Es läuft nicht alles rund

Greifen zu schlagenden Argumenten: Die Journalisten René Erdbrügger (links) und Peter Jäger. pt
Greifen zu schlagenden Argumenten: Die Journalisten René Erdbrügger (links) und Peter Jäger. pt

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02. Januar 2013, 01:14 Uhr

Erdbrügger: Herr Jäger, Sie haben viele Veranstaltungen für uns 2012 besucht, aber auch manche Anregungen für unsere Redaktions-Arbeit geliefert. Hat es sich gelohnt, unterwegs zu sein? Jäger: Wie bitte? Soll ich Ihnen etwa meine Honorar-Abrechnung vorlegen? Erdbrügger: Ein bisschen Spaß muss sein, aber jetzt mal konkret. Was hat sich nach vorn bewegt in Quickborn? Jäger: Die Stadt hat sich ganz schön gemausert. Ich erinnere an die vielen Grundsteinlegungen und Richtfeste. Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium ist fertig gestellt worden. Aber auch einige private Wohnprojekte ergänzen das Stadtbild. Erdbrügger: Das Gymnasium ist im Zeitplan fertig geworden. Der versprochene Schulhof und die Außenanlagen liegen aber noch brach. Also bitte: Ich brauche einen Sparringspartner und keine Gefälligkeitsgeschichte. Jäger: Das merkt doch keiner - bis vor kurzem lagen Schnee und Matsch auf dem Außengelände. Hauptsache das Teehaus hat überlebt. Dafür hat sich unsere Opposition vorbildlich eingesetzt. Erdbrügger: Liegt aber schon ein bisschen zurück. Nach meinem Geschmack haben SPD, Grüne und FDP viel an Biss verloren. Jäger: Die Helden sind anscheinend müde geworden. Erdbrügger: Die CDU wartet jetzt auf die Kommunalwahl und hofft, dann wieder die alleinige Mehrheit im Rat zu haben. Unter uns: Die Zeichen stehen nicht schlecht. Jäger: Das könnte klappen. Die WIR-Fraktion ist weg vom Fenster. Und um die Liberalen mache ich mir auch große Sorgen. Erdbrügger: Die FDP gibt derzeit Gas, um potenzielle Wählerstimmen zu gewinnen, aber schießt auch übers Ziel hinaus: Die Kritik an Quickborns Verwaltungsgemeinschaft mit Bönningstedt und Hasloh erscheint mir zu verfrüht. Jäger: Vielleicht hat die FDP recht. Da gibt es eine Menge zu schultern. Außerdem ist das Rathaus jetzt auch für den Bauhof und das Freibad zuständig geworden. Ob dass alles rund laufen wird? Da habe ich meine Zweifel. Die Stadtwerke, die dafür nicht mehr verantwortlich sind, können aufatmen. Ich erinnere an die reduzierten Freibad-Öffnungszeiten mitten in der Saison. Da kamen die Verantwortlichen ganz schön ins Schwitzen. Für die kranken Aufsichtskräfte konnte kein schneller Ersatz gefunden werden. Die Frühschwimmer waren sauer. Erdbrügger: Kein Wunder, dass Stadtwerkeleiter Dr. Panos Memetzidis derzeit so entspannt wirkt. Jetzt hat sich die Stadt den Schwarzen Peter selbst zugeschoben. Zur nächsten Saison-Eröffnung muss Bürgermeister Thomas Köppl einen kühnen Kopfsprung ins kühle Nass machen und später schauen, wie die hohen Kosten des Freibads zu senken sind. Jäger: Nach der Rathaus-Strukturreform hält er seinen Kopf immer eine Handbreit überm Wasser. Der Bürger staunt, wie vorbildlich er behandelt wird, wenn er mit einem Anliegen ins Rathaus kommt. Besucher werden vom zuständigen Sachbearbeiter abgeholt. Für Wartezeiten steht Kaffee bereit, dabei kann man das ausliegende Quickborner Tageblatt lesen. Erdbrügger: Solche Werbung gefällt mir. Aber nicht zu viel loben! Bei einigen Problemen, zum Beispiel bei der Fluglärm-Bekämpfung, sind Bürgermeister und Politik eingeknickt. Sie hatten signalisiert, den Klageweg mitzugehen, wenn die Lärmbelästigung durch Starts und Landungen künftig nicht gerecht verteilt wird. Als es brenzlig wurde, stand die Bürger-Initiative der Fluglärmgegner plötzlich ohne Rückendeckung da. Das bringt Verdruss. Jäger: Der Rechtsweg schien nicht Erfolg versprechend, hieß es. Erdbrügger: Ich sage ja nur: Die Geste wäre wichtig gewesen. Als der Hamburger Flughafen von der Klage hörte, sollen dort die Verantwortlichen unruhig geworden sein. Jäger: Was die Politik auch nicht aufzugreifen wagt, ist eine Bestandsaufnahme der Innenstadt-Entwicklung: Was ist gelungen, wo sind Nachbesserungen nötig? Erdbrügger: Der Verkehr fließt zwar gemächlich . . . Jäger: . . . aber nicht, weil die Bahnhofstraße und die Fortsetzung zum Busbahnhof als Tempo-30-Zone begriffen wird. Es gibt Engpässe, die den Busverkehr und den Autoverkehr unnötig behindern. Erdbrügger: Sie sind Anlieger. Was haben Sie vom Balkon aus beobachtet? Jäger: Stau, mehrmals am Tage, im Bereich der Bushaltestelle vor Schuh Sahling, oft verursacht durch parkende Autos auf der Fahrbahn. Wenn einige Pkw auch noch hinter den gekennzeichneten Parkplätzen stehen, wird das Ausscheren wegen des Gegenverkehrs riskant. Manchmal wird sogar die Kreuzung am Dorotheenring blockiert. Erdbrügger: Die FDP kam mit ihrer Eingabe, dort etwas zu ändern, nicht zum Zuge. Schade. Die Mehrheit scheint keine Probleme zu erkennen. Das ist dann halt so. Und was läuft sonst noch nicht rund in Quickborn? Jäger: Es fehlt die Aula der Comenius-Schule, was sich besonders nachteilig für die Freunde der Kammermusik und die Quickborner Speeldeel ausgewirkt hat. Die Sanierung zieht sich hin und kostet mehr als ursprünglich veranschlagt. Erdbrügger: Davon hat Ellerau profitiert. Das Weihnachtsmärchen der Speeldeel kam diesmal in der Grundschule der Krumbek-Gemeinde zur Aufführung. Na ja: Ein bisschen Entwicklungshilfe in Sachen Kultur kann unseren Nachbarn doch nicht schaden. Aber so toll soll es dann mit dem Aufführungsraum doch nicht gewesen sein - hört man. Jäger: Wollen wir diese Spitze nicht lieber streichen? Die Ellerauer sind mit den beiden Personalien Torsten Thormählen und Klaus Lange genug bestraft. Erdbrügger: Sie spielen auf den Verdacht an, dass Elleraus Ex-Bürgermeister und Elleraus Ex-Büroleiter über die Kommunalbetriebe 200 000 Euro veruntreut haben sollen. Mich wundert nur, wie lange sich die Ermittlungen gegen Thormählen hinziehen. Bald erinnert sich niemand mehr daran, dass er mal der gefeierte Bürgermeister von Ellerau war. Jäger: Wir sollten aber zugeben, dass uns die Ellerauer mit ihren Projekten "Junges Wohnen" voraus waren. Fast hätte die Vergreisung in Quickborn bedrohliche Formen angenommen. Erdbrügger: Deshalb entstand ein Wohnprojekt Am Sand, und an der Raiffeisenstraße sind auch junge Familien in ihre neuen Häuser eingezogen. Jäger: Nicht zu vergessen der Neubau "Quick Borns", am Amselweg für generationsübergreifendes Wohnen. Ich bin auch schon darauf angesprochen worden. Es sind nur noch vier Wohnungen frei. Ich könnte mein Spargeld in Genossenschaftsanteile umwandeln. Erdbrügger: Und was spricht dagegen? Jäger: Ich warte darauf, bis Quickborn sich wieder Geld von seinen Bürgern leihen muss. Die Verzinsung war damals interessanter als meine Rentenerhöhung. Erdbrügger: Das Kapitel ist schon ein Stück Geschichte. Quickborn hat mit einem Kraftakt die Gewerbesteuer erhöht. Das verschafft ein wenig Spielraum. Jäger: Leider nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das strukturelle Defizit liegt bei etwa einer Million Euro. Die Verschuldung der Stadt steigt 2013 auf etwas 47 Millionen Euro. Da komme ich ins Grübeln. Erdbrügger: Zu Recht: Mal so ausgedrückt. Jeder Quickborner - und auch Sie - sind mit 2350 Euro verschuldet. Jäger: Oh je - dann muss ich ja noch viele Artikel für die Zeitung schreiben, um über die Runden zu kommen.

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