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Quickborn in Rio de Janeiro : Ein Stück Heimat in der Fremde

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Eine Quickborner Stewardess entdeckte das Eulenwappen in der wohl berühmtesten Treppe der Welt.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2013 | 16:33 Uhr

Die Quickborner Stewardess Andrea Schön hat die ganze Welt gesehen. Hunderttausende von Kilometern ist sie um den Globus gejettet. Ihren Aufenthalt in den großen Städten nutzt sie, um sich die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Rio de Janeiro in Brasilien. Zwei Tage frei. Na klar, die wohl berühmteste Treppe der Welt, die Escadaria Selarón, gehört zum Pflicht-Programm.

Als die Quickborner Flugbegleiterin die Stufen hochstieg, fasziniert von den mehr als 2000 bunten Keramikkacheln, traute sie plötzlich ihren Augen nicht: „Über zwei Stufen sind vier Kacheln mit dem Quickborner Eulenwappen eingelassen“, erzählt sie. Das fand sie so außergewöhnlich, dass sie diese Zeitung darüber informierte. „Das ist doch toll. Ich finde, darauf kann Quickborn stolz sein“, sagt Schön, die mit dem Feuerwehrmann Wido Schön verheiratet ist.

Es ist ein Stück Heimat in der Fremde, ein Stück Quickborn im fernen Brasilien am anderen Ende der Welt. Aber nicht nur das Quickborn-Wappen ist dort zu sehen, sondern Fliesen aus mehr als 60 Ländern zieren die Stufen.
Ihren Namen erhielt die Treppe zum Armenviertel durch ihren Erschaffer: Jorge Selarón, der Anfang des Jahres auf den Stufen tot aufgefunden wurde. Die „Escadaria Selarón“ – mit dieser Arbeit wollte der ursprünglich aus Chile stammende Künstler seiner Wahlheimat Brasilien ein Denkmal setzen. Die Ecadaria Selarón besteht aus mehr als 250 Stufen. Die Treppe verziert ein Mosaik aus Fliesen, die hauptsächlich in den Farben grün, gelb und blau gehalten sind – es ist ein Tribut an die brasilianische Flagge. Und dazwischen immer wieder die Farbakzente von Kacheln aus Orten aller Herren Länder – ein Kunstwerk, das die Grenzen überschreitet.

„Ich habe mich allerdings gefragt, wer die Kacheln nach Brasilien gebracht hat“, sagt Schön während des Gesprächs. Es war die Quickborner Künstlerin Maren Nitschke, die Anfang des neuen Jahrtausends die vier Fliesen mit dem Eulenwappen brannte und Jorge Selarón überreichte. Da sie die Hälfte des Jahres in Brasilien lebte, hatte sie von der Escadaria Selarón gehört und wollte die Eulenstadt symbolisch zu einem Teil des Kunstwerks machen. Damals war Selarón, der in seinem Haus mit Künstlerwerkstatt direkt an der bunten Treppe wohnte, noch ein Unbekannter. Das sollte sich schnell ändern: Der US-Rapper Snoop Dogg setzte der bunten Treppe in seinem Musik-Video „Beautiful“ ein Denkmal. 2005 stufte der Bürgermeister das Kunstwerk als historisches Monument ein und machte Selarón zum Ehrenbürger der Stadt. Je bekannter der Fliesen-Künstler wurde, desto mehr Neider gab es: „Hinter vorgehaltener Hand wird gesagt, dass Selarón ermordet wurde“, sagt Andrea Schön.

„Ein verrückter und einzigartiger Traum, welcher erst an dem Tag meines Todes enden wird“, hat Selarón einmal gesagt. Doch sein Kunstwerk wird hoffentlich überdauern.

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