Kommunalpolitik : Dieter Huwald: „Das Desinteresse meiner Mitbürger irritiert mich“

Dieter Huwald wäre gern als Einzelkandidat in die Gemeindevertretung eingezogen, bleibt den politischen Gremien in Ellerau nun aber als treuer Zuhörer erhalten.
Dieter Huwald wäre gern als Einzelkandidat in die Gemeindevertretung eingezogen, bleibt den politischen Gremien in Ellerau nun aber als treuer Zuhörer erhalten.

Huwald hört sich regelmäßig die Debatten in Ellerauer Gremien an und wünscht sich auch von anderen Bürgern mehr Präsenz.

shz.de von
12. Juni 2018, 14:00 Uhr

Quickborn | Gern hätte er zwischen ihnen Platz genommen, wenn die Fraktionen im Ellerauer Gemeinderat am Donnerstag zur konstituierenden Sitzung zusammenkommen: Dieter Huwald war zur Kommunalwahl als Einzelkandidat angetreten, hatte keine große Partei oder Wählergemeinschaft im Rücken. Und damit hatte er bestenfalls Außenseiterchancen. Er kam auf 0,4 Prozent der Stimmen, immerhin ein Achtungserfolg, aber nicht genug, um seinen Traum von einem Platz im Kommunalparlament der Gemeinde, die seit 15 Jahren seine Heimat ist, wahr werden zu lassen. Jetzt sprach der 70-Jährige über die Gründe für seine Kandidatur und hat vor allem für die nicht politisch aktiven Bürger eine Botschaft. Er fordert sie auf, intensiver als bisher die Arbeit in der Ellerauer Gemeindevertretung zu verfolgen – aus Respekt vor dem Ehrenamt und weil „mich das Desinteresse der meisten Bürger irritiert“.

Einfluss nehmen

„Ich bin ein politischer Mensch und deshalb bei jeder Gemeinderatssitzung dabei“, sagt Huwald, ein ehemaliger Kfz-Meister, der 30 Jahre Betriebsratsarbeit hinter sich hat. Er macht keinen Hehl daraus, dass sich ihm nicht erschließt, warum viele Bürger noch nie eine politische Sitzung besucht haben. „Wir haben sehr die Angewohnheit, uns nicht zu kümmern, aber zu meckern, wenn es zu spät ist“, sagt er. Als Beispiel nennt er die intensive Debatte und das Ringen um die Zukunft der Straßenausbaubeiträge. „Das ist ein wichtiges Thema, das viele betrifft, und niemand hat sich dafür interessiert.“ Huwald sieht zudem für alle Bürger Möglichkeiten, auf die Entwicklung der Gemeinde Einfluss zu nehmen. „In unserem Wohngebiet habe ich den Bau einer Lärmschutzwand zum Nahversorgungszentrum im Berliner Damm angeregt. Das hat geklappt.“ Jeder Bürger sehe in seinem unmittelbaren Umfeld, wo es hake, was fehle und könne auf Abhilfe drängen.

Gute Noten für Fraktionen

Den Fraktionen erteilt er indes gute Noten. Huwald lobt die Arbeit, durch die Ellerau zu einem „angenehmen Ort mit guter Infrastruktur“ geworden sei. Und die Entwicklung bleibe nicht stehen. „Es passiert sehr viel in der Gemeinde“, sagt er. Warum also die Einzelkandidatur, die Huwald selbst als „Wahnsinnsversuch“ bezeichnet, wenn er einen Ratssitz doch vielleicht sicher gehabt hätte, wäre er auf Parteiticket gereist? „Ich bin Wechselwähler und entscheide immer wieder neu auf der Grundlage der Parteiprogramme.“ Sich an eine Partei zu binden und dann dauerhaft an deren Linie gebunden zu sein, das war für ihn keine Option. Und ist es immer noch nicht. Insofern, so Huwald, bereue er nichts und habe eine neue, interessante Erfahrung machen können.

Ob er in fünf Jahren einen weiteren Anlauf nehmen wird, lässt er offen. Sicher ist allerdings, dass er weiter jede Gemeinderatssitzung und möglichst viele Ausschüsse besuchen wird. Besonders interessieren ihn die Themen Bauen und Finanzen. „Politik ist keineswegs langweilig“, sagt er und fügt an, dass er gespannt sei, wie sich die Diskussionen in der Zukunft entwickeln, wenn nur noch drei Fraktionen daran beteiligt sind. Wahrscheinlich, so seine Prognose, würden die Debatten straffer, allerdings bedeuteten mehr Parteien auch mehr Demokratie.

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