„Gertrudenhof“ in Quickborn : Ein Mammutprojekt mit Widerstand

Im Herzen Quickborns, auf dem „Gertrudenhof“, sollen 90 Wohneinheiten entstehen. Geschäftsführer Axel Schaffarzyk präsentiert den aktuellen Entwurf.
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Im Herzen Quickborns, auf dem „Gertrudenhof“, sollen 90 Wohneinheiten entstehen. Geschäftsführer Axel Schaffarzyk präsentiert den aktuellen Entwurf.

Firma Schaffarzyk plant 30 Millionen Euro teures Bauvorhaben. Entwurf nach Anwohner-Kritik überarbeitet.

shz.de von
02. Juli 2015, 22:30 Uhr

Quickborn | 14.000 Quadratmeter im Herzen Quickborns, 90 barrierefreie Wohneinheiten, fast 100 Stellplätze – es ist ein echtes Mammutprojekt, das die Baufirma Schaffarzyk auf dem „Gertrudenhof“-Areal plant. Und das teuerste der Firmengeschichte noch dazu: Auf zirka 30 Millionen Euro beziffert Axel Schaffarzyk, gemeinsam mit Bruder Stefan Geschäftsführer der im Jahr 2000 gegründeten Kommanditgeselllschaft (KG), das Investitionsvolumen. „Das ist eine echte Herausforderung“, sagt Axel Schaffarzyk während eines Ortstermins auf dem Gelände zwischen Feldbehnstraße und Amselweg.

Es ist eine reizvolle und Gewinn versprechende Aufgabe – wenn der umstrittene Bebauungsplan Nummer 106 erst einmal steht. Doch gegen das Großprojekt regt sich Widerstand. Seit Monaten. Zentrale Kritikpunkte der Gegner sind die Geschosshöhen der geplanten Mehrfamilienhäuser und die Abstände zu benachbarten Grundstücken. Jüngst gründeten Anwohner die Interessengemeinschaft (IG) Amselweg und holten sich juristischen Beistand, um sich für das weitere Bauleitplanverfahren zu wappnen.

In Schaffarzyks Planungsteam verhallen die Bedenken nicht ungehört. Nach der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung im Mai wurde der Entwurf überarbeitet. Eine zusammengerollte Ausfertigung des Plans, der vom 12. Juni datiert, trägt Schaffarzyk mit sich und sagt: „Seit der Ursprungsplanung haben wir neun, zehn Änderungen vorgenommen.“ Demnach wurde unter anderem die Geschosshöhe stellenweise von drei plus Staffel auf zwei plus Staffel reduziert. Häuser wurden gedreht, um den Abstand zu bereits bestehender Bebauung zu vergrößern. Entwürfe für zwei Häuser an der Nordseite wurden dahingehend geändert, „dass eine Rotbuche und eine Hecke stehen bleiben“, berichtet Schaffarzyk.

 

Damit spricht er ein sensibles Thema an. Denn im Februar erhitzte die Fällung eines großen Laubbaums am frühen Freitagnachmittag die Gemüter. Die Frage nach der Rechtmäßigkeit kam auf, war aber schnell wieder vom Tisch, da die Stadt Quickborn über keine Baumsatzung verfügt. „Es stand der Vorwurf im Raum, wir hätten den Baum fällen lassen, als niemand mehr im Rathaus war, um darauf zu reagieren“, erinnert sich Schaffarzyk und klärt auf: „Es war einfach so, dass dies der letzte Tag war, an dem die Gartenbaufirma für uns im Einsatz war. Weg musste der Baum so oder so.“

Geschätzte Bauzeit: Zwei Jahre

Drei weitere werden folgen müssen, das verhehlt Schaffarzyk nicht. Allerdings verspricht er: „Neue werden gepflanzt, überall auf dem Gelände.“ Büsche, die noch weichen müssten, sollen nicht entsorgt, sondern umgesetzt werden, ebenso Rhododendren, die derzeit teilweise in Baumschulen eingelagert werden. Der Park-Charakter des Areals soll nicht vollends verloren gehen, das macht Schaffarzyk klar. Er legt sich fest, wo er kann: „Auf der Südseite wird der Abstand zu den benachbarten Grundstücken nicht geringer werden als zwölf Meter“, sagt er mit Blick auf die Befürchtungen der IG-Mitglieder, dass die künftigen Bewohner ihnen von ihren Balkonen in die Gärten gucken können. Um Spekulationen entgegenzutreten, teilt Schaffarzyk mit, die Gebäudehöhe dreigeschossig plus Staffel liege bei maximal 13,90 Metern, zweigeschossig plus Staffel bei höchstens 10,80 Metern.

Das Bauvorhaben ist keine Aufgabe ohne unternehmerisches Risiko für seine Firma. „Jeder kann sich vorstellen, dass 14.000 Quadratmeter mitten in der Stadt nicht gerade preiswert sind“, sagt Schaffarzyk. Deshalb sei der Wunsch einiger Anwohner, die Zahl der Wohneinheiten von 90 auf 60 zu reduzieren, nicht umsetzbar. „Auf einige Einwände konnten wir eingehen, auf andere nicht“, sagt Schaffarzyk.

Tiefenbohrung, Schallgutachten, Baumgutachten – „wir haben unsere Schuldigkeit getan“, betont der Investor. Das Tor zum „Gertrudenhof“ ist abgeschlossen, die Firma steht in den Startlöchern. „Wenn wir anfangen können, stehen zwei Jahre später die Häuser“, schätzt Schaffarzyk. Eine Nachricht, die nicht nur negativ ankäme. Denn, wie Schaffarzyk klarstellt: „Es gibt nicht nur Kritiker, es gibt auch Interessenten.“

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