Porträt : Die Puristin aus Quickborn

Heike Lehnig (48) ist mit ihrer Familie in Quickborn endlich angekommen.
Heike Lehnig (48) ist mit ihrer Familie in Quickborn endlich angekommen.

Die Liebe führte Heike Lehnig in die Eulenstadt. Sport und Reisen mit ihrer Familie gehören zu ihrer Leidenschaft.

shz.de von
03. August 2018, 12:00 Uhr

Quickborn | Garten-Idylle. Ein Tisch, liebevoll gedeckt, Rattanstühle. Es ist ein heißer Tag, der heißeste in diesem Jahrhundertsommer soll es werden. Heike Lehnig trägt ein leichtes Sommerkleid und serviert lächelnd Tee: „Ich bin Ostfriesin.“

Die zarte Blonde mit der hellen Haut und den Sommersprossen kommt aus dem Ammerland, einem Landkreis im Nordwesten von Niedersachsen. Geboren ist sie in Westerstede. Bis heute wohnen dort ihre beste Freundin Hilke Sander und die Eltern, bei denen ihre Söhne Jasper und Joost einen Teil der Sommerferien verbringen. Heute lebt Lehnig in der Eulenstadt Quickborn.

Mehrere Berufe gelernt

Ihr 16-Jähriger Sohn Jakob ist mit der Ministrantengruppe der katholischen Kirchengemeinde in Rom unterwegs. „Heute steht eine Audienz beim Papst auf dem Programm verrät Lehnig schmunzelnd. Lehnig hat schon viel gemacht in ihrem Leben, darunter mehrere Berufe gelernt. 1987 entscheidet sie sich für eine Ausbildung zur Fotografin in Bad Zwischenahn. Es ist die Faszination für Menschen, deren Ausdruck sich mit dem Blick durch die Linse verändert.

Sie macht damals spannende Erfahrungen mit der Porträtfotografie, liebt den Wechsel der Stimmungen, die durch den Wechsel des Lichts entstehen. „Doch das klassische Verkäufergen fehlte mir“, erzählt die sympathische Quickbornerin. Damals, als Lehnig noch eine sehr junge Frau war, hatte sie schon dieses Gespür für das handwerklich Perfekte, was heute ihre Leder-Kollektion auszeichnet. Doch sie will mehr als Fotoalben verkaufen und Fotos, die sie selbst nicht gelungen findet, für die sie sich gerne mehr Zeit gelassen hätte. Denn schnelllebig war die Zeit auch schon in den 1980er Jahren. So bringt sie die Lehre nicht gern, aber konsequent zuende, sucht aber nach einer beruflichen Neuorientierung.

Wie es sie nach Quickborn verschlug

Ihre Stärke, guten Kontakt zu Menschen aufbauen zu können, führt zu der Entscheidung, etwas therapeutisches machen zu wollen. Über eine Freundin kommt sie zur Logopädie, macht in Köln „mit Herzblut“ eine Ausbildung, geht im Anschluss nach Trier, arbeitet in der HNO-Abteilung eines Krankenhauses und auch ambulant mit Kindern. Lehnig ist Trauzeugin bei einer Hochzeit in Westerstede, als sie Frank Lehnig trifft und es „Zoom“ macht. Als der „Ur-Quickborner“ 1996 in ihr Leben tritt, gibt sie entschlossen ihrem Leben erneut eine Wende: Sie kündigt fristlos ihren Job, zieht erstmal nach Itzehoe, will ihn besser kennen lernen. Auf dem Grundstück der Schwiegereltern, die eine Handelsvertretung haben, baut das Paar wenig später ein Eigenheim; 1999 eröffnet Lehnig im neu gebauten Haus ihre Praxisräume. Im Jahr 2000 folgt die Heirat. Jakob (16), Jasper (13) und Joost (9) machen das Glück perfekt. Warum lauter „J“-Namen? „Ja“ ist so lebensbejahend verrät Heike Lehnig, und fügt hinzu, dass „Ja“ schließlich auf Platt „Jo“ heißen würde.

Voll der Kindererziehung widmen

2006 schließt sie ihre logopädische Praxis, um sich voll der Kindererziehung zu widmen. „Ich wollte immer Mutter sein, immer Kinder haben.“ Ihr Mann ist zu der Zeit viel als Außendienstler unterwegs. Vieles, was sie in der Logopädie gelernt hat, kann sie jetzt spielerisch ausprobieren. Ende 2014 steigt Lehnig mit in die Handelsvertretung ein, arbeitet im Büro mit. 2016 starten sie und Frank ein Unternehmen in Quickborn. „Wir haben nach einer gemeinsamen Schnittstelle, gesucht“, sagt sie.

In Quickborn ist die junge Frau, die ihren Lebensweg mit viel Energie verfolgt, endlich angekommen. Heike Lehnig ist sportlich, bekennender Outdoor-Fan, joggt gern, reist mit der ganzen Familie auf die Lieblingsinsel Amrum. Am Wochenende hat sie mit ihrem Mann eine lange Radtour durch die Haseldorfer Marsch gemacht. „Ich liebe die wechselnden Landschaften.“ „Man verändert sich mit dem, was man tut“, sagt sie und das ist in gewisser Weise auch ihre Lebensmaxime. Denn sie passt ihr Handeln ihren Lebensumständen an. „Ich möchte, dass sich mein Leben gut anfühlt.“ Ein klares Statement.

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