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Ehepaar aus Quickborn : Den Traum vom eigenen Kino umgesetzt

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Ehepaar aus Quickborn verwirklicht Selbstständigkeit in Nordrhein-Westfalen. Zwei Auszeichnungen nach nur einem Jahr.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2016 | 16:00 Uhr

Quickborn/Steinfurt | „Wir hatten schon Angst, weil wir hier niemanden kannten“, erinnert sich Stefanie Hamer an die Zeit vor ihrem Umzug ins nordrhein-westfälische Steinfurt. Denn eigentlich waren sie und ihr Mann Tobias waschechte „Ur-Quickborner“, und natürlich hatten sie fast die ganze Familie dort. Doch der Traum vom eigenen Kino war stärker als die Angst vor der Zukunft. „Wir haben damals, unabhängig voneinander, beim Beluga-Kino angefangen“, erinnert sich Hamer. Ihr Mann war später Theaterleiter, sie selbst hatte neben dem Studium als Aushilfe dort gearbeitet.

Die nächste Station war das Hamburger Abaton-Kino, später betreute Hamer 15 Kinos einer norddeutschen Kette. „Aber der Wunsch nach etwas eigenem war immer da“, sagt die Ex-Quickbornerin und lacht. Lange sahen sich die beiden in Wohnortnähe um. „Aber in ganz Schleswig-Holstein war nichts zu machen“, erinnert sich Hamer an die langwierige Suche.

Als sie dann eines Tages die Anzeige sahen, dass in Steinfurt ein Kinobetreiber Nachfolger suchte, waren sie gleich Feuer und Flamme. „Wir hatten damals schon unseren Sohn Sam“, so Hamer weiter. Als sie im Juli 2013 das erste Mal „runterfuhren“, war der gerade zwei Monate alt. „Dann ging aber alles sehr schnell“, sagt Hamer zwinkernd – bereits im September zog die junge Familie nach Steinfurt.

„Es war einfach genauso, wie wir es uns vorgestellt hatten“, schwärmt sie. Denn sie hatten sehr genaue Erwartungen an ihren Lebenstraum: Zu zweit wollten sie es betreiben können, außerdem sollte die Stadt nicht zu groß sein. „20.000 bis 40.000 Einwohner, das war so unsere Marke“, sagt Hamer. Während der ersten Monate hatten sie Söhnchen Sam immer im laufenden Betrieb dabei. „Da stand der Laufstall im Foyer“, sagt sie lachend, „aber oft hatte ich ihn auch in einer Rückentrage bei mir“.

Inzwischen hat sich viel verändert: Sohn Sam ist bereits zweieinhalb und geht in die Kita, und die Hamers beschäftigen zwölf Mitarbeiter auf geringfügiger Basis – ein paar Angestellte vom Vorbesitzer haben sie übernommen. „Das Miteinander muss einfach passen“, wissen die beiden Kinobetreiber, die noch immer jeden Tag selbst vor Ort sind und sich um das Tagesgeschäft kümmern.

Im Winter des vergangenen Jahres dann die große Überraschung: Das frisch übernommene Kino – nach der Pacht hatte sich das Ehepaar vor einem Jahr zum Kauf entschieden – wurde gleich zweimal ausgezeichnet. „Natürlich haben wir uns beworben für die verschiedenen Preise“, erinnert sich Hamer, die das Prozedere bereits aus ihrer Zeit im Abaton kannte, „aber dass wir gleich im ersten Jahr ausgezeichnet werden würden, hat uns schon umgehauen“.

Siegprämie der Film- und Medienstiftung NRW

Anfang November erhielten sie eine Siegprämie der Film- und Medienstiftung NRW, die in Köln verliehen wurde. Im Dezember folgte dann die Auszeichnung der Beauftragten des Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Verleihung in Köln war für die Neu-Steinfurterin ein glamouröses Erlebnis. „Ich stand bei der Übergabe direkt hinter Axel Stein, und auch Iris Berben war dabei“, erinnert sie sich.

Persönlicher Höhepunkt sei für sie aber Carolin Kebekus gewesen. In verschiedenen Kategorien wurden an diesen Abenden Siegprämien vergeben – und auch das Kino Steinfurt war dabei. „Wir sind ausgezeichnet worden für unser Kinder- und Jugend- sowie Gesamtprogramm“, freut sich Hamer. Punkten konnte das kleine, aber feine Kino mit seinen Sonderveranstaltungen, mit integrativem Kino und der Etablierung von Veranstaltungsreihen. „Unser Musicalabend, den wir einmal im Monat veranstalten, kam super an“, so Hamer.

Auch mit Behindertengruppen, mit Sportvereinen oder dem örtlichen Kinderhospiz arbeiten Hamers zusammen. „Als Betreiber haben wir natürlich viele Freiheiten, um Neues auszuprobieren“, so die Kinobesitzerin weiter. Ab und zu seien sie mit ihren Ideen auch schon auf die Nase gefallen, verrät sie. „Aber wir versuchen auch über die sozialen Netzwerke, unser Publikum mitbestimmen zu lassen“, sagt sie.

Ob Sektemfpang oder Kino mit Kaffee und Kuchen – das Ehepaar lebt für das Kino. „Und das muss man auch“, so Hamer, „denn wir wollen auch den persönlichen Kontakt zu unseren Zuschauern“. Dass da manchmal nicht einmal der Gang zur Bank eine Privatsache ist, daran hat sie sich gewöhnt. „Wir sind eben immer ansprechbar“, sagt sie.

Nur ab und zu überkommt sie die Sehnsucht nach der alten Heimat. „Die Mentalität ist schon eine ganz andere“, so Hamer. Deshalb besucht sie gemeinsam mit Ehemann Tobias oder mit Sohn Sam – so oft es geht – die Verwandtschaft in Quickborn.

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