Neu-Unternehmer?
Ahrendt:
Grundsätzlich stehen Fördergelder, die es für Existenzgründungen gibt, auch Unternehmens-Nachfolgern offen. Doch zunächst gilt: Für Idealismus allein gibt’s kein Geld. Gerade bei Krediten spielt die kaufmännische Qualifikation eine wichtige Rolle.
Interessenten sollten sich frühzeitig über Praktika oder an der Abendschule weiterbilden, um das nötige Know-How zu erwerben. Die größten Defizite liegen meist in den Bereichen Marketing, Liquiditäts-Steuerung und Kostenkalkulation. Für einen guten Businessplan sind Kenntnisse in diesen Bereichen unerlässlich. Aktuell gibt von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Startgeld und Gründer-Programme sowie Landesbürgschaften.

Welche Hilfestellungen bietet die IHK an?
Raab: Da sich die IHK aus Mitgliedsbeiträgen finanziert, kostet unsere Beratung nichts. Es gibt viele Angebote, von Seminaren, beispielsweise zum Steuerrecht, über Info-Abende für potenzielle Nachfolger oder Existenzgründer bis hin zur individuellen, vertraulichen Beratung sowohl derer, die Nachfolger suchen als auch derer, die eine Firma übernehmen wollen.
Ahrendt: Wir sind in dieser Richtung sehr breit aufgestellt, haben eine absolut neutrale Position und sind offen für alle Ansprechpartner.
Raab: Wir bekommen sowohl Anfragen von Inhabern als auch von Nachfolgern – die IHK wird als vermittelnde Institution wahrgenommen.
Ahrendt: Bei einer Übernahme müssen alle Verträge angesehen und überprüft werden. Auch dabei steht die IHK zur Seite. Wir machen zwar keine Rechtsberatung, bieten aber Termine an, bei denen Rechts- und Steuerberater auch Fragen beantworten.

Welchen Tipp können Sie Unternehmern geben, die einen Nachfolger suchen?
Ahrendt: Gute Vorbereitung ist das A und O. Wenn der Zug einmal läuft, kann wenig revidiert werden. Und: Unternehmer müssen darauf gefasst sein, dass ein Übernahme-Prozess zwischen zwei und fünf Jahren dauert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen