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Quickborner Tageblatt

14. Dezember 2017 | 05:45 Uhr

Historisch : Der Kalte Krieg in Quickborn

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

In seinem Museum „Luftschutzwarnamt I“ gewährt Alexander Lipski Einblicke in eine verborgene Welt und eine dunkle Epoche.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Quickborn verfügt über verborgene Schätze. Einer der spannendsten verbirgt sich in einem etwas versteckten alten Haus in der Straße Im Sand: Es ist das Museum „Luftschutzwarnamt I“ von Alexander Lipski. Schon von außen erstaunen die – selbstverständlich originale – Beschilderung in strenger Verwaltungssprache, Verweise auf den Schutz der Anlage durch die Genfer Konventionen, die amtliche Beflaggung und die roten Schranken. Sie machen neugierig. Was sich dann allerdings im Gebäude auftut, ist spektakulär und in Norddeutschland einzigartig.

Es ist der Eintritt in eine verborgene Welt des Kalten Kriegs, eine Parallelwelt im Untergrund. In atomsicheren Bunkern sorgten darin Menschen dafür, dass die Verwaltung des Landes auch im Falle eines Atomkriegs hätte weiterfunktionieren können.

Eines ihrer Zentren in Schleswig-Holstein lag in Hohenwestedt: eine eigenständige Stadt unter der Erde, ein vierstöckiger Koloss mit drei Meter dicken Stahlbetonwänden. 300 Menschen hätten hier gearbeitet, um die Bevölkerung vor anfliegenden Bombern, Raketen und ABC-Angriffen zu warnen, sagt Lipski. Er war einer von ihnen. Sein Interesse an der Chemie hatte den angehenden Apotheker dazu gebracht, hier seinen Wehrersatzdienst zu leisten.

Lipskis Platz war im Auswertungsraum: Ständig mit Wetterdaten aus einem dichten Netz von Wetterballons und den Lageberichten der ABC-Abwehr versorgt, habe er den radioaktiven Niederschlag von Atomangriffen und den Wirkungsbereich von Chemieangriffen berechnet, um die Bevölkerung in den betroffenen Gemeinden im Ernstfall zu warnen. Dass dieses Szenario keine absurde Phantasterei, sondern eine reale Bedrohung war, wurde in der Kuba-Krise 1962 deutlich. Damals stand die Welt an der Schwelle zum dritten Weltkrieg. Und die riesige Maschinerie des Zivilschutzes setzte sich in Gang: Luftwarnbunker wurden bemannt, Hilfskrankenhäuser aus dem Boden gestampft, Ausweichsitze der Regierungen aktiviert. „Wir dachten alle: Jetzt geht es los. Wir hatten Angst“, gibt Lipski die Worte einer Kollegin wieder, die diese gespenstische Zeit im Bunker miterlebt hat. Abgeschottet von der Welt.

Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Auflösung der Hohenwestedter Anlage rettete Lipski einen Teil der technischen Anlagen – und baute sie in seinem Wohnhaus wieder auf. Radarstand, Lagezentrum, Auswertungsraum, Wetterstation, Telekommunikationsraum, Relaisstation bis hin zu Warnsirenen – dort steht die komplette Infrastruktur des Warndienstes.

Und sie funktioniert noch immer: Im Dämmerlicht der Leuchtkartenwände und Radarschirme rattern auf Knopfdruck zwei Räume weiter die eindrucksvollen Relaisbatterien los und steuern die Warnsirenen an – hochkomplexe Elektromechanik, die noch während des zweiten Weltkriegs entwickelt wurde und im Gegensatz zu modernen Computern den elektromagnetischen Impuls einer Nuklearexplosion überstanden hätte.
 

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