Neuer Bürgermeister : Er will die Augen und Ohren stets offenhalten

Rolf Lammert (CDU) wurde im Juni zum neuen Bürgermeister der Gemeinde gewählt.
Rolf Lammert (CDU) wurde im Juni zum neuen Bürgermeister der Gemeinde gewählt.

Bönningstedts neuer Bürgermeister Rolf Lammert (CDU) im Gespräch. Anregungen und Kritik der Bürger erwünscht.

shz.de von
17. Juli 2018, 13:25 Uhr

Bönningstedt | Die ersten Wochen im neuen Amt liegen hinter Bönningstedts neuen Bürgermeister Rolf Lammert (CDU). „Ich bin immer noch in der Phase der Einarbeitung“, berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei ihm zunächst wichtig gewesen, sich persönlich während zahlreicher Antrittsbesuche vorzustellen: Kindergärten, Schulen, Freiwillige Feuerwehr, Gemeindebüro, Kirche, Bauhof, Personalrat und verschiedene Abteilungen der Quickborner Verwaltungsgemeinschaft seien unter anderem seine ersten Stationen gewesen. „Das kostet viel Zeit, bringt aber auch Spaß“, sagt Lammert. Für ihn sei besonders wichtig, Augen und Ohren offenzuhalten, um mitzubekommen, welche Themen die Menschen bewegen. „Ich will dazulernen“, betont der Bürgermeister.

Oft gelte es, bei aktuellen Vorkommnissen schnelle Entscheidungen zu treffen. „Das kann ein defekter Lichtmast oder eine kaputte Tür im Kindergarten sein. Da gilt es, zügig zu handeln“, beschreibt Lammert. Der tägliche Gang zum Gemeindebüro, um Post zu holen und zu bearbeiten, sei inzwischen selbstverständlich geworden. „Ich will nicht, dass etwas lange liegen bleibt“, sagt er.

Erste Sprechstunde

Auch Gewerbetreibenden und Bürgern habe er bereits Besuche abgestattet, und die erste Sprechstunde liege ebenfalls schon hinter ihm. „Wer zu mir kommt, darf zeitnahe Antworten erwarten“, versichert Lammert. Die schnelle Rückmeldung könne zwar auch manchmal bedeuten, dass einer Anfrage eine Absage erteilt werden müsse. „Ich halte es für wichtig, das zügig zu kommunizieren. Auch wenn ein Vorgang nicht sofort entschieden oder ein Problem sofort gelöst werden kann sondern einfach noch Zeit braucht, will ich das zurückmelden, damit diejenigen wissen, woran sie sind“, sagt Lammert.

Für die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien und Wählergemeinschaften der Gemeindevertretung hat Lammert sich vorgenommen, eine vertrauensvolle Basis zu schaffen. „Natürlich werde ich mich auch um der Sache willen streiten und Argumente austauschen – das ist gelebte Demokratie“, betont er. Dies sei ein Gewinn für alle. Er plane, Besprechungen mit den Vertretern der Fraktionen im Vorfeld von öffentlichen Sitzungen abzuhalten, um einen Austausch über strittige Themen zu führen. „Wir haben in der Vergangenheit ein ganz fürchterliches Bild nach außen abgegeben. Das muss sich ändern“, formuliert Lammert sein Ziel.

Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden

Dies gelte auch für die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden. „Mit Ellerbeks Bürgermeister Günther Hildebrand habe ich bereits ein langes Gespräch geführt. Das mit Haslohs Bürgermeister Bernhard Brummund steht noch aus“, berichtet Lammert. Schließlich gebe es zwischen diesen drei Gemeinden eine uralte Verbindung, die es wieder herzustellen gelte. „Das geht weit über die Zusammenarbeit im Beirat der Bönningstedter Gemeinschaftsschule Rugenbergen hinaus“, sagt Lammert. Ihm sei wichtig, das Vertrauen wiederherzustellen. „Deshalb werde ich auch nach den Sommerferien die Sitzung der Ellerbeker Gemeindevertretung besuchen“, kündigt der Bürgermeister an.

Wegen der Sommerferien findet in Bönningstedt erst Mitte August die nächste Sitzung des Gemeinderats statt. „Dann wird der Haushaltsplan 2019 im Vordergrund stehen.“ Außerdem wolle er schnellstmöglich den geänderten Flächennutzungsplan an die Landesplanung in Kiel schicken. „Der sollte schon längst dort sein, damit wir anschließend die eventuellen Änderungen in den Gremien nachbearbeiten können“, sagt der Christdemokrat. Ein wenig Hoffnung gebe es, was das Ausweisen von Gewerbeflächen anbelange: „Es gibt durchaus Lockerungen, vielleicht können wir recht schnell eine Fläche von etwa 4000 Quadratmetern im Norden der Gemeinde dazubekommen“, so seine Hoffnung. Dies war bereits vor mehreren Jahren versucht, jedoch von der Landesplanung abgelehnt worden

Flächen zur Wohnbebauung

Auch die Suche nach möglichen Flächen zu Wohnbebauung müsse vorangetrieben werden. „Ich möchte, dass es da weitergeht. Und wir müssen uns auch fragen, wo die Mitte unseres Dorfs sein soll“, schildert Lammert. Des Weiteren müsse jetzt schon über eine mögliche Nutzung der Flächen rund um den AKN-Bahnhof nachgedacht werden. „Wir müssen langfristig und vorausschauend planen“, so seine Forderung. Wachstum sei notwendig, müsse aber sinnvoll passieren. „Wir haben beispielsweise keine bezahlbaren Wohnungen für Alleinerziehende, Studenten oder Senioren. Uns fehlen kleine Wohneinheiten“, so Lammerts Feststellung. Auch die Kapazitäten des Betreuten Wohnens würden nicht ausreichen. „Wir werden den Dorfentwicklungsplan dahingehend überprüfen und eventuell überarbeiten müssen“, sagt der Bürgermeister.

Mit regelmäßigen Einwohnerversammlungen will Lammert die Bürger dazu bewegen, Anregungen und Ideen wie auch Kritik gleichermaßen zu äußern: „Ich will die Bewohner in allen Bereichen mitnehmen.“ Als Beispiel nennt Lammert die Grellfeldtwiete, die häufig als Abkürzung von denjenigen genutzt werde, die in Richtung Ellerbek fahren wollen. „Das ist auch ein viel genutzter Schulweg. Es gibt nur auf einer Seite einen Bürgersteig, der in der schmalen Straße insbesondere von Lkw gern mal befahren wird“, sagt Lammert. Er wolle nun einen runden Tisch mit den Anwohnern einberufen, um nach Lösungen zu suchen. „Vielleicht sollten wir versuchen, die Grellfeldtwiete zur Einbahnstraße zu machen“, so eine Überlegung des Bürgermeisters. Auch auf die vertrauensvolle Arbeit mit der Verwaltung lege er großen Wert. „Alle dort sind freundlich zu mir, erklären viel und zeigen mir alles, was ich wissen muss“, beschreibt Lammert die ersten Begegnungen. Er wünsche sich, dass sich der früher oftmals raue Ton wieder ändert. „Bürgermeister zu sein, ist viel Arbeit, aber ich fühle mich sehr wohl dabei“, so das Fazit nach den ersten Wochen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen