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Quickborn : Bürgermeister macht Werbung für ein Steak House

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Quickborner kritisieren den Auftritt von Thomas Köppl in einem Kino-Spot. Die Fraktionen sind geteilter Meinung. Ein Abendessen mit seiner Frau vor der Kamera: Quickborns Bürgermeister weist die Kritik von sich.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Quickborn | Er spricht Grußworte anlässlich von Firmenjubiläen oder tritt während eines Richtfestes auf, aber dass er nun genüsslich ein gabelgroßes Stück Rindersteak abschneidet, das geht einigen Bürgern zu weit. Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) macht seit Dezember Werbung für das Steak House an der Kieler Straße – und zwar auf der Leinwand. Denn der Werbespot wird im Beluga-Kino in Quickborn gezeigt.

Von einigen Bürgern hagelt es dafür Kritik. „Ein Bürgermeister darf sich so etwas nicht erlauben“, schreibt etwa einer auf der Internetplattform Facebook. „Als Person des öffentlichen Lebens Werbung für einen lokalen Anbieter? Ich weiß ja nicht“, schreibt ein anderer. Köppl hingegen sieht das gelassen: Für Quickborns Bürgermeister ist das Teil der Wirtschaftsförderung in seiner Stadt. „Ich bin generell bereit, Werbung für lokale Firmen zu machen“, sagt er. Verwerflich findet er daran nichts. „Solange ich kein bestimmtes Produkt anpreise oder Geld dafür bekomme,  spricht nichts dagegen“, sagt Köppl. Das sehen einige Politiker anders. CDU-Ratsherr Bernd Weiher bezeichnet den Auftritt des Verwaltungschefs als „ungeschickt“. Heinrich Kut, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sieht gar das Neutralitätsgebot in Gefahr: „Als Bürgermeister ist er für alle Bürger da.“ Die Sozialdemokraten geben Köppl Rückendeckung: Im Sinne der Wirtschaftsförderung sei dieser Werbespot in Ordnung, sagt Fraktionsvorsitzende Astrid Huemke. Die FDP wollte sich gestern auf Anfrage unserer Zeitung nicht dazu äußern. Auch Wilhelm Knelangen, Politikwissenschaftler an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, findet die Entscheidung Köppls pikant: „Ein Bürgermeister sollte in seinem Handeln alles vermeiden, was an seiner Beeinflussbarkeit Zweifel hegt“, sagt Knelangen.

Köppl: Für lokale Firmen mache ich gern Werbung

Zu Beginn schauen beide in die Menü-Karte, anschließend prosten sie sich mit einem Glas Sekt zu: Für den neuen Werbespot des Steak House an der Kieler Straße in Quickborn haben Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) und seine Frau Ragna die Hauptrolle übernommen. Der Film ist laut Kai Bartels, Betreiber des Beluga-Kinos, seit Mitte Dezember im Vorprogramm zu sehen.

Der Spot zeigt das Ehepaar an einem Tisch, der mit Blumen und einer Kerze hübsch dekoriert ist. Den Köppls werden jeweils Vorspeise und Hauptgang aufgetischt. Sie kommen nicht zu Wort und es ist auch nicht zu sehen, wie einer von beiden isst. Man sieht lediglich, wie dem Bürgermeister erst die Vorspeise serviert wird und er dann mit einem Messer ein Steak zerschneidet und seine Frau mit der Gabel ein Stück Gemüse aufspießt. 22 Sekunden dauert der Spot. Für einige Bürger sind das 22 Sekunden zu viel. Denn auch nach dem Kinobesuch bleibt bei einigen ein zwiespältigesGefühl zurück.

Dass der Bürgermeister überhaupt in diesem Film mitspielt, ist nach Angabe des Geschäftsführers des Steak House, Salar Sazegar, Zufall. „Ich habe ihn spontan gefragt und er hat zugesagt“, sagt er. Er findet, das sei eine „tolle Sache“. Die Kritik kann Sazegar nicht verstehen. Auch der Bürgermeister selbst ist verwundert: „Kritisch wird es erst dann, wenn ich Vorteile daraus ziehe“, sagt Köppl. Er sei generell bereit, im Rahmen der Wirtschaftsförderung für lokale Firmen Werbung zu machen. Das gelte für alle. „Was spricht dagegen?“, fragt Köppl.

„Für die Stadt ist das gut“

Wenn es nach der SPD geht, nichts. „Wenn er das unentgeltlich und unabhängig für alle seriösen Quickborner Unternehmen macht, dann ist das in Ordnung“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzende Astrid Huemke. „Für die Stadt ist das gut“, fügt die Sozialdemokratin an. Heinrich Kut, Fraktionsvorsitzender der Grünen, bezeichnet den Auftritt des Bürgermeisters als „unglücklich“. Er sei für alle Bürger da und sollte keine Werbespots machen. „Das Neutralitätsgebot könnte verletzt sein“, sagt Kut.

Auch Bernd Weiher, CDU-Ratsherr, sagt in einer persönlichen Stellungnahme: „Das ist ungeschickt und sicherlich nicht zu empfehlen.“ Eine allgemeine Werbung für Quickborner Unternehmen hätte Weiher noch für in Ordnung befunden, „aber für spezielle Firmen zu werben, halte ich nicht für besonders klug“, sagt er. Die FDP wollte sich gestern nicht zu diesem Werbe-Spot äußern.

Wilhelm Knelangen, Politikwissenschaftler an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, sagt: „Ein Bürgermeister sollte grundsätzlich alle Bürger gleich behandeln. Alle haben einen Anspruch darauf, dass es keine Bevorzugung oder Benachteiligung gibt.“ Außerdem fügt Knelangen hinzu: „In seinem Handeln sollte ein Bürgermeister alles vermeiden, was an seiner Beeinflussbarkeit Zweifel hegt.“

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