zur Navigation springen

Quickborn : Die Krippenplätze reichen nicht aus

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Eltern klagen über hohe Stundensätze von Tagesmüttern und eine unklare Vergabe der Betreuung in Kindertagesstätten.

Quickborn | Aufgebrachte Stimmung im Sozialausschuss: Elf Väter und 13 Mütter haben am Dienstag die Sitzung in der evangelischen Kindertagesstätte besucht. Viele beklagten während der Einwohnerfragestunde, dass sie in diesem Jahr trotz frühzeitiger Anmeldungen keine Krippen- und Elementarplätze für ihre Kinder in den acht Quickborner Kitas erhalten hätten. Etwa 70 Minuten lang diskutierten sie mit den Politikern und dem Leiter des Fachbereichs Kindertagesstätten, Carsten Möller.

Nach seiner Aussage verschickten die Kita-Leitungen bisher 51 Zusagen für Krippen-, 158 für Elementar- und 45 für Hortplätze. Angesichts von insgesamt 110 Krippenplätzen sei die Zahl der positiven Bescheide hoch. In den Vorjahren seien bloß etwa 30 bis 40 Zusagen erfolgt. Die Zahl der Absagen teilte Möller nicht mit. Begründung: Weder stehe fest, wie viele Familien die Plätze annähmen, noch wie viele sogenannte Kann-Kinder eingeschult werden. Es könnten noch Plätze frei werden.

Die Eltern kritisierten vor allem die Höhe der Tagesmutterstundensätze und die Vergabe der Kita-Betreuung. Die Mutter Daniela Potempka fragte: „Warum bekommen andere Eltern Plätze, ich aber nicht?“ Eine Nachbarin habe ihr Kind unterbringen können, obwohl es jünger als Potempkas Sohn und etwa ein Jahr später angemeldet worden sei. Beide Frauen würden halbtags arbeiten. Die Mutter Verena Horx fragte: „Müsste nicht derjenige, der sich zuerst angemeldet hat und auf der Warteliste steht, den Platz bekommen?“

Möller erläuterte, dass dem Anmeldedatum bei der Vergabe am wenigsten Gewicht zukomme. Zuerst achteten die Kita-Leitungen auf andere Kriterien, zum Beispiel eine gute Mischung der Gruppen hinsichtlich des Geschlechts und des Alters. Dadurch werde nicht ein älteres automatisch einem jüngeren Kind vorgezogen. Gegenüber dieser Zeitung erläuterte er: „Nur wenn die ersten fünf Kriterien bei zwei Familien übereinstimmen, wird der Platz dem Kind gegeben, das früher angemeldet wurde.“

Der Leiter des Fachbereichs Kindertagesstätten, Carsten Möller.

Der Leiter des Fachbereichs Kindertagesstätten, Carsten Möller.

Möller betonte, dass die Stadt den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz nicht allein durch Kitas, sondern auch durch 15 Tagesmütter decke. Horx wandte ein, dass es dort Wartelisten gebe. Doch Möller empfahl den Eltern, sich an die Koordinatorin der Kindertagespflege bei der evangelischen Familienbildung Pinneberg, Christiane Behncke, zu wenden. „Heute hätte sie Anfragen erfüllen können“, sagte er.

Die Mutter Jessica Nagel beklagte die hohen Preise der Tagesmütter. Sie zahle pro Stunde fünf Euro. „Für vier Euro gab es keine“, sagte sie. Der Vater Marco Müller berichtete, dass die Familienbildung ihm eine Tagesmutter für 8,50 Euro plus Verpflegungskosten vermittelte. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Astrid Huemke sagte: „Ich bin erschrocken, dass Tagesmütter ihre Sätze selbst festlegen dürfen.“ Doch Birgit Schucht, Leiterin des Fachbereichs Soziales in der Kreisverwaltung, erläuterte dieser Zeitung, dass die Kräfte privatrechtliche Verträge mit den Eltern schlössen. Ihre Einschätzung: „Wenn eine Tagesmutter zu teuer ist, wird sie nicht belegt.“

Bernd Weiher (CDU) wies auf das Gutachten „Quickborn 2030“ hin, das er für Mai erwartet. Sollte es einen zusätzlichen Bedarf an Kita-Plätzen feststellen, werde die Politik dem sicherlich nachkommen. Die Ausschussvorsitzende Annabell Krämer (FDP) kündigte an, sich für die Sitzung am Dienstag, 10. Mai, den Differenzkostenausgleich für Tagesmütter und die Bedarfsabdeckung vorzunehmen. Die Mutter Claudia Brandtner betonte: „Ich bitte um eine kurzfristige Lösung. Ich möchte meinem Arbeitgeber nicht im August sagen: Ich komme übrigens nicht.“

VERGABE Die Kriterien

Die Leitungen der Kindertagesstätten vergeben Plätze nach diesen einheitlichen Kriterien, aufgelistet in der Reihenfolge der Wichtigkeit:

  1. Kinder aus Quickborn haben Vorrang.
  2. Alter: Geachtet wird auf eine Mischung der Gruppen.
  3. Kinder mit Geschwistern in derselben Kita haben Vortritt.
  4. Soziale Dringlichkeit.
  5. Berufstätigkeit der Eltern.
  6. Anmeldedatum.
KOSTEN Tagesmutter

Der Kreis Pinneberg setzt als Richtwert für einen Ganztagskrippenplatz einen Kostenbeitrag in Höhe von 444 Euro an. Ein vergleichbarer Platz bei einer Tagesmutter ist nach Auskunft des Kreises um etwa 50 Prozent teurer, wenn sie pro Stunde 4,24 Euro nimmt. Die Differenz erstattet der Kreis den Eltern. Wenn die Tagesmutter mehr berechnet, müssen die Mütter und Väter den Aufpreis selbst bezahlen.

 
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 07.Apr.2016 | 12:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen