Ellerauer Schiffsmodellbauclub : Die Tüftler von der Krumbek

Fachsimpeln, bewerten, Erfahrungen austauschen: Für die Vereinsmitglieder Jürgen Blume (von links), Jürgen Beese, Friedrich Günther und Peter Stoffers gehört das Gespräch mit Gleichgesinnten unbedingt dazu. Besonders wichtig ist das für Beese, ein Neueinsteiger. Er hat damit angefangen, das gleiche Modell wie Blume zu bauen, um sich jederzeit bei dem erfahreneren Modellbauer Rat und praktische Unterstützung holen zu können.
Fachsimpeln, bewerten, Erfahrungen austauschen: Für die Vereinsmitglieder Jürgen Blume (von links), Jürgen Beese, Friedrich Günther und Peter Stoffers gehört das Gespräch mit Gleichgesinnten unbedingt dazu. Besonders wichtig ist das für Beese, ein Neueinsteiger. Er hat damit angefangen, das gleiche Modell wie Blume zu bauen, um sich jederzeit bei dem erfahreneren Modellbauer Rat und praktische Unterstützung holen zu können.

Mitglieder des Clubs Albatros geben ihr Fachwissen an Jugendliche weiter und suchen mehr Nachwuchs.

shz.de von
19. Juli 2018, 12:00 Uhr

Ellerau | Sie sagen von sich selber, sie seien alle ein bisschen verrückt. Außenstehende würden sie wohl eher als leidenschaftlich und voller Hingabe bezeichnen. In jedem Fall aber sind die Mitglieder des Ellerauer Schiffsmodellbauclubs (SMC) Albatros in der Szene eine Ausnahmeerscheinung, ist ihr Verein doch der einzige seiner Art in Hamburg und Schleswig-Holstein, der Jugendarbeit macht.

Der dänische Fischkutter ist eine Arbeit von Vereinsmitglied Harald Wagner.
Foto: SMC Albatros
Der dänische Fischkutter ist eine Arbeit von Vereinsmitglied Harald Wagner.
 

Peter Stoffers, Jürgen Beese, Jürgen Blume und Friedrich Günther gehören zur Albatros-Oldie-Gruppe. Sie sind ehemalige Kaufleute, Ingenieure oder Feinmechaniker und haben nahezu alle während ihrer Berufstätgkeit mit Schiffen zu tun gehabt. Geblieben sind die Begeisterung für Wasserfahrzeuge, für historische, Modelle, Rennboote, Frachter, Segelschiffe, Polizeiboote, Schlepper, Barkassen und die Marine. „Die meisten von uns haben einen handwerklichen Hintergrund“, sagt Blume. Voraussetzung ist das allerdings nicht, denn der Modellbau lässt sich erlernen. Was man braucht, sind Geduld und Beharrlichkeit.

Ohne diese Tugenden geht es aber ohnehin nicht, denn an so manchem Schiff arbeitet ein Modellbauer schon mal 15 Jahre. Für die versierten Modellbauer selbstverständlich, aber gleichzeitig auch ein Grund, warum sich der Nachwuchs schwer tut.

Der Weg ist das Ziel

„Jugendliche sind heute manchmal nicht ausdauernd genug. Sie wollen ein Schiff kaufen, es schnell zusammensetzen und dann sofort fahren“, sagt Günther. Das sei aber nicht die Arbeitsweise der Vereinsmitglieder. Für sie ist der Weg das Ziel, sie bauen um des Bauens und des Schiffes Willen. „Wir kaufen keine Bausätze, sondern höchstens Pläne. Dann konstruieren wir alles selber“, sagt Stoffers. Gibt es keine Original-Baupläne, was häufig genug der Fall ist, werden auf Grundlage von Fotos maßstabgetreue Skizzen angefertigt, aus denen die Arbeitsschritte hervorgehen. „Meistens dauert in so einem Fall die Recherche länger als das Bauen“, so Blume. Das gilt vor allem für historische Schiffe, deren Bauzeichnungen in den Archiven der Museen lagern. Und die sind, so die Erfahrung der Vereinsmitglieder, wenig kooperativ. Stoffers weiß ein Lied davon zu singen, denn er hat lange gebraucht, bis er Unterlagen für den Bau eines 1909 in Dienst gestellten Frachters fand. „Die liegen im Museum für Hamburgische Geschichte, das es rundweg abgelehnt hat, mir Kopien zur Verfügung zu stellen.“

Auch bei diesem Boot der Wasserschutzpolizei, eine Arbeit von Okke Wohlers, ist jedes Detail Handarbeit.
SMC Albatros
Auch bei diesem Boot der Wasserschutzpolizei, eine Arbeit von Okke Wohlers, ist jedes Detail Handarbeit.
 

Überhaupt haben es die Modellbauer nicht immer leicht, Verständnis für ihr Hobby zu wecken. Auch die Frage nach ausreichend großen Gewässern ist ein Reizthema in der Szene. „Es gibt nur wenige Teiche, auf denen wir fahren dürfen, aber wir hier in Ellerau haben ja einen“, so Günther. Er liegt direkt neben dem Bürgerhaus und damit auch neben ihrer voll ausgestatteten Werkstatt.

Die Werkstatt ist das zweite Wohnzimmer

Zumindest für Günther ist die Werkstatt das zweite Wohnzimmer. Er ist fast jeden Tag hier und gehört zum festen Team derjenigen, die die kleine Jugendgruppe betreuen. Die Oldies treffen sich zumeist am Donnerstag, um zu fachsimpeln, sich Hilfe bei technischen Problemen oder offenen Fragen zu holen. „Wir haben hier für jedes Thema Fachleute“, so Stoffers. Besonders gefragt sind Elektroniker oder Allrounder wie Friedrich Günther. Er kann einfach alles, hat sogar eine Lötmaschine gebaut, um Schiffsschrauben herstellen zu können. Sein unglaubliches Wissen und sein handwerkliches Geschick schöpft seit vier Jahren auch das Team des Hamburger Miniatur-Wunderlandes ab. Günther hat für das Mini-Venedig der Brüder Braun inzwischen gut 100 kleine Schiffe gebaut. Und es werden immer mehr.

Dass sie sich trotz ihrer eigenen Konstruktions- und Bautätigkeit die Zeit für die Förderung junger Menschen nehmen, ist dem Wunsch geschuldet, ihre Leidenschaft auf die kommende Generation zu übertragen und damit dem Verein eine Zukunft zu geben. „Heute sitzt kaum noch ein Vater mit Tochter oder Sohn im Keller und bastelt“, so Blume. Das übernehmen dann eben die erwachsenen Vereinsmitglieder. „Wir holen sie in unsere Werkstatt und zeigen ihnen, wie sie mit dem Werkzeug umgehen müssen“, so Stoffers. Mit den Kindern und Jugendlichen, betreiben sie Materialkunde, lehren sie, wie man Baupläne liest, und fangen mit dem Bau einfacher Optimisten oder Springer Tugs an, die auf dem Ärmelkanal in der Holzflößerei eingesetzt wurden. Im Herbstsemester bieten sie außerdem einen Modellbau-Kursus für die VHS an.

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