Quickborn : Das Aus für die Fluglärmgegner

Zu  viel Fluglärm über Quickborn? Das muss jeder für sich beantworten. Fest steht, dass sich niemand mehr  in der IG gegen eine Reduzierung des  Krachs von oben einsetzen wollte.
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Zu viel Fluglärm über Quickborn? Das muss jeder für sich beantworten. Fest steht, dass sich niemand mehr in der IG gegen eine Reduzierung des Krachs von oben einsetzen wollte.

Der Vorstand der Interessengemeinschaft hat die Nase voll - jüngere Nachfolger gibt es jedoch nicht.

shz.de von
23. November 2013, 07:30 Uhr

Sie hatten es bereits vor einem Jahr angekündigt: Am Donnerstagabend hat die Interessengemeinschaft Flugschneise Nord während einer Mitgliederversammlung den Auflösungsbeschluss des Verein gefasst. Sang- und klanglos, denn das Treffen, das von etwa 40 Mitgliedern besucht wurde, war nicht öffentlich. Der amtierende Vorstand hatte zuvor in mehreren Rundbriefen an alle Mitglieder erklärt, dass sich alle fünf Vorstandsmitglieder bei der Jahresversammlung am 21. November nicht mehr zur Wiederwahl stellen würden (diese Zeitung berichtete).

Doch der damit einhergehende Appell an die Jüngeren, Verantwortung zu übernehmen, zeigte keine Wirkung. Damit ist der Generationswechsel endgültig gescheitert. „Es sind am Donnerstagabend nicht genügend Bewerber da gewesen, um einen neuen Vorstand zu wählen“, sagte gestern der stellvertretende Vorsitzende Jürgen Radowitz auf Anfrage dieser Zeitung. Er sei nach mehr als zehn Jahren Vorstandsarbeit nicht mehr bereit, im Vorstand mitzuarbeiten, sagte er. Dasselbe gilt für den Vorsitzenden Eberhard von Lany. Auch er hört nach 14 Jahren Vorstandsarbeit auf. „Wenn unter 271 Mitgliedern keiner für die Vorstandsarbeit zur Verfügung steht, muss man das so hinnehmen“, sagte ein sehr gefasster von Lany. Ein Notar werde in den nächsten Wochen die Auflösung abwickeln.

„Die Mitglieder bedauerten am Donnerstagabend, dass die Fluglärmgegner kein Sprachrohr mehr haben“, sagte Radowitz. Allerdings räumte er ein, dass der Fluglärm in den letzten Monaten abgenommen habe. Er erklärte sich damit die fehlende Resonanz auf den Appell des Vereins. Ein Fazit ihrer langjährigen Arbeit wollten weder Radowitz noch von Lany ziehen. „Eine Historienaufarbeitung wird es nicht geben“, sagten beide.

Bürgermeister Thomas Köppl (CDU), auch Mitglied des Vereins und darüber hinaus Vertreter in der Fluglärmschutzkommission, musste wegen des gleichzeitig stattfindenden Hauptausschusses der Fluglärmgegner-Versammlung fernbleiben. Er habe damit nicht gerechnet: „Es ist ein herber Verlust für Quickborn und sehr bedauerlich“, sagte er.

Aber er äußerte auch kritische Worte: „Die Stadt wurde nicht um Hilfe gefragt, sondern sogar ausdrücklich ausgeladen. Deswegen war das Signal auch sehr deutlich, uns nicht in die Vereinsangelegenheiten einzumischen. Man wollte das Ding wohl begraben“, sagte er. Jetzt fehle eine Initiative, die die Interessen der Fluglärmgegner wahrnehme. Deswegen sei die Stadt noch stärker gefordert als bisher. „Ich bin sicher, dass die politischen Gremien und die Verwaltung dieses Vakuum füllen werden“, so Köppl. Dann noch Lob von dem Bürgermeister für die bisherige Arbeit des Vereins: „Es wurde was bewegt, auch wenn das nicht so offensichtlich ist. Allein durch die Thematisierung des Problems hat der Verein mehr Fluglärm verhindert.“

Stadtrat Klaus Hensel (CDU), Stellvertreter in der Fluglärmschutzkommission, findet das Aus des Vereins „schade, weil der Verein in der Vergangenheit sehr wichtige Punkte in die Diskussion eingespielt und das Thema aktuell gehalten hat“. Wenngleich es nicht gelungen sei, den Fluglärm insgesamt erheblich zu reduzieren. „Die Argumente und die Aktionen haben jedoch geholfen, dass es nicht zu einer Verschlechterung gekommen ist. Was bei dem Übergewicht von Hamburg positiv ist.“
 

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