Abschied : Die letzte Fuhre Torf

<p>In den Ruhestand versetzt sind nicht nur Klaus und Monika Czerwonka. Auch dieSpezialmaschine für die Torfverladung mit breiten Kunststofflaufwerk hat ausgedient.</p>

In den Ruhestand versetzt sind nicht nur Klaus und Monika Czerwonka. Auch dieSpezialmaschine für die Torfverladung mit breiten Kunststofflaufwerk hat ausgedient.

150 Jahre dauerte die Geschichte des Abbaus im Himmelmoor, jetzt wurde die Arbeit wegen Unrentabilität eingestellt.

shz.de von
14. Juli 2018, 11:04 Uhr

Quickborn/Pinneberg | Im Himmelmoor geht die Ära des Torfabbaus zu Ende.  Im Quickborner Torfwerk, dem letzten seiner Art in Schleswig-Holstein,  wurde der  Betrieb bereits in diesem Monat und damit  deutlich früher eingestellt als vertraglich vorgesehen – 150 Jahre industrieller Torfabbau in Quickborn sind damit reif für die Geschichtsbücher. Die in Neumünster ansässige Firma Carl Hornung als Betreiber hätte noch bis maximal 2020 Torf abbauen dürfen, so war es    mit dem Land Schleswig Holstein vereinbart worden.

„Die Qualität des Torfs für unsere  Baumschulkunden war zuletzt nicht mehr ausreichend und musste mit baltischem Torf angereichert werden, den wir zugekauft haben. Das war aber nicht mehr rentabel“,  erklärt Werksleiter Klaus Czerwonka die vorgezogene Entscheidung. Für den inzwischen 73-Jährigen ist damit ebenfalls Schluss.

Er zieht also jetzt Bilanz, und die fällt positiv aus. Auch ein anderer Vertragspunkt, die Renaturierung der Abbauflächen  mit aufgestauten Gewässern,  sei vollständig erledigt worden. Bis auf 15 Hektar sei die gesamte Abbaufläche wieder vollkommen vernässt. „Wir waren mit unseren Maschinen und unserem Personal auch in anderen Mooren des Landes im Einsatz. Allein die Renaturierung im Himmelmoor hätte 2,4 Millionen Euro gekostet, wenn man einen  Lohnunternehmer damit beauftragt hätte.”

Czerwonka ist  mehr als 41 Jahre  für das Quickborner Torfwerk verantwortlich gewesen. Eine Stellenanzeige der Firma Carl Hornung im Tageblatt hatte ihn auf die ausgeschriebene Position  des Werksleiters aufmerksam gemacht.  Der in Renzel aufgewachsene Landmaschinenschmied fand das  Angebot verlockend und griff sofort zu.  „Denn mit der Anstellung war eine eigene Wohnung im Fachwerkhaus an der Himmelmoorstraße gekoppelt.“ Alle Warnungen, dass das Haus ein ehemaliges Gefängnis für Strafgefangene war, konnten ihn und seine Frau Monika nicht abschrecken. „Wir haben in die Hände gespuckt und das Haus bewohnbar gemacht“, erinnert sich Monika Czerwonka, Mutter von drei Kindern.

Das Torfwerk beschäftigte damals 15 festangestellte Mitarbeiter und 50 Strafgefangene aus Neumünster, die bis 1990  täglich mit einem Bus  ins Himmelmoor gebracht und von zwei Vorarbeitern bewacht wurden. Außerdem verdienten sich in den Ferien  50 bis 80 Schüler ein gutes Taschengeld, das sie  täglich für ihre geleisteten Stunden ausgezahlt bekamen. „Die Kasse führte damals meine Frau“, berichtet der Werksleiter.  Zu der Zeit wurde der Torf schon nicht mehr mit dem Spaten, sondern mit einer Stechmaschine 80 Zentimeter tief ausgegraben und zum Trocknen aufgestapelt. Später kam eine selbst entwickelte  Fräse zum Einsatz, die den Torf oberflächig abtrug. So entstanden neben den Feldern aufgeschichtete Hügel zum Abtransport mit der Lorenbahn. Über Jahrzehnte konnten pro Jahr etwa 40000 Kubikmeter aus dem Moor gefördert werden – harte Arbeit in einer reizvollen Umgebung.

Ein besonderer Service für Besucher und Naturfreunde waren die vom Ehepaar Czerwonka organisierten Lorenfahrten, mit denen es 1982 begann.  Sie wurden später auch vom Lions Club Quickborn in Verbindung mit einem Himmelmoor-Fest angeboten, bis sie im Jahre 2008 eingestellt werden mussten. Schon im Jahr 2004 ist der Torfabbau in einem Vertrag  zwischen der Firma Hornung und dem Land Schleswig-Holstein geregelt und zeitlich bis zum Jahr 2020 begrenzt worden. Festgeschrieben wurde auch das Ziel, das Himmelmoor zu 75 Prozent der Natur zu überlassen und 25 Prozent der Fläche für die Naherholung zu nutzen. Diese Entwicklung ist planerisch und mit Ideenreichtum  vom damals neu gegründeten Förderverein Himmelmoor begleitet worden. In ihm sind Naturschützer, Vereine und Kommunalpolitik der Stadt Quickborn  vertreten. Als besonderen Erfolg hebt der Verein die Umsetzung eines 3,8 Kilometer langen Moorlehrpfades hervor. Auch werden Exkursionen mit der Lorenbahn angeboten und die  Instandhaltung der Wanderwege gewährleistet.

Zur Freude vieler Besucher führt auch die  „Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor“ in den Sommermonaten öffentliche Lorenfahrten durch und sorgt dafür, die Feldbahn und das   Schienennetz zu erhalten.  Czerwonka hofft, das vor 40 Jahren bezogene Domizil, deren Eigentümer die Landesforsten sind, weiterhin bewohnen zu dürfen. „Wir sind nach wie vor gerne Ansprechpartner, wenn unser Rat gebraucht wird“, betont der nun also pensionierte Werksleiter, der von seinen Freunden gerne mal „Mister Himmelmoor“ genannt wird. Und daran wird sich wohl auch nichts ändern.

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