Ellerau baut zweites Blockheizkraftwerk

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Gemeinde kommt Auflage des Gesetzgebers nach und kassiert eine Prämie

shz.de von
29. Juni 2018, 16:42 Uhr

Ellerau investiert in die Zukunft: Weil der Gesetzgeber inzwischen eine flexible Stromproduktion von den Kommunen fordert, die eine Biogasanlage betreiben, baut die Gemeinde bis Ende des Jahres ein zweites Blockheizkraftwerk (BHKW). Sobald es seinen Betrieb aufgenommen hat, wird auch die Heizung in der Grundschule von Gas auf Fernwärme umgestellt. Derzeit verlegt eine Fachfirma die dafür notwendigen Leitungen auf einer Strecke von rund 700 Metern zwischen dem Freibad und der Grundschule in der Dorfstraße.

Seit elf Jahren produziert die Biogasanlage im Alten Alvesloher Weg Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen. Das Gas wird genutzt, um in einem BHKW auf dem Gelände des Ellerauer Freibades Strom zu erzeugen. Fünf Millionen Kilowattstunden sind es jedes Jahr, theoretisch genug für 1200 Haushalte. Die Produktion läuft nahezu konstant, also auch dann, wenn gar kein oder nur wenig Strom abgenommen wird. „Mit der Flexibilisierung soll die Stromerzeugung der Nachfrage angepasst werden“, so Eckart Urban (SPD, Foto), Vorstand der Kommunalbetriebe Ellerau (KBE), die die Biogasanlage betreiben. Das funktioniere allerdings nur, wenn die Gemeinde ein zweites BHKW in Betrieb nehme. „In Spitzenzeiten, etwa morgens, wenn besonders viel Strom gebraucht wird, können wir nur mit einer zweiten Anlage bedarfsgerecht produzieren, und später, wenn die Nachfrage nachlässt, beide runterfahren“, sagte KBE-Prokuristin Elke Gerick (Foto). Die Investition, im Falle Elleraus immerhin rund 1,4 Millionen Euro, belohnt der Bund mit der sogenannten Flex-Prämie: Zehn Jahre lang kassieren die KBE 100 000 Euro per anno. Hinzu kommt, dass die Gemeinde die Heizkosten für die Grundschule in Höhe von bis zu 35 000 Euro jährlich zukünftig nicht mehr an einen Energiekonzern, sondern an das eigene Tochterunternehmen überweist.

„Überleben können langfristig nur die Blockheizkraftwerke, die beides vermarkten, Wärme und Strom“, sagte Urban. Wärme entsteht beim Betrieb der Anlagen quasi als Abfallprodukt. Schon jetzt wird damit im Sommer das Freibad und im Winter ein Wohngebiet geheizt. Zusätzlich zum BHKW errichtet die Gemeinde am Freibad zwei neue Wärmespeicher, rund vier Meter im Durchmesser und sieben Meter hoch, in denen jeweils bis zu 50 Kubikmeter Wärme gespeichert werden können, „Um die Zeiten zu überbrücken, in der die Blockheizkraftwerke keine oder nur wenig Wärme liefern“, so Gerick. Spätestens Ende des Jahres soll die umfangreiche Maßnahme abgeschlossen sein.

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