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Tragisches Schicksal : Der Moment, der alles veränderte

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Vor über einem Jahr wurde Norbert W. von einer Betonplatte erschlagen. Seine Familie kämpft noch immer mit den Folgen. Nun soll ein Gericht klären, wer die Schuld am Tod des Mannes trägt - für die Witwe ein schmerzhafter, aber wichtiger Prozess.

Am Morgen des 29. Juni 2012 war für Familie W. die Welt noch in Ordnung: Vater Norbert fuhr zur Arbeit, die beiden Kinder gingen zur Schule, Mutter Agnieska kümmerte sich um den Haushalt. Als kurz nach 9 Uhr das Telefon klingelte, änderte sich mit einem Schlag das Leben der Familie: Norbert W. war von einer herabstürzenden Betonplatte erschlagen worden, jede Hilfe kam zu spät. Am 25. September beginnt der Prozess gegen den Bauherrn, der wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist.

Zur Trauer der Familie kam die Existenznot: Das Arbeitsverhältnis war ungeklärt – und damit auch der Versicherungsschutz. Ein Spendenaufruf in dieser Zeitung zeigte jedoch Wirkung, binnen weniger Tage füllte sich das Konto. Die Beerdigungskosten konnten bezahlt werden, statt des schlichten Holzkreuzes schmückt inzwischen ein Grabstein die letzte Ruhestätte von Norbert W. auf dem Friedhof. „Als der Steinmetz vom tragischen Schicksal der Frau erfuhr, erließ er ihr spontan einen Teil des Kaufpreises und schenkte ihr noch ein Grablicht“, berichtet ein Freund der Familie.

Auch heute, mehr als ein Jahr nach dem Unglück, ist die Haftungsfrage noch nicht geklärt, erst im Gerichtsverfahren, in dem Agnieska W. als Nebenklägerin auftritt, wird sich entscheiden, wie sich die finanzielle Zukunft der Restfamilie gestaltet. Derzeit sind Mutter und Kinder auf Hartz IV angewiesen. „Die Agentur für Arbeit hat die Familie im Rahmen ihrer Möglichkeiten vorbildlich unterstützt“, loben Verwandte der Frau.

So oft sie kann, besucht die Witwe das Grab auf dem Pinneberger Friedhof. Frische Blumen und Grablichter zieren die Stätte, an der die 34-Jährige ihrer Trauer freien Lauf lassen kann. „Den Alltag zu meistern, fällt ihr zwar manchmal schwer, dennoch blieb sie nicht untätig“, berichten Freunde. Nach einem erfolgreich absolvierten Sprachkursus besucht die zierliche Frau zurzeit vormittags eine Umschulung zur Altenpflegerin, nachmittags arbeitet die Witwe als Putzfrau. Ihre Hoffnung ist jetzt, dass im Lauf des Prozesses endlich die Schuldfrage geklärt wird – auch wenn sie weiß, dass der Prozess und die damit verbundene Aussage als Zeugin viel Kraft kosten wird.

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erstellt am 14.Sep.2013 | 06:00 Uhr

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