Dokumentarfilm : Der kreative Alleskönner

Wenn Andi Rohde gerade nicht am Schlagzeug sitzt, greift er gern mal zur Kamera.
Wenn Andi Rohde gerade nicht am Schlagzeug sitzt, greift er gern mal zur Kamera.

Musiker Andi Rohde reiste wochenlang durch den Iran, traf Menschen, machte mit ihnen Musik und drehte nebenbei eine Dokumentation

shz.de von
23. Juni 2018, 16:00 Uhr

Spielen, unterrichten, aufnehmen – Andi Rohde ist Musiker durch und durch und hat das große Glück, vom Schlagzeugspielen leben zu können. Dafür nimmt er in Kauf, mit vielen Bällen jonglieren zu müssen, denn er konzipiert Lehrbücher für angehende Drummer, hat einen Video-Blog (Vlog), eigene Schüler, unterrichtet an einer Musikschule, bietet Workshops an, probt und spielt mit seiner Band „Ohrenfeindt“. Dass ihm trotzdem Zeit für das Filmen und Fotografieren bleibt, zeugt von seiner guten Selbstorganisation. Jetzt hat der in Hasloh aufgewachsene und inzwischen in Quickborn Renzel lebende Rohde seinen ersten Film veröffentlicht – eine Dokumentation über den Iran. Ausgerechnet. Die DVD gibt es auch in Quickborn.

Andi Rohde ist keineswegs das viel zitierte Genie, dass das Chaos beherrscht. Vielmehr ist er hervorragend strukturiert, arbeitet mit To-do-Listen, um Termine und Abgabefristen nicht aus dem Blick zu verlieren. „Eine reicht allerdings nicht. Ich habe Tages-, Wochen- und Jahrespläne, die ich regelmäßig aktualisiere“, sagt er. Diese Disziplin zahlt sich für den Naturfreund, der umgeben von Wiesen auf einem Hof wohnt, unbedingt aus. Er schafft viel, und vieles ist auf eine besondere Weise außergewöhnlich.

Sein bislang vielleicht ambitioniertestes Projekt ist der Film über ein Land, das wegen seines Umgangs mit den Menschenrechten noch immer in der Kritik steht: Iran. „Mich interessiert beim Reisen das, was nicht im Katalog zu finden ist oder im Mittelpunkt des Tourismus steht.“ Also griff er zu, als er die Gelegenheit hatte, eine Iranistik-Studentin zu begleiten. Mit ihr zusammen reiste er kreuz und quer durch das Land, stieg auf schneebedeckte Berge, tourte auf alten Handelsrouten und setzte sich auf die Spur der kleinen und noch immer eher verborgenen Musikszene im Iran. „Ich war schwer beeindruckt von allem, was ich dort erlebt habe.“ Also nahm er irgendwann im Laufe des Aufenthaltes seine Kamera, übrigens eine Canon, und fing an, damit zu filmen – „oft aus der Hüfte heraus, weil ich nicht wusste, ob ich das überhaupt durfte“.

Er traf sich mit iranischen Musikern zu einer Jamsession und filmte, besuchte Konzerte und filmte, begegnete vielen Menschen und filmte. „Die Iraner sind sehr umtriebig und kontaktfreudig und immer froh, wenn sie Menschen zusammenbringen können.“ Rohde lernte, wie sie ihr eigenes Land sehen, was ihnen fehlt, aber auch, was sie lieben an ihrer Heimat. Er hörte ihnen zu, teilte ihre Begeisterung und gewann neue Freunde. „Es ist doch ganz einfach: Interessiere dich für die Leute, und sie interessieren sich für dich.“ Am Ende hatte er viele kleine Szenen aufgenommen, „auf die ich noch immer unheimlich stolz bin“. Bilder mit Seltenheitswert, weil er nah an seine Gastgeber herankam. „Ich wäre schön doof gewesen, wenn ich daraus keinen Film gemacht hätte“, sagt Rohde.

Es ist eine Liebeserklärung geworden, und seine Begeisterung ist wohl auch der Grund, warum der erste Besuch nicht der letzte war. Inzwischen ist er noch zweimal im Iran gewesen und hat dabei den Kontakt zur Modern Music School in Deutschland hergestellt, an der er auch unterrichtet. 60 Schulen betreibt das Unternehmen weltweit, darunter auch welche in Norderstedt und Hamburg sowie Elmshorn, wo er auch unterrichtet. Dank seiner Initiative gibt es nun also auch in Teheran eine Schule, an der musikbegeisterte Menschen ein Rock- oder Popinstrument lernen können – ein großer Schritt nach vorn, ist sich Rohde sicher. Dass die Nachfrage groß sein würde, war ihm spätestens nach einem Schlagzeug-Workshop in der iranischen Hauptstadt klar, den er gegeben hat. Dass auch Frauen unter den Teilnehmern waren, hat ihn besonders gefreut.

Nun kann sich der ehemalige Elsensee-Schüler wieder auf seine Projekte zu Hause konzentrieren. Im August erscheint das achte Studioalbum seiner Band. Das Rüstzeug für seine musikalische Karriere holte er sich übrigens an der Quickborner Musikschule von Lorenz Jensen. Und natürlich hat er dort auch lange in der schuleigenen Bigband gespielt.

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