Tangstedt : Erneut Reh von Hund gerissen

Jäger Andreas Zorn blieb nichts anderes übrig, als das  Rehkitz zu töten.
Jäger Andreas Zorn blieb nichts anderes übrig, als das Rehkitz zu töten.

Spaziergängerin findet junges Reh. Der Tangstedter Jäger Andreas Zorn muss das schwer verletzte Tier erlösen. Ordnungsämter mahnen: Vierbeiner an die Leine nehmen.

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05. November 2013, 12:00 Uhr

Es war eine Spaziergängerin, die am Freitagmittag bei dem Tangstedter Jäger Andreas Zorn anrief: „Das liegt ein junges Reh, es ist verletzt, lebt aber noch.“ Zorn machte sich sofort auf den Weg und fand das Tier auch. „Es lag im Gebüsch auf einer Wiese, etwa 300 Meter vom nächsten Weg entfernt“, berichtet Zorn. Eindeutige Kampfspuren ließen darauf schließen, dass das Reh von einem Hund gerissen worden war, so Zorn. „Mir blieb nichts anderes übrig, als das Tier mit einem gezielten Schuss zu erlösen“, sagt der Jäger.

Immer wieder stehen Zorn und seine Kollegen vor verletzten oder toten Tieren, deren Wunden auf mangelnde Verantwortung von Hundehaltern zurückzuführen sind. „Grundsätzlich ist das immer der Fehler des Hundehalters, das Tier kann überhaupt nichts dafür“, sagt auch Helga Lohse, die bei der Stadt Quickborn Fachbereichsleiterin des Ordnungsamtes ist. Es gebe zwar keinen generellen Leinenzwang auf landwirtschaftlichen Wegen, es sei jedoch eine Sache der Verantwortung, sein Tier auch dort anzuleinen. „Auch gut erzogene Hunde können nicht gegen ihren Jagdtrieb an“, weiß Lohse, die selbst seit vielen Jahren Halterin eines Dobermanns ist.

Generell seien alle eingezäunten Flächen für freilaufende Hunde tabu: „Ob Wiese, Weide oder Koppel: Der Zaun signalisiert, dass es sich hier um fremdes Eigentum handelt, auf dem ein Tier nichts zu suchen hat“, so Lohse. Das Recht des Einzelnen höre schließlich genau dort auf, wo das Recht eines anderen Menschen anfange – in diesem Fall am Zaun. Lohse plädiert für den „Führerschein für Hundehalter“: „Wer sich einen Hund anschafft, muss erst einmal beweisen, dass er mit dem Tier auch umgehen kann“, sagt sie. Mit dem Vierbeiner zu üben und zu trainieren, soll ihrer Ansicht nach Pflicht sein.

Auch beim Amt Pinnau hat das Ordnungsamt auf die wachsende Zahl von zu Tode gehetzten Rehen reagiert: Im Frühjahr waren binnen weniger Wochen acht tote Rehe rund um Borstel-Hohenraden gefunden worden (diese Zeitung berichtete). Vor wenigen Wochen verschickte die Behörde einen Info-Brief an alle Hundehalter der amtsangehörigen Gemeinden. Der Inhalt ist Mahnung und Appell zugleich: Jeder Hund, der einmal gewildert hat, wird es wieder tun – also anleinen.

Jäger Zorn hofft, dass es hilft. Doch was er täglich beobachtet, gibt wenig Grund zur Hoffnung: „Viele Halter nehmen den Tod von Wildtieren in Kauf und gehen einfach weiter.“ Sein Appell: Wenn etwas passiert ist, sollten die Verantwortlichen das wenigstens melden, damit verletzte Tiere nicht unnötig lang leiden müssen. „So viel Charakter kann man doch erwarten“, sagt er.

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