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Quickborn : Eine Zeugin des Alkoholismus berichtet

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Die NDR-Moderatorin Tina Wolf hat aus dem autobiographischen Buch gelesen, in dem sie berichtet, wie ihr alkoholkranker Vater Selbstmord auf Raten beging.

Quickborn | Es ist bereits 15 Jahre her, dass der Vater von Tina Wolf verstorben ist, doch leicht fällt es ihr bis heute nicht, über diesen Verlust zu sprechen. Besonders deshalb, weil ihr Vater dem Alkohol verfiel.

Die NDR-Moderatorin folgte der Einladung der Suchtberatungsstelle Quickborn. Die Idee kam der Diplom-Sozialpädagogin Sina Jessen vom Fachbereich „Kleine Riesen“. Hier wird Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien Hilfe angeboten. „Eine solche Lesung dient dazu, die Leute direkt anzusprechen und aufmerksam zu machen“, erklärte Jessen. Nachdem sie einige Literaturlisten durchstöberte fiel ihr Wolf auf. Die Hamburgerin zögerte nicht lange und sagte zu. „Wobei ich gestehen muss, dass mich solche Lesungen ziemlich fertig machen. Früher habe ich danach drei Tage lang geweint“, berichtete die Journalistin.

Vor etwa 30 Besuchern las sie in der Quickborner Stadtbücherei aus ihrem Buch „Und ich dachte, ich könnte dich Retten“ vor. „Die Alkoholsucht ist ein sehr wichtiges Thema und es ist entscheidend darüber zu sprechen, auch wenn man damit nicht bei allen Menschen gut ankommt“, erklärte Wolf. 2007 schrieb sie den autobiografischen Roman. Mit nur 51 Jahren verstarb ihr Vater an den Folgen jahrelanger Alkoholsucht. Mit diesem Buch versucht Wolf darzustellen, wie sie sich als Tochter gefühlt hat und was die Angehörigen alles erleiden mussten.

„Ich habe das alles aus meiner Wut heraus geschrieben. Ich konnte einfach gar nicht verstehen, dass ein Mensch, der alles hatte und eigentlich glücklich sein musste, nicht die Kurve kriegen konnte“, sagte Wolf. In den Lesepausen der Autorin herrschte absolute Stille. Wolf wählte für den Beginn der Lesung einen für sie sehr emotionalen Moment aus: Sie träumte, dass sie gemeinsam mit ihrem Vater an der Nordsee spazieren geht und mit ihm ganz offen, über Probleme sprechen konnte.

„Ich hatte keinerlei Macht, außer meiner Liebe“

Dieser Moment treibt ihr auch heute noch Tränen in die Augen. Neben der Alkoholsucht des Vaters musste sie mit ansehen, wie ihre Mutter immer mehr zur Co-Abhängigen wurden. „Für sie war es vollkommen normal, dass mein Vater so viel Alkohol trank“, erzählte Wolf. Ihre Familie verschloss sich vor den Tatsachen und auch mit ihren Großeltern konnte sie nie darüber sprechen. Sprach sie ihren Vater direkt auf seine Sucht an, brach er den Kontakt ab. „Ich hatte keinerlei Macht, außer meiner Liebe“, sagte Wolf.

Die bewegende Geschichte der Autorin verfehlte ihr Ziel nicht. Das Publikum war in der anschließenden Diskussionsrunde sichtlich betroffen.

Das Angebot der „Kleinen Riesen“ richtet sich an Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. Angeboten werden Gespräche, Spiele und künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten (Malen, Basteln, Rollenspiele). Die Kinder und Jugendlichen haben die Möglichkeit  Gruppentreffen und bei Bedarf auch Einzelgespräche zu besuchen. Mit dieser Hilfe wird ein konstruktiver Umgang mit Wut und Aggressionen, Enttäuschung und Angst entwickelt, wie auch das Erleben von Gefühlen wie Freude und Spaß. Die verantwortliche Mitarbeiterin ist die Sozialpädagogin Sina Jessen. Weitere Infos gibt es unter 04106-60000.
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erstellt am 06.Nov.2014 | 16:00 Uhr

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