Diebesjagd in Quickborn

„Das schaffen wir doch, Gustav“, sagte „Der Professor“ (Julian Böhnke, 12, Fotos links) und die Detektive schmiedeten ihren ausgeklügelten Plan einer Verfolgungsjagd quer durchs Berlin der 1920er Jahre.
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„Das schaffen wir doch, Gustav“, sagte „Der Professor“ (Julian Böhnke, 12, Fotos links) und die Detektive schmiedeten ihren ausgeklügelten Plan einer Verfolgungsjagd quer durchs Berlin der 1920er Jahre.

Jugendbühne der Quickborner Speeldeel spielt den Kästner-Klassiker „Emil und die Detektive“

shz.de von
14. Mai 2018, 16:00 Uhr

„Das Stück lebt von und mit den Kindern“, hatte Regisseurin Mirella Maaß schon im Vorfeld der beiden Aufführungen am Wochenende im Artur-Grenz-Saal in Quickborn gesagt. Sie sollte Recht behalten: Die elf Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 17 Jahren der Jugendbühne der Quickborner Speeldeel spielten ihre Rollen so authentisch und erweckten damit den Roman „Emil und die Detektive“ samt seiner Protagonisten von Erich Kästner aus dem Jahre 1929 zu neuem Leben.

Maaß und Regisseur-Kollege Peter Behn hatten für den Kult-Klassiker, der bereits in mehr als 100 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt wurde, bewusst auf große Kulissen verzichtet. „Kinder haben so viel Fantasie, dass sie das gar nicht brauchen“, sagte Maaß. Das Regisseur-Duo hatte sich stattdessen für ausgewählte Bühnenteile entschieden. Zum Beispiel das Zugabteil mit Fenster ins Grüne, in dem Emil Tischbein, beeindruckend überzeugend gespielt vom vierzehnjährigen Willy Krämer, von seinem Heimatort „Neustadt“ das erste Mal nach Berlin fuhr und dabei einschlief. Oder die, für das Berlin der 1920er Jahre typische, Litfaßsäule, dekoriert mit Werbeplakaten, hinter der sich Emil versteckte, als er den Dieb seiner 140 Deutschen Mark aus dem Zug, Herrn Grundeis beschattete. Grundeis wurde in einer Hosenrolle von Celina Toth (17) verkörpert. An der Litfaßsäule traf Emil kurze Zeit später auf Linus Wirwoll (14), dem die Rolle des „Gustav mit der Hupe“ wie auf den Leib geschrieben war. Gustav hupte und von überall aus dem Zuschauerraum strömten Kinder: „der Professor“ (Julian Böhnke, 12), „Mittenzwei“ (Emma Krämer, 10), „Mittendrei“ (Isabell Kuper, 14), „Lena“ (Leonie Genutt, 9), „die schlaue Anna“ (Lea-Sophia Brumm, 15), „die schnelle Ida“ (Lara Raab, 9) und „die kleine Dienstag“ (Amy Weidt, 9) auf die Bühne. Auch Emils Cousine „Pony Hütchen“ alias Maleen Bastein (12) kam auf ihrem Roller angerauscht. Die Quickborner Kinder wurden eins mit ihren Originalen aus „der guten alten Zeit“.

Jedes einzelne von ihnen versetzte sich mit sichtbarer Spielfreude geradezu professionell in seine Rolle hinein. Mit der „Parole: Emil“ starteten die Nachwuchsdetektive ihre Verfolgungsjagd vom Café zum Hotel „Kreid“, quer durch die Zuschauerreihen, bis in die Sparkasse, in der sie den Dieb schließlich einkreisten und zur Rede stellten. Abschließendes Bühnenbild, ebenso mit Liebe zum Detail, war die gute Stube von Emils Großmutter mit antikem Porzellan und Stühle der Jahrhundertwende, wo sich Emils Detektive nach erfolgreicher Mission zu Kaffee und Kuchen trafen, bevor Wachtmeisterin Ronja Dwinger (21) mit der Belohnung für die Festsetzung des polizeilich gesuchten Bankräubers Grundeis vorbeikam. Lediglich aus Gründen der Authentizität besetzten Maaß und Behn die Rollen von Emils Mutter (Denise Küchler), Emils Großmutter (Ilse Dorra), Frau Jacob (Gina Klaus), der Kassiererin (Renate Horn-Behn), des Wachtmeisters, des Schaffners, der Bedienung sowie des Kommissars (alle Dwinger), mit Gast-Schauspielern des Erwachsenen-Ensembles der Quickborner Speeldeel. Zur passenden musikalischen Einstimmung erklangen Melodien wie „Im Grunewald ist Holzauktion“.

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