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Quickborner Tageblatt

18. Dezember 2017 | 07:02 Uhr

Leseprojekt : Ein Buch im Schuhkarton

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Die Schüler der Gemeinschaftsschule Rugenbergen gestalten literarische Szenen nach.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2014 | 15:00 Uhr

Bönningstedt | Schon der erste Teil der Aufgabe war für manche Neuntklässler der Bönningstedter Gemeinschaftsschule Rugenbergen eine echte Herausforderung: Sie sollten ein Buch lesen. Immerhin eines ihrer Wahl. Kreativität war dann beim zweiten Teil gefragt, denn eine Szene des Buchs musste szenisch dargestellt werden – in einem Schuhkarton.

„Ich bin begeistert von den Ergebnissen“, sagt Lehrerin Simone Becker, die kurzerhand beschloss, die kleinen Kunstwerke in der Mensa der Schule auszustellen. So vielfältig die Lektüre war, so unterschiedlich waren die einzelnen Kartons.

„Ich habe noch nie so ein dickes Buch gelesen“, gibt Leonie (15) ganz offen zu. Doch bei der Lektüre des Romans „Kirschroter Sommer“ von Carina Bartsch habe sie schlicht nicht mehr aufhören können. „Ich habe das an nur einem Tag durchgelesen, es ist so witzig geschrieben, ich musste einfach weiterschmökern“, sagt sie. Für die Darstellung wählte Leonie ein Bild der Universität, an der die Geschichte der beiden Studenten spielt.

Mit den ungeschriebenen Regeln der Meinungsfreiheit hat sich dagegen Yorick (15) beschäftigt: Er las „Der neue Tugend-Terror“ von Thilo Sarrazin. „Sarrazin beschäftigt sich mit den Reaktionen der Medien nach der Veröffentlichung seines ersten Buchs“, erklärt der Schüler. Seine Darstellung des Inhalts: Die schweigende Mehrheit steht einem Individuum gegenüber, das seine Meinung sagt – und dafür an den Pranger gestellt wird. „Früher stand der Pranger auf dem Marktplatz, heute wird er durch die Massenmedien verkörpert“, beschreibt der Schüler seinen Karton.

Unter den Büchern, die die Schüler sich ausgesucht hatten, waren nicht nur moderne Romane, sondern auch Klassiker: „Zwei Jahre Ferien“ von Jules Verne etwa. Simon (15) stellte den Überlebenskampf auf einer einsamen Insel szenisch mit künstlichem Sand und Palmen nach. „Die Kupferstiche, mit denen das Buch bebildert ist, habe ich kopiert und als variable Elemente an der Seite des Kartons befestigt“, erklärt der Schüler sein Werk.
Lulu (15) las „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von Christiane F. und setzte den Inhalt so um: „Ich habe die Utensilien aus der Fixer-Tüte – also Spritze, Löffel, Kerze, Heroinpäckchen und das Band zum Abbinden des Arms – sowie Szenenbilder vom Bahnhof zusammengestellt“, beschreibt sie.

„Es ist beeindruckend, mit wie viel Kreativität und Liebe zum Detail die Buchinhalte dargestellt sind“ lobt Becker ihre Schüler.

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