Spenden : Die zwei Engel des gelähmten Hemdinger Schülers Kevin Falk

Drei, die sich gut verstehen: Kevin Falk (von links), Erika Stehr und Hartwig Valdmanis.

Drei, die sich gut verstehen: Kevin Falk (von links), Erika Stehr und Hartwig Valdmanis.

Der 18-Jährige kann seit drei Jahren auf die Unterstützung von Erika Stehr und Hartwig Valdmanis aus Quickborn zählen.

shz.de von
23. Mai 2018, 15:58 Uhr

Quickborn | Die Hilfe für den vor vier Jahren schwer verunglückten und seitdem querschnittsgelähmten Kevin Falk geht weiter. Erneut traf sich der 18 Jahre alte Hemdinger mit Quickborns Apothekerin Erika Stehr und dem  inzwischen pensionierten Star-Fotografen Hartwig Valdmanis zur Scheckübergabe, seit drei Jahren fast schon so etwas wie ein gemeinsames Ritual. 1110 Euro kamen durch die Abgabe des Himmelmoor-Kalenders 2018 zusammen. Das Geld fließt in Falks Therapien, die – so die große Hoffnung – ihn eines nicht mehr fernen  Tages wieder in die Lage versetzen werden, selbstständig zu laufen.

Seit vier Jahren sitzt der Schüler im Rollstuhl. Damals – es war der Pfingstmontag 2014 – sprang der sportliche Jugendliche von einem Trampolin aus in ein aufblasbares Planschbecken, brach sich den Halswirbel und lag zwei Wochen im Koma. Als er aufwachte, überbrachten ihm die Ärzte die niederschmetternde Diagnose und machten ihm wenig Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben. Er werde nie wieder laufen können, müsse künstlich beatmet werden und bleibe den Rest seines Lebens ein Pflegefall, teilten sie ihm und seiner Familie mit.

Büffeln für das Abitur

Inzwischen ist Falk weit gekommen. Er sitzt im Rollstuhl, büffelt für sein Abitur im nächsten Jahr, lebt unter der Woche in einem Internat in Preetz und hat dank einer Stiftung die Möglichkeit, mehrmals im Jahr in Rehabilitationszentren gezielt an seinem Muskel- und Bewegungsapparat zu arbeiten. Das sieht man ihm inzwischen deutlich an: Falk, der immer sportlich war, ein talentierter Fußballer und Breakdancer, ist schlank und hat eine drahtige Figur.

Die verdankt er ebenso wie die Fortschritte seinem Kämpferherz, seiner Disziplin und seinem Optimismus, aber irgendwie auch seiner Familie und den Freunden, die fest an seiner Seite stehen. Die aufwändigen Therapien hat die Familie in den ersten Jahren komplett selber bezahlt. 50.000 Euro kommen schnell zusammen für einen vier- bis sechswöchigen Aufenthalt, wenn die gewählte Klinik keinen Vertrag mit der Krankenkasse hat. 

Genau so ein Rehazentrum gibt es in Pforzheim, wo Falk  mehrfach war und jeweils die besten Fortschritte erzielt hat. „Im vorigen Jahr hat die Krankenkasse erstmals einen Teil der Kosten übernommen, nämlich den für die Anwendungen. Die Unterbringung zahlen wir, aber das ist trotzdem eine enorme Erleichterung“, sagt Nicole Falk, seine Mutter.

Familie entlasten

Hilfe bekommt die Familie von mehreren Spendern, die in den vergangenen Jahren immer wieder größere und kleinere Summen aufgebracht haben, um die Familie zu entlasten. Ein besonderer Platz gebührt Erika Stehr, Inhaberin der Pinnau-Apotheke, und Fotograf Hartwig Valdmanis. Einmal im Jahr bringen sie einen regionalen Motivkalender heraus, zuletzt mit Fotos vom Himmelmoor, die Valdmanis  zur Verfügung stellt. Stehr übernimmt die Druckkosten und bringt  das Werk in ihrer Apotheke an Kunden und andere Bürger – gegen eine Spende von mindestens zwei Euro. 

„Es ist wunderbar mitzuerleben, welche Fortschritte Kevin in den vergangenen Jahren gemacht hat“, sagt Stehr. Ohne die Fotos von Valdmanis wäre ihre Engagement aber in der Form kaum denkbar gewesen. „Er hat uns über die Jahre wunderbare Bilder geschenkt“, so Stehr. Nicht selbstverständlich, denn Valdmanis hat vor allem im vergangenen Jahr einige Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Hinter ihm liegen drei Schlaganfälle, zwischenzeitlich bangte er auch noch um seine Frau. Mühsam erholte er sich und gab nicht auf. Eine Kämpfernatur wie Falk. Der plant bereits seine nächste Reha und würde gern wieder nach Pforzheim.  „Das Konzept hier ist für mich genau richtig“, sagt Falk. Ob es klappt, steht noch nicht fest.

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