Eltern protestieren für Radweg

Während der Sitzung der Gemeindevertreter demonstrierten Eltern und Kinder mit selbstgebastelten Schildern und Plakaten für einen Radweg.
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Während der Sitzung der Gemeindevertreter demonstrierten Eltern und Kinder mit selbstgebastelten Schildern und Plakaten für einen Radweg.

Ellerbeker Vater sammelt auf eigene Faust Spenden für den Bau am Ihlweg / Politik stellt 350 000 Euro im Haushalt bereit

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08. Dezember 2018, 16:00 Uhr

Ellerbeker Eltern und Kinder haben am Donnerstagabend mit Transparenten und Plakaten für den Bau eines Schul-Radweges vom Ihlweg über den Rugenbergener Mühlenweg zur Hermann-Löns-Schule protestiert und damit den Druck auf die Politik deutlich erhöht. Mit Sprüchen wie „Muss erst was passieren?“, „Ihr tragt die Verantwortung“ und „Wir sind auch Mitglieder dieser Gemeinde“ stürmten sie die Sitzung im Ellerbeker Spiegelsaal und forderten nach einem mehr als zehn Jahre dauernden Stillstand endlich die Umsetzung der Pläne.

„Vor etwa vier Jahren waren wir an ziemlich genau demselben Punkt wie heute. Doch ein Radweg ist immer noch nicht da“, sagte ein Vater. „Vielleicht werden nun wieder Gelder bereitgestellt, und vielleicht kommt auch der Weg. Wir haben jetzt aber nur eine Bitte: Wenn Sie nun etwas beschließen, dann ziehen Sie es auch durch“, forderte der Ellerbeker weiter.

Die Kinder meldeten sich ebenfalls zu Wort: „Ich wünsche mir schon lange einen Radweg. Ich habe immer Angst, da zu fahren. Wir können in den Graben fallen, wenn ein Auto kommt, und der Weg ist nicht beleuchtet“, schilderte ein Schüler.

Philipp Müller gehört zu den Eltern, deren Kinder jeden Tag über den Ihlweg zur Grundschule fahren. Angst, dass etwas passiert, hat er ständig. Vor etwas zwei Jahren schließlich fasst er einen Entschluss: „Es kann so nicht weitergehen. So ein Thema darf nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden“, sagte Müller. Auf seine Worte lässt er Taten folgen. Zusammen mit seiner Frau Corinna spendet der Ellerbeker 50 000 Euro aus seinem privaten Vermögen für das Projekt und er sammelt Spenden. Sein Ziel sind 100 000 Euro. „Ich habe in den vergangenen Wochen etwa 50 Gespräche geführt, ob mit Privatpersonen oder Unternehmen“, schilderte Müller. Dabei sei er nicht immer auf offene Ohren gestoßen. „Es war nicht ganz leicht“, äußerte er sich vorsichtig. Dennoch hatte er auch Erfolge, denn er hat auch Ellerbeker gefunden, die spendenbereit sind. 25 000 Euro hat er bisher gesammelt.

Seine Sammelaktion ist mit einer eindeutigen Forderung verbunden: Der Ausbau des ersten Bauabschnitts von der Moratzentwiete bis zum Langhoopweg muss bis zum Schulbeginn nach den Sommerferien, 12. August 2019, fertiggestellt sein. „Nur unter diesen Bedingungen haben sich die Spender bereiterklärt, überhaupt in das Projekt zu investieren“, betonte Müller.

Die Gemeindevertreter zeigten Verständnis für den Ärger der Eltern. Bürgermeister Günther Hildebrand (FDP) versuchte zu beschwichtigen, wollte sich allerdings dennoch nicht auf einen Zeitplan festlegen. „Wir müssen nicht darüber diskutieren, ob wir den Radweg wollen oder nicht. Da sind wir uns alle einig. Jetzt geht es aber erst einmal darum, Gelder dafür bereitzustellen. Dann erfolgt eine Ausschreibung“, erklärte Hildebrand. Er hoffe, dass dann mit dem Bau Ende des Winters oder Anfang des Frühjahrs begonnen werden könne. Die Politiker setzen mit der Bereitstellung von 350 000 Euro im Haushalt 2019 ein klares Zeichen. Einstimmig haben sie für diesen Vorschlag votiert.

Wie berichtet, stiegen die geplanten Kosten für die Maßnahme über die Jahre immer weiter an. Zuletzt hat die Verwaltung die Errichtung des Radwegs auf 1,09 Million Euro geschätzt. Stefan Hinners (CDU) wollte das nicht glauben und forschte selbst nach. „Ich habe seriöse Angebote entdeckt, die bei etwa 400 000 bis 500 000 Euro liegen“, erläuterte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch am Ende entscheide das Ergebnis der Ausschreibung, wie viel Geld die Gemeinde in die Hand nehmen müsse.

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