Bienensterben : Ellerauer Imker appelliert an Bürgermeister und Landwirte

„Die Motivation junger Imker ist nicht das Geldverdienen, sondern der Naturschutz“, sagt Imker Rüdiger Schulz.
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„Die Motivation junger Imker ist nicht das Geldverdienen, sondern der Naturschutz“, sagt Imker Rüdiger Schulz.

Mehr Wildpflanzen, statt Monokultur: Mit einem Brandbrief stellt Rüdiger Schulz Forderungen zum Insektenerhalt.

shz.de von
23. Januar 2018, 12:00 Uhr

Ellerau | Der Ellerauer Imker Rüdiger Schulz hat im Gespräch mit shz.de  die regionalen Bauern aufgefordert, mehr gegen das Bienensterben zu unternehmen. Sie müssten Monokulturen vermeiden, auf ihren Flächen auch Platz für Wildblumen vorhalten und endlich auf den Einsatz von Insektiziden verzichten, sagte der Vorsitzende des Imkervereins „Die Bienenhüter“.

Darüber hinaus hat Schulz in einem Schreiben an 20 Bürgermeister der umliegenden Städte und Gemeinden auch von Politik und Verwaltung größere Anstrengungen zum nachhaltigen Schutz der Bienen gefordert. Gleichzeitig hat Schulz gute Nachrichten: „Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Zahl der Völker steigt wieder an.“

Hobby-Imker ein „Glücksfall“

Der Imker lobte die Struktur der Branche in Deutschland. Die Tatsache, dass hierzulande 95 Prozent aller Imkereien als Hobby betrieben würden, sei „ein Glücksfall“. „Das führt dazu, dass wir keine Massentierhaltung haben. Die Imker in den USA haben bis zu 30 000 Völker und vermieten die Bienen zum Bestäuben an die Landwirte.“ Auf diese Weise werde der Honig zum reinen Nebenprodukt, die Tiere seien außerdem durchgehend gestresst, weil sie „durch die Lande gescheucht“ würden. Schulz imkert seit zehn Jahren und hatte in Spitzenzeiten 20 Völker. Heute sind es noch sieben. Das reicht dem 77-Jährigen inzwischen, zumal er viel Zeit in den Imkerverein investiert.

Schulz möchte die wachsende Popularität der Imkerei nutzen, um etwas für die Insekten zu tun, vielleicht sogar auf lokaler Ebene eine Trendwende anzustoßen. „Das Thema ist in aller Munde, und wir rennen überall offene Türen ein“, sagt er. Imker seien mittlerweile gefragte Referenten, die Nachfrage insbesondere nach Grundkursen steige an. „Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass hier in unserer Nachbarschaft mehr und besser ausgebildete Hobbyimker zur Verfügung stehen, die sich aktiv für den Schutz und die Pflege der Bienen einsetzen“, so Schulz.

Zahl der Bienenvölker hat sich halbiert

Für den Vereinsvorsitzenden besteht akuter Handlungsbedarf, und er wird nicht müde, vor den Folgen weiterer Versäumnisse zu warnen. Vor 20 Jahren habe es in Deutschland noch 1,2 Millionen Bienenvölker gegeben, heute seien es nur noch halb so viele. Dass die Bestände langsam wieder steigen, sei insbesondere den jungen Leuten zu verdanken, von denen sich immer mehr für die Imkerei interessierten. „Ihre Motivation ist nicht das Geldverdienen. Sie wollen etwas für den Naturschutz tun.“ Für Schulz ein erstes Signal einer leichten Entspannung, das ihm Mut macht und ihn auf bessere Zeiten hoffen lässt.

Ohne Politik und vor allem Landwirtschaft, da ist er sich sicher, wird es in letzter Konsequenz aber nicht gehen. Deshalb hat Schulz, der auch schon mal für die CDU im Ellerauer Gemeinderat saß, eben jenen Brandbrief geschrieben – an 20 Bürgermeister umliegender Städten und Gemeinden. Sein Appell: „Wir müssen weg von der Monokultur auf unseren landwirtschaftlichen Flächen und brauchen mehr Blühwiesen, sonst wird das Bienensterben weitergehen.“ Als Beispiel nennt Schulz die Wildbienen. Einst habe es 600 Arten in Deutschland gegeben, heute seien es noch 450. „Alle anderen sind inzwischen ausgestorben.“ Folge des Nahrungsmangels. Besonders prekär sei die Situation in der Zeit zwischen Rapsernte und Sommertracht. Es komme immer wieder vor, dass Bienen in diesen Monaten verhungerten.

Die Mitglieder des Vereins wollen gegensteuern und arbeiten dafür unter anderem mit der Deutschen Wildtierstiftung zusammen. „Hier gibt es eine gute Beratung für Kommunen und Gartenbesitzer über den Zeitpunkt der Aussaat und die richtige Auswahl der Samen für Blühwiesen. Wir stellen gern den Kontakt her“, sagt Schulz. Der Imkerverein „Die Bienenhüter“ hat aktuell 75 Mitglieder. Sie kommen überwiegend aus Ellerau und Quickborn, Kaltenkirchen, Alveslohe, Pinneberg, Norderstedt und Henstedt-Ulzburg. 70 von ihnen sind aktive Imker, die sich zusammen um rund 600 Völker kümmern. „Wir gehören zu den Vereinen, die wachsen. Jedes Jahr kommen etwa zehn Mitglieder dazu“, so Schulz.

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