FloderFlo : Ellerauer mit Meinungsvideos auf dem Weg zum Youtube-Star

Zwei Bildschirme, Kamera, Mikrofon und ein Flatscreen: Florian Marienberg alias FloderFlo ist längst perfekt ausgerüstet.
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Zwei Bildschirme, Kamera, Mikrofon und ein Flatscreen: Florian Marienberg alias FloderFlo ist längst perfekt ausgerüstet.

Florian Marienberg stellt Videos online, in denen er Musikclips analysiert und bewertet. Er hat 3700 Abonnenten.

shz.de von
15. Januar 2018, 15:09 Uhr

Ellerau | Vor nicht ganz fünf Monaten hat Florian Marienberg seinen You-Tube-Kanal eröffnet. Seitdem lädt er jeden Tag mindestens ein Video hoch, in dem sich der 17 Jahre alte Schüler mit Musikclips auseinandersetzt, sie vor laufender Kamera bewertet und kommentiert. Das Hobby ist zeitaufwändig und erfordert neben Schlagfertigkeit und körperlicher Präsenz außerdem eine ganz eigene Sprache und enorme Disziplin. Sein Lohn: Der Community gefällt, was er macht. Die Klicks gehen in die Hunderttausende, seinen Kanal haben inzwischen 3700 Nutzer abonniert, und jede Woche kommen mindestens 40 hinzu. Damit hat Marienberg erreicht, wovon viele Blogger träumen: Er verdient Geld.

Vor fünf Jahren hat er angefangen, sich mit dem Streamingdienst zu beschäftigen, erste Videos hochzuladen und die Reaktion im Netz zu beobachten. „Das war alles noch sehr amateurhaft. Ich habe die Videos nicht mal bearbeitet. Aber es hat mir geholfen, das System und die Abläufe zu verstehen“, sagt er. Weil er Spaß an den Möglichkeiten der Plattform hat, tüftelte er ein Konzept aus, optimierte seine technische Ausstattung und setzt seine Ideen seit Oktober konsequent um. „Es ist immer gut, wenn man sich auf ein Thema konzentriert. Ich habe mich auf Meinungsvideos spezialisiert.“

Klingt banal, ist es aber nicht. Vielmehr steckt dahinter harte Arbeit und viel Fleiß. „Ich nehme mir jeden Tag einen Clip von YouTubern vor, die Musik machen. Mal sind es erfahrene Musiker, mal auch Newcomer“, sagt der Blogger. Vor laufender Kamera schaut er sie sich das erste Mal an und bewertet sie für jeden nachvollziehbar. Das setzt voraus, dass auch seine Nutzer den Clip sehen können. Sich selbst klinkt FloderFlo, so sein Künstlername, oben oder unten rechts ein. „Ich berücksichtige bei meiner Kritik Sachen wie das Alter des Künstlers oder das Budget, das für den Clip zur Verfügung stand.“

Interessant werden die Videos nicht zuletzt durch seine eigene Person. Marienberg lässt seine Fans nicht vom Haken, fesselt sie mit schneller Sprache, passender Ansprache, intensiver Gestik und Mimik. Und er hütet sich vor Verrissen, verpackt die seltene negative Kritik in freundliche Worte. Die Songtexte, das Drehbuch für den Clip, die Musik und der Künstler selbst – alles nimmt er unter die Lupe und sorgt so dafür, dass so manches vom ihm gezeigte Video noch häufiger gestreamt wird. „Zu Anfang habe ich mir die Videos noch selbst gesucht. Das brauche ich inzwischen nicht mehr“, sagt der Blogger. Das erledigen seine Abonnenten, die ständig mit ihm interagieren. Sie bewerten ihn und seine Arbeit, schicken ihm außerdem Vorschläge für die nächsten Videos. „Die meisten Nutzer finden es interessant zu sehen, wie jemand anderes die Clips, die sie mögen, beurteilt.“

Seine Abonnenten schicken dem 17-Jährigen Vorschläge, welche Musikvideos er analysieren sollte.
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Seine Abonnenten schicken dem 17-Jährigen Vorschläge, welche Musikvideos er analysieren sollte.

 

Das Engagement könnte sich für ihn auszahlen, denn dass sich mit der beliebten Videoplattform reichlich Geld verdienen lässt, ist kein Geheimnis. Die Stars der Szene wie Julian Bam oder der mittlerweile umstrittene Blogger Logan Paul verdienen Millionen. Sein erstes Geld hat FloderFlo bereits erwirtschaftet, YouTube-Eigentümer Google vermarktet seine Filme. Dazu wird ein Werbebanner eingeklinkt, das die Nutzer aktivieren können. Ein lukratives Geschäft für beide Seiten.

Um den Erfolg nicht zu gefährden, arbeitet Marienberg sorgfältig. Im Durchschnitt sind seine Videos acht Minuten lang, werden geschnitten und bearbeitet, dann ins Netz gestellt. „Jeden Tag um zwölf Uhr mittags gehen die Videos online. Das kann man einstellen und geht dann automatisch“, sagt er. Gern reagiert er darin auf Anregungen seiner Abonnenten, teilt ihnen mit, wann er sich das von ihnen vorgeschlagene Video vornimmt oder warum er es von seiner Liste gestrichen hat. Auch damit hält er sie bei der Stange.

Was die Nutzer nicht sehen: Marienberg kommt durchaus mal an seine Grenzen, etwa „wenn ich viel für die Schule machen muss oder andere Termine habe“. Sich dann abends noch zu motivieren, den Rechner hochzufahren, fällt selbst ihm manchmal schwer. Aber er tut es, twittert, postet auf Instagram und Facebook, um seinen Kanal zu bewerben. Und er hat das Format #FDFContest ins Leben gerufen. Seine Zuschauer dürfen jede Woche ihren Videofavoriten wählen, und am Ende eines Monats wird aus den Wochensiegern der Champion ermittelt. Solche Anreize liebe die Gemeinschaft im Internet, sagt er.

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